Die SSI Schäfer-Gruppe baut weltweit mittelgrosse und grosse Lagerkomplexe. Wie läuft das Lagergeschäft in der Schweiz?

Georg J. Reichmuth: Auch in der Schweiz wird zurzeit sehr stark in neue lagertechnische Ausrüstung investiert. Die SSI Schäfer-Gruppe als marktführender Anbieter von Anlagen und Einrichtungen in der Lagertechnik/Intralogistik konnte davon stark profitieren. Wir können dank unseres breiten Produktportfolios den Kunden massgeschneiderte Lösungen in der Lager, Förder- und Kommissioniertechnik anbieten und realisieren.

«Alles aus einer Hand» lautet das Motto von SSI Schäfer, was bedeutet das konkret für den Kunden?

Reichmuth: Wir sind in der Lage, dem Kunden einen umfassenden Service von der Beratung über die Planung bis zur Erstellung des Lagers, dessen Inbetriebnahme und Wartung anbieten zu können. Damit sind wir Komplettanbieter für Materialfluss-Systeme, die in unseren eigenen Werken produziert werden. Die durchgehende Wertschöpfungskette garantiert dem Kunden ein hohes Mass an nachhaltiger Produktidentifikation und einen entsprechenden Qualitätsstandard.

Welches waren in jüngster Zeit die wichtigsten Objekte, welche SSI Schäfer in der Schweiz realisierte?

Reichmuth: Abgesehen davon, dass für uns jedes Projekt wichtig ist, konnten wir in jüngster Zeit mehrere Hochregallager in gebäudetragender Ausführung, das heisst sogenannte Lagersilos, für die grössten Retail-Gruppen der Schweiz sowie Logistikdienstleister wie zum Beispiel die Planzer Transport AG bauen. Erwähnenswert sind auch vollautomatisierte Distribution Centers mit hoher Dynamik und hohen Kommissionierleistungen im Pharma und Food-Bereich, die wir in der Schweiz realisieren durften.

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Welche Projekte auf weltweiter Ebene zählen zu den spektakulärsten, welche SSI Schäfer realisierte?

Reichmuth: Dazu gehört sicher das Mega-Verteilzentrum für den US Drugstore und Branchenriesen Walgreens, das im Bundesstaat South Carolina errichtet wurde. Mit 500000 Stellplätzen für Paletten und Behälter, 43 vollautomatischen Regalbediengeräten, 15 km Förder- und Sortiertechnik sowie über 100 Horizontalkarussellen entstand auf 70000 m2 Gebäudefläche dieser hochautomatisierte und beeindruckende Distributionskomplex.

In welchen Ländern erfolgt heute die Produktion der einzelnen Komponenten eines Lagers?

Reichmuth: Der Produktionsschwerpunkt der Schäfer-Gruppe befindet sich nach wie vor in Deutschland. Daneben verfügen wir über modernste Fertigungswerke in Tschechien, Österreich, Asien und Nordamerika.

Logistikanlagen müssen heute rascher als früher veränderten Produktionszyklen angepasst werden. Was bedeutet das für die Nutzung solcher Anlagen, können diese den neuen Anforderungen angepasst werden?

Reichmuth: Grundsätzlich kann festgestellt werden: Je höher ein Lager automatisiert ist, desto schwieriger wird es, dieses einem anderen Nutzungszweck zuzuführen. Manuelle Läger dagegen können mit weniger Aufwand für neue Nutzungen umgerüstet werden. Unsere durchgehenden «Baukasten-Systeme» bieten dazu sehr gute Voraussetzungen und ermöglichen auch eine optimale Raumausnutzung.

Stichwort räumlich begrenzte Verhältnisse: Hier können Verschieberegalanlagen zunehmend zum Einsatz gelangen

Reichmuth: absolut, dieses Segment zählt derzeit zu den gefragtesten Lagertypen innerhalb unseres Angebotes und wird insbesondere von Logistikdienstleistern sehr geschätzt. Mit der Einsparung mehrerer Regalgassen kann auf der gleichen Fläche eine Verdoppelung der Lagerkapazitäten erzielt werden. Mit unserer innovativen Entwicklung eines lasernavigierten Schmalgangstaplers ist es uns gelungen, Verschiebeanlagen auch automatisch zu bedienen.

Inwieweit kann mittels Computer-Simulation das Risiko bei der Planung grösserer Anlagen minimiert werden?

Reichmuth: Bei der Planung von komplexen Lager- und Materialfluss-Systemen ist die Computer-Simulation nicht mehr wegzudenken. Auch bei der Berechnung von Hochregallagern ist eine optimale Auslegung mit grösstmöglicher statischer Sicherheit – Stichwort Finite-Elemente – ohne Computer-Simulation nicht möglich.

Welche Entwicklung nimmt das Lagergeschäft generell aus Ihrer Sicht: Sind Megaläger noch gefragt oder geht es eher wieder in Richtung kleinere und lokale Läger?

Reichmuth: Unsere Erfahrung zeigt, dass der Trend bei automatisierten Lösungen nach wie vor in Richtung von grösseren Lägern geht, wobei hier Wirtschaftlichkeitsüberlegungen im Vordergrund stehen. Innerhalb der Supply Chain kann festgestellt werden, dass die Anzahl der Artikel ständig zunimmt. Auf der anderen Seite müssen im Sinne einer Just-in-time-Philosophie immer kleinere Mengen des gleichen Artikels in kürzeren Zeitintervallen zur Verfügung gestellt werden. Dies erfordert im automatisierten Lager neue Ansätze und Lösungen in der Kommissioniertechnik. Schlagworte wie 1000 Picks pro Stunde sind mit unseren Systemen heute Realität geworden.

Im Herbst dieses Jahres findet in Basel die Pack&Move, eine Fachmesse für die Logistik und die Verpackungsbranche, statt. Mit einem neuen Konzept soll ein weiterer Versuch gestartet werden, eine Messe für die gesamte Intralogistik in der Schweiz zu etablieren. Was erwarten Sie als Präsident der Interessengemeinschaft Förder- und Lagertechnik (IGFT) von dieser Messe?

Reichmuth: Für mich als IGFT-Präsident ist es wichtig, dass wir eine Messeplattform für die Logistikbranche in der Schweiz erhalten können. Mit der Pack&Move soll eine Leistungsschau realisiert werden, welche die unterschiedlichsten Anspruchshaltungen der verschiedenen Aussteller im Bereich Logistik vereinigen soll. Ein wichtiges Ziel ist es, dem Besucher nicht nur Teilbereiche zu präsentieren, sondern den gesamten Bereich der Intralogistik aufzuzeigen. Da die Messe zudem zur gleichen Zeit wie die Swisstech und die Prodex stattfindet, kann mit einem grösseren Besucherpotenzial gerechnet werden. Zusammen mit dem Messebeirat und dem Veranstalter, der Messe Schweiz, wurde ein Messekonzept erarbeitet, welches einen umfassenden Überblick über sämtliche Bereiche der Intralogistik gewährleisten soll.

Braucht es aus Ihrer Sicht eine nationale Logistikmesse in der Schweiz?

Reichmuth: Wir sind schon der Meinung, dass eine Fachmesse für den gesamten Bereich der Intralogistik in der Schweiz eine Berechtigung hat. Messen sind nach wie vor ein wichtiges Instrument in der Kontaktpflege zum Kunden. Von Seiten der IGFT-Mitglieder jedenfalls stösst die Messe auf reges Interesse, und wir hoffen natürlich, dass dieser erneute Versuch, eine Branchenplattform zu schaffen, erfolgreich sein wird.