Was erhoffen Sie sich vom Zusammenschluss von Edipresse und Tamedia?

Pietro Supino: Er stärkt die wirtschaftliche Basis beider Mediengruppen. Und dies ist wichtig, damit wir das traditionelle Geschäft, insbesondere die bezahlten Tageszeitungen, weiterentwickeln können. Gleichzeitig bietet sich für Edipresse wie für Tamedia die Möglichkeit, neue Angebote zu lancieren im Bereich der elektronischen Medien und insbesondere im Online. Gerade hier sind wir mit starker Konkurrenz aus dem Ausland konfrontiert.

Von welchen Synergien gehen Sie aus?

Supino: Auf der Verlagsseite sehen wir ein grosses Potenzial. Das wissen wir aus dem Zusammenschluss mit der Espace Media Groupe, aus dem wir im nächsten Jahr Synergien von 20 Mio Fr. realisieren werden. Bei Edipresse gehen wir trotz Sprachgrenze von rund 30 Mio Fr. aus.

Kommt es zu einem Stellenabbau bei Verlag, Redaktion und Druck?

Supino: Ein Merkmal des Zusammenschlusses ist, dass zwischen beiden Unternehmen eine hohe Komplementarität vorhanden ist. Edipresse wie Tamedia sind in den gleichen Bereichen tätig, aber in unterschiedlichen Märkten. Eine Überlappung haben wir lediglich bei den Westschweizer Gratiszeitungen «Le Matin bleu» und «20 minutes» festgestellt. Hier hat es im Markt Romandie nur Platz für einen Titel, sodass es zu einem Stellenabbau kommen wird.

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In welcher Grössenordnung?

Supino: In beiden Gratiszeitungen arbeiten rund 70 Personen, verglichen mit 3700 in beiden Unternehmen. Wir rechnen mit einem Stellenabbau im tiefen zweistelligen Bereich, wobei wir in den nächsten Wochen prüfen, ob und wie die Betroffenen in den Unternehmen weiterbeschäftigt werden können. Insgesamt führt der Zusammenschluss zu praktisch keinem Personalabbau, sondern zu einer Ergänzung.

Sie übernehmen ausschliesslich das Schweizer Geschäft von Edipresse. Haben Sie kein Interesse an den internationalen Aktivitäten?

Supino: Dass wir die Verhandlungen auf die Schweiz konzentriert haben, ist einerseits so von Edipresse definiert worden. Anderseits entspricht dies den Vorstellungen und Ambitionen von Tamedia. Wir konzentrieren uns auf den Schweizer Heimmarkt, weil wir hier ein grosses Potenzial sehen und mehr Mehrwert schaffen können als im Ausland. Kommt hinzu, dass die Fusion eine grosse Investition ist, und wir haben das Ziel, solide finanziert zu bleiben.

Kann es sein, dass Tamedia die Auslandsaktivitäten von Edipresse doch noch übernimmt?

Supino: Wir sind mit der Pendlerzeitung «L'essentiel» in Luxemburg präsent. Doch in nächster Zeit wollen wir uns auf die Fusion konzentrieren und ein nationales Medienunternehmen aufbauen.

Die Konsolidierung in der Branche geht weiter. Führen Sie Gespräche mit der «Basler Zeitung»?

Supino: Das kommentieren wir nicht.

Zwischen Lausanne, Bern und Zürich fehlt noch das Mittelland. Hat Tamedia Interesse an der AZ-Medien-Gruppe?

Supino: Wir sind bereits im Mittelland aktiv. Verschiedene unserer Titel, Sendungen und Onlineangebote werden im Mittelland genutzt. Darauf konzentrieren wir uns.

Also keine Gespräche mit AZ-Verleger Peter Wanner?

Supino: Auch diese Frage kann ich leider nicht kommentieren.

Sie sind Schweizer Marktführer bei den Gratiszeitungen. Haben Sie keine Angst, Ihre Regionalzeitungen weiter zu kannibalisieren?

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Supino: Diese Frage hat sich unabhängig von der Fusion bereits früher gestellt. Die Antwort ist die gleiche: Jede Gattung muss auf ihre eigenen Stärken bauen und ein derart attraktives Angebot haben, dass es sich durchsetzt. Der Reichtum unser Mediengruppe sind Vielfalt und autonome Medienangebote.

In welchen Bereichen werden Sie künftig das Geld verdienen?

Supino: Wir glauben sowohl an das traditionelle Verlagsgeschäft als auch an das elektronische Mediengeschäft. Es ist unser Ziel, in den nächsten drei Jahren einen Viertel des Unternehmensgewinns aus dem elektronischen Mediengeschäft zu erwirtschaften.