Wie robust ist das Mobilkommunikationsgeschäft in der Krise?

Olaf Swantee: Die mobile Kommunikation rangiert in der Präferenz der Kunden sehr weit oben. Es gilt weiterhin die Regel, dass das Mobilkommunikationsgeschäft um etwa zwei Basispunkte stärker wächst als das Bruttosozialprodukt. Unser Unternehmen ist auch deshalb in der Krise gut aufgestellt, weil unser Anteil von 40% Vertragskunden höher ist als bei anderen Unternehmen. Zudem hilft es uns sehr, dass wir in 30 Ländern aktiv sind und in einigen davon, wie etwa in Ägypten, immer noch stark wachsen.

Gibt es überhaupt noch Wachstumschancen in der Krise?

Swantee: Ja, die gibt es. In den 30er-Jahren wurden auch sehr viele Firmen gegründet und Innovationen entwickelt. Ein aktuelles Beispiel ist das mobile Internet, also der Datenverkehr ohne SMS. Hier verzeichnen wir auch jetzt ein starkes Wachstum von 23% in Frankreich, 19% in Grossbritannien und 16% in Spanien.

Und wie reagieren Sie selber auf die Krise?

Swantee: Natürlich schaut man sich intern die Investitionen genauer an und versucht, die Effizienz zu steigern. Wir selber können beispielsweise 1,5 Mrd Euro jährlich aus der Kostenbasis nehmen, indem wir konsequent outsourcen oder das Netzwerk mit anderen Betreibern teilen. Diese Einsparungen kommen übrigens ohne Entlassungen zustande. So haben wir in Grossbritannien die Netzwerkwartung an Nokia-Siemens-Networks ausgelagert. Das betrifft aber nicht die Corenetz-Fähigkeiten, die wir weiterhin selber kontrollieren möchten, sondern nur die Wartungen und Upgrades. Allein damit sparen wir uns 20% der gesamten Wartungsauslagen. In der Schweiz ist übrigens Alcatel-Lucent unser Partner.

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Gibt es weitere Einsparmöglichkeiten?

Swantee: Ja, beispielsweise bei den Rechenzentren, in der Informationstechnologie und durch das Clustering von Ländern. Zudem schafft das auch den Raum für selektive Zukäufe, obwohl wir gegenwärtig keine Akquisitionen geplant haben. Schliesslich versuchen wir auch, beispielsweise über Musik, neue Angebote zu erschliessen.

Gerade da tobt aber der Konkurrenzkampf mit Apple & Co.

Swantee: Hier ist es wie in der Computerindustrie: Manchmal ist man Partner, manchmal Konkurrent von Firmen wie Apple, Nokia oder Microsoft. Wir haben auch einige Partnermodelle, die man von der IT-Industrie her kennt, in die Mobilkommunikation gebracht. Denn wenn man längerfristig Erfolg haben möchte, kann man zwar sparen, aber nicht bei der Forschung und Entwicklung. Sonst verliert man den Anschluss.

Musik betrifft vor allem Privatkunden. Wie läuft das Geschäft bei Firmenkunden?

Swantee: Kunden bleiben öfter als vorher hinsichtlich der Nutzung im Rahmen ihres «Packages» und kommunizieren weniger über ihre Bündel-Angebote hinaus. Hier lässt sich einiges über die Konditionen machen. So entscheiden sich etliche Kunden für eine längere Vertragsdauer, wenn die Kosten dafür etwas niedriger sind.

Einige Netzbetreiber blockieren Skype. Wie sieht es bei Orange/France Télécom aus?

Swantee: Wir blockieren das nicht - im Gegenteil. Wir sind in Europa der grösste Anbieter von Voice-over-IP-Anschlüssen.

Wird auch beim Kundendienst gespart?

Swantee: Nein, hier nicht. Bei den meisten Dienstleistern wird der Kundendienst als reaktive Kostenstelle betrachtet. Wir hingegen sehen das anders und schlagen den Kunden noch den Kauf von DSL-Produkten oder von Versicherungen vor.

Wann kommt LTE, die nächste Mobilkommunikationstechnologie, auf den Markt?

Swantee: LTE ist weniger für uns ein Thema als für US-Netzbetreiber. Wir selber werden ab 2011 LTE selektiv in einigen Ländern, darunter auch in der Schweiz, einführen. Wir werden das nicht sehr rasch machen, weil wir es nicht als sehr dringend betrachten. In der Schweiz sind wir sehr zufrieden mit unserem Datennetzwerk.

Inwieweit ist die Schweiz ein typischer Telecom-Markt?

Swantee: Wie in allen anderen Ländern ist das Geschäft mit mobilen Daten extrem wichtig. In der Schweiz haben viele Benutzer ihre ersten Erfahrungen mit dem PC gemacht. Es gibt bemerkenswerte Rückstände gegenüber anderen Ländern. Ich denke da an das mobile Banking, das beispielsweise in Kamerum sehr populär ist. In der Schweiz ist so etwas weniger gefragt, weil viele Menschen bereits ein Bankkonto haben.

Gibt es einen anderen Markt, der mit demjenigen der Schweiz vergleichbar ist?

Swantee: Am ehesten noch Spanien, weil es auch in Spanien einen dominierenden Anbieter mit einigen kleineren Herausforderern gibt. Der durchschnittliche Umsatz pro Kunde liegt allerdings in der Schweiz immer noch höher als in vielen anderen Ländern, weil die Marktliberalisierung hier erst spät kam und bisher noch nicht allzu weit fortgeschritten ist. Deshalb gehen wir davon aus, dass die gleichen Rezepte wie in anderen Ländern erfolgreich sein werden: Innovationen im Daten- und Sprachverkehr vorantreiben, neue Produkte auf den Markt bringen und Synergien nutzen.