Kommen nach den sieben fetten Umsatzjahren für DKSH jetzt die mageren Jahre?

Jörg Wolle: Unser Gesamtumsatz ist letztes Jahr in lokaler Währung um 5% gewachsen und in Franken leicht zurückgegangen. Der Nettoumsatz, also der Umsatz auf eigene Rechnung, stieg 2008 in Schweizer Franken um 2,4%. Die wichtigste Grösse ist aber sowieso das operative Ergebnis, und das ist letztes Jahr um 13,8% gewachsen, das ist zum siebten Mal in Folge eine Steigerung im zweistelligen Bereich.

Das operative Ergebnis sank im 1. Quartal 2009 um 7,8% gegenüber dem Vorjahr, der Umsatz stagnierte. Was erwarten Sie für das gesamte laufende Jahr?

Wolle: Wir können uns nicht komplett abkoppeln vom Schicksal unserer Hersteller und Kunden. Die Umsätze in der Luxusgüterindustrie sanken in diesem Zeitraum um etwa 40%, die des Maschinenbaus um 50 bis 60%. Einige unserer Kunden in der Automobilindustrie kämpfen schlicht ums Überleben. So gesehen sind wir sehr gut ins Jahr gestartet. Fürs Gesamtjahr rechne ich mit einer stabilen Entwicklung auf heutigem Niveau.

Das heisst, DKSH merkt die Finanzkrise nicht direkt?

Wolle: Unser Geschäftsmodell hat sich als robust und krisenresistent erwiesen, wir sind in den nach wie vor interessantesten und am schnellsten wachsenden Märkten zu Hause, und die Nettoverschuldung von DKSH liegt bei null. Damit können wir die Chancen nutzen, die sich in dieser Zeit bieten - sei es durch internes Wachstum oder Akquisitionen. Im Bereich Market Expansion Services gibt es keine globale Konkurrenz zu DKSH. Der Wettbewerb fin- det in den einzelnen Geschäftsbereichen und Ländern statt. Viele kleinere Unternehmen geraten jetzt stark unter Druck - das bedeutet, wir können ihr Geschäft übernehmen.

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Sie sehen lauter Opportunitäten?

Wolle: Der verstärkte Kostendruck, der krisenbedingt auf vielen Herstellern lastet, führt dazu, dass viele westliche Unternehmen den Abbau von Tochtergesellschaften oder Niederlassungen in Asien ins Auge fassen. In Ländern also, die nicht zu ihren traditionellen Kernmärkten gehören. Dies jedoch sind unsere Kernmärkte. Als global tätiger Dienstleister hilft DKSH Unternehmen bei der Expansion in asiatischen Märkten und übernimmt Marketing, Vertrieb und Logistik derer Produkte in Asien. Dadurch können Hersteller ihre Fixkosten massiv verringern, ohne die hochwertige Marktbearbeitung zu vernachlässigen.

Haben Sie aktuelle Beispiele?

Wolle: Oerlikon Systems hat ihre Vertriebsniederlassungen in China und Taiwan schliessen können, nachdem wir das Geschäft und die Kunden übernommen und die Vertriebs- und Serviceingenieure für diese Gebiete in unsere Organisation integriert haben. In Japan haben wir zudem die Tochtergesellschaft der deutschen Weinig, Weltmarktführer bei Holzbearbeitungsmaschinen, übernommen.

Wie beurteilen Sie die Auswirkungen der Finanzkrise in Asien?

Wolle: Die Finanzkrise, die Asien wirklich getroffen hatte, fand 1997 und 1998 statt. Wenn Sie heute mit hochrangigen Vertretern der regionalen Wirtschaftsplattform Asean sprechen, dann schmunzeln sie und sagen: «Damals haben uns die Amerikaner und Europäer belehrt, dass man Märkte nicht abschotten darf, keine Interventionen machen und notleidende Firmen Pleite gehen lassen soll. Jetzt, zwölf Jahre später, macht der Westen genau das, wovon man uns abgeraten hat.» Heute haben die Asiaten deutlich grössere Währungsreserven und sie haben auch eine wesentlich flexiblere Wirtschaftspolitik. Ich gehe davon aus, dass die Krise Asien insgesamt weniger trifft als die USA und Europa. 95% unseres Geschäfts finden in Asien statt, wir sind daher weniger exponiert.

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Hatte die Schweinegrippe einen mit Sars vergleichbaren Einfluss auf das Geschäft?

Wolle: Wir spüren geschäftlich überhaupt keinen Einfluss, ganz im Gegensatz zu Sars.

Ist der Börsengang mit den neuen Kapitalgebern vom Tisch?

Wolle: Für den Moment ist das kein Thema. Wir haben bereits bewiesen, dass wir kapitalmarktfähig sind, indem wir vor einem Jahr erstklassige, langfristige Investoren an Bord geholt haben. Zudem ist die Firma börsenkonform aufgestellt.