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Interview
«Wir sind sehr irritiert»

Kurt Schär: «Quote an Garantiefällen ist mit unter 0,6 Prozent sehr klein»

Das Schweizer E-Bike Flyer fiel bei einem Test des ADAC durch – Note «mangelhaft». Kurt Schär, Chef des Herstellers Biketech, kann das nicht verstehen und kritisiert die Tester.

Von Stefan Eiselin
am 30.05.2013

Meldeten sich bereits besorgte Kunden bei Ihnen, weil Flyer beim ADAC-Test so schlecht abschnitt?
Kurt Schär: Selbstverständlich stehen wir den Kunden, die sich besorgt meldeten, mit den entsprechenden Informationen und Prüfberichten zur Verfügung. Doch ich muss sagen: Der Flyer schnitt bei den nach Norm geprüften Punkten im ADAC-Test gut bis sehr gut ab. Der Test, bei dem ein Ausfallende am Achsenende am Rahmen brach, wurde nicht nach einer bestehenden Norm durchgeführt und kann daher von uns nicht nachvollzogen werden.

Sie haben die Resultate also nicht eingehender analysieren können?
Der ADAC und die Stiftung Warentest machten uns leider bisher weder die Informationen über das angewandte eigene Testverfahren, das eingesetzte Prüflabor noch über die genauen Resultate zugänglich. Wir sind sehr irritiert. Wir stehen im direkten Kontakt mit den Organisationen und setzen alles daran, diesbezüglich Transparenz zu erhalten.

Was unternehmen Sie jetzt, um die Bedenken auszuräumen?
Die Kunden und Händler erhalten von uns eine entsprechende Stellungnahme und können jederzeit die von der weltweit grössten Prüfinstitution SGS erstellten Prüfberichte einsehen. Dieser Rahmentyp wird seit über zehn Jahren eingesetzt. Es sind uns viele Fahrzeuge mit einer Laufleistung von über 50‘000 Kilometer bekannt und der härteste Einsatz überhaupt – die Vermietung von Flyer in Tourismusregionen -  sind Beweis für die Praxistauglichkeit dieser Modelle ohne einen einzigen bekannten Fall eines Bruches des Ausfallendes.

Sie sagen, ein solcher Bruch der Ausfallenden sei noch nie vorgekommen. Was sind denn sonst die häufigsten Reklamationen der Kunden?
Die Quote an Garantiefällen ist mit weniger als 0,6 Prozent sehr klein. Meist handelt es sich um das Thema Verschleiss oder Schaltvorgänge. Bei dem meistens eingesetzten Schaltungstyp (Nabenschaltung) ist beim Schaltvorgang eine Tretpause von ein bis zwei Sekunden einzulegen, so wie dies früher bei der Drei-Gang-Schaltung an Omas Fahrrad der Fall war. Dies ist zu Beginn für viele ungewohnt. Mit der Zunahme der Akkukapazität – hier gab es eine Verdreifachung innert weniger Jahre – ist auch das Thema Reichweite in der Praxis fast kein Thema mehr.

Nun gibt es ja nicht nur Sicherheitsbedenken gegenüber einzelnen E-Bike-Modellen, sondern gegenüber der Velogattung generell. Die E-Bikes sind schnell und daher gefährlich.
Die Unfallzahlen bei den E-Bikes sind nicht höher als bei normalen Fahrrädern. Da jedoch innert kurzer Zeit eine Verdoppelung der Anzahl in Verkehr befindlichen E-Bikes erfolgt ist, steigen die Zahlen parallel dazu natürlich an.

Aber es kommt immer wieder zu Unfällen bei Kreuzungen und Einfahrten, weil Autofahrer die Geschwindigkeit falsch einschätzen.
Da sich der E-Bike-Fahrer dessen bewusst ist, rechnet er mit dem Fehlverhalten des Autofahrers und ist diesbezüglich besonders sensibilisiert. Sobald die E-Bikes eine noch grössere Verbreitung haben, wird das Bewusstsein der Autofahrer ebenfalls geschärft, so dass das Thema weiter abnehmende Bedeutung haben wird.

Auch die Fahrer unterschätzen indes oft ihr Gefährt.
Sollte ein Fahrer wenig Fahrpraxis haben, empfehlen wir den Besuch eines entsprechenden Fahrkurses. Hier wird nicht nur die richtige und effiziente Handhabung des E-Bikes optimiert, sondern auch die speziellen Risiken durch das Unterschätzen durch Autofahrer sowie die neuen Verkehrsregeln wie etwa das Kreiselfahren geübt. Diese Kurse werden von uns im Werk angeboten, VCS, TCS, Pro Velo, Pro Senectute und weitere Organisationen unterstützen wir bei der Durchführung von solchen Kursen.

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