Gratulation, Sie haben im Krisenjahr 2008 das geplante Gewinnwachstum von 40% erreicht. Wie geht es Ihnen?

Etienne Jornod: Wir sind sehr zufrieden. Damit ist uns seit 13 Jahren hintereinander ein zweistelliges Gewinnwachstum gelungen. Kein anderes Schweizer Unternehmen hat das erreicht. Doch wir wollen uns weiter verbessern.

Wo spüren auch Sie die Krise?

Jornod: Nur im Markt für nicht verschreibungspflichtige Medikamente, vor allem in England und im letzten Quartal in der Schweiz. Doch hier ist unser Umsatz 2008 mit 14,2% stärker gewachsen als der Markt mit 1,5%, bis zum November. Die Finanzkrise hat allerdings zu einer Aufwertung des Frankens geführt, was auf unsere Euro-, Dollar- und Pfundumsätze in der Heimwährung gedrückt hat.

2008 hat die US-Zulassungsbehörde FDA Ihrem wichtigsten Produkt, dem Eisenpräparat Ferinject, in den USA Injectafer genannt, die Zulassung verweigert. Wie geht es weiter?

Jornod: Wir führen die klinischen Studien weiter und werden 2011 zusätzliche Registrierungsunterlagen einreichen.

In der Schweiz ist Ferinject ein grosser Erfolg. Wieso die Zurückhaltung der FDA und welche Umsätze erwarten Sie für das Präparat in den USA bei einer Zulassung?

Jornod: Wir geben keine Umsatzprognosen. Die FDA ist bei ihren Zulassungen sehr restriktiv geworden. Zudem muss man in den USA - wie vor Jahren in der Schweiz - die Fachleute erst vom Nutzen der Eisenpräparate ausserhalb des Dialysebereichs überzeugen.

Wie stark werden die Lizenzeinnahmen aus dem Roche-Medikament CellCept gegen Autoimmunerkrankungen einbrechen, wenn dessen US-Patent im Mai und später in Europa abläuft?

Jornod: Diese Prognosen veröffentlichen wir nicht. Die Lizenzerlöse 2008 übertreffen unsere Erwartungen, künftig werden sie rückläufig sein.

Galenica ist heute ein Gemischtwarenladen. Ist der Verkauf eines Bereiches möglich? Die Marge erwirtschaftet schliesslich fast ausschliesslich der Pharmabereich.

Jornod: Angesichts der Entwicklungen in unserem Umfeld sind wir froh, eine derart ausbalancierte, diversifizierte Gruppe zu haben. Daher hegen wir im Moment keine Devestitionspläne.

Sie haben in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Unternehmen zugekauft. Wie verdauen sie diese Akquisitionen?

Jornod: Ich sehe keine Probleme. Die Akquisitionen haben sich auf alle Geschäftsbereiche verteilt.

Können Sie sich auch ein Ausgreifen über die bisherigen Geschäftsfelder hinaus vorstellen?

Jornod: Wir planen keine weitere Diversifikation, aber wir suchen und fördern weiterhin alle Synergiepotenziale in den bestehenden Geschäftsfeldern.

Planen Sie bereits weitere Zukäufe? Und wenn ja, in welchen Bereichen?

Jornod: Wir sind immer bereit, gute Firmen und Projekte zu akquirieren. Unsere Prioritäten liegen in den Bereichen Pharma und Retail, also bei den Apotheken.

Sind dabei auch Käufe von Apotheken im Ausland denkbar?

Jornod: Nein, wir beschränken uns hier auf den Schweizer Markt.

Was könnte Sie im Pharmabereich interessieren?

Jornod: Unternehmen weltweit, bei denen sich Synergien zu unseren Eisenpräparaten ergeben.

Mit der Novartis-Generikatochter Sandoz vertreiben Sie neu die Betriebslinie 1A Pharma in der Schweiz. Beabsichtigen Sie, künftig auch Generika herzustellen?

Jornod: Nein. Das Generikageschäft betreiben wir nur als Händlerin.

Die Zusammenarbeit mit dem britischen Pharmaretailer Alliance Boots ist bereits eng. Ist hier künftig noch mehr möglich?

Jornod: Wir tauschen Know-how aus. Ich sitze dort im Verwaltungsrat und deren CEO sitzt in unse-rem. Mit einem Stimmrechtsanteil von 20% an Galenica ist Alliance Boots eine ideale Aktionärin. Das schützt uns vor Übernahmespekulationen. Ein Zusammengehen würde allerdings keinen Sinn machen, da wir strategisch völlig verschieden aufgestellt sind.

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