Jos De Vuyst: Die Umsätze werden im 2. Halbjahr 2010 höher ausfallen als im 1. Semester. Seit Mitte des 1. Halbjahres entwickelt sich der Auftragseingang wieder positiv. Allerdings werden wir das Spitzenniveau von 2008 noch nicht wieder erreichen. Die Entwicklung zeigt deutlich, dass die Kardex-Gruppe in einem spätzyklischen Geschäft tätig ist, deshalb spüren wir den Konjunkturaufschwung erst mit einer Verzögerung von neun bis zwölf Monaten.

De Vuyst: Unsere Werke sind derzeit bereits wieder gut ausgelastet. Wir spüren weiterhin eine Zunahme der Nachfrage nach unseren Produkten. Offen ist für uns allerdings, wie nachhaltig diese Erholung ist.

De Vuyst: Der Start in das Geschäftsjahr 2011 wird besser ausfallen als derjenige ins Jahr 2010, nicht zuletzt dank des guten Auftragsbestandes, über den wir derzeit verfügen. Entscheidend wird sein, wie sich die Konjunktur im kommenden Jahr entwickelt.

De Vuyst: Die Erholung dürfte sich zuerst bei Kardex Remstar und bei Kardex MLog zeigen. Letzteren Geschäftsbereich werden wir nach dessen Akquisition im Mai dieses Jahres internationalisieren und seine Präsenz weiter ausbauen, nicht zuletzt mit Hilfe von Kardex Remstar und Kardex Stow. Auch in der Sparte Kardex Remstar wollen wir unsere internationale Präsenz weiter ausbauen, vor allem in den USA, in Indien und in China. Zudem werden wir die Managementkapazität verstärken und mehrere neue Produkte lancieren.

De Vuyst: Wir führen in den kommenden Monaten ein neues Umlaufregal, einen neuen Lift - speziell entwickelt für Asien und die USA - sowie ein neues Softwareprodukt für Kardex Remstar im Markt ein. Weiter werden wir bei Kardex Stow den Technologieanteil mit neuen Produkten erhöhen. Dazu gehören ein Paletten-Shuttle, ein Wagen für den Transport von Paletten innerhalb von statischen Regallagern. Die Entwicklung geht klar in Richtung Moving racks und Dynamic racks. Kardex Stow wird das Angebot mit technologisch anspruchsvolleren Lösungen ausweiten. Kardex MLog ergänzt das Produktportfolio von Paletten-Regalbediengeräten mit einem neuen Miniload Crane für automatische Kleinteilelager und kleinere Behälter. Weiterhin investieren wir viel in die Entwicklung von innovativen, auf die spezifischen Bedürfnisse von Kunden und Marktsektoren abgestimmten Lösungen zum Beispiel für den Einzelhandel.

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De Vuyst: Wir stehen auf diesem Weg erst am Anfang. Bisher agierten die einzelnen Geschäftsbereiche weitgehend autonom am Markt. In Zukunft werden die Marktsynergien der drei Divisionen verstärkt genutzt. Kardex ist ein Logistikunternehmen mit drei Bereichen, die oft auch die gleichen Kunden bedienen; hier lassen sich Synergien nutzen. Wir treten in Zukunft als One-Stop-Shop für automatische Lagerlösungen auf und streben eine möglichst hohe Wertschöpfung mit Produkten aus der eigenen Fertigung an. Kardex kann die Kunden vom einzelnen Produkt bis zu integrierten automatischen Lagersystemen mit eigenen Lösungen begleiten.

De Vuyst: Auch wir stellen fest, dass nicht wenige Kunden wieder eher zu kleineren und lokalen, vor allem aber flexibleren Lägern tendieren, welche vermehrt multifunktionell genutzt werden können. Die Umschlagsgeschwindigkeit sowie die Packungsgrösse spielen heute eine entscheidende Rolle. Der Umschlag im Lager muss schneller erfolgen als bisher. Dazu kommt, dass die Packungseinheiten immer kleiner werden, während die Zahl der Auslieferungen steigt. Der Trend geht eindeutig in Richtung mehr Technologie und höhere Geschwindigkeit. Diesem Trend entsprechen wir mit unseren neuen Produkten und innovativen Lösungen.

De Vuyst: Absolut, zahlreiche Läger sind heute praktisch rund um die Uhr in Betrieb, umso wichtiger ist es, einen funktionierenden Service und Unterhalt dieser Anlagen zu gewährleisten. Das entscheidende Know-how liegt in der Software. Hier decken wir mit eigenen Lösungen von Kardex Remstar und Kardex MLog bereits viel ab. Die Software-Teams werden jetzt zu einer schlagkräftigen Mannschaft zusammengeführt. In Zukunft werden wir neben Software zur Lagerbewirtschaftung und Materialflussrechnern auch einfachere Lösungen für die ERP-Anbindung anbieten.

De Vuyst: Der europäische Markt wird auch in Zukunft unser wichtigstes Absatzgebiet bleiben, ein Markt im Übrigen, in welchem wegen des hohen Reifegrades hochentwickelte automatisierte Lagerlösungen realisiert werden und in Betrieb stehen. Aber wir bearbeiten auch weitere Märkte wie Nordamerika oder Indien sowie China intensiv, besteht doch in diesen Ländern ein hoher Bedarf an rationellen Lagerlösungen, auch wenn die Volumen hier noch für einige Zeit kleiner als in den industrialisierten Ländern sein werden.

De Vuyst: Das müssen wir differenziert nach Geschäftsbereich betrachten. Kardex Stow ist mit je einem modernen Werk in Belgien und in China sehr gut aufgestellt. Die Werke von Kardex Remstar und Kardex MLog in Deutschland verfügen über einen hohen Automatisierungsgrad und produzieren mit tiefen Kosten. Zudem werden wir mit der Zentralisierung des Einkaufs in Deutschland unser Kostenniveau weiter senken können. Momentan bestehen keine Pläne, die Fertigung von Kardex Remstar oder Kardex MLog zu verlagern. Mit dem Werk von Kardex Remstar in den USA sind wir zudem in der Lage, im Dollarraum zu produzieren und zu verkaufen, wir spüren also die Kursentwicklung des Dollar weniger.

De Vuyst: Unsere Produkte und Systeme können mit entsprechenden Anpassungen in den unterschiedlichsten Branchen eingesetzt werden. Anderseits wollen wir uns auch auf interessante Nischenmärkte konzentrieren, welche spezifische Anforderungen an die Lagertechnik aufweisen. Ich denke da beispielsweise an die Spitallogistik oder an die Nahrungsmittelindustrie, die zudem den Vorteil haben, dass sie weniger zyklisch sind. Allgemein betrachtet können wir feststellen, dass wir mit unserem breiten Produktprogramm praktisch jedes Industrie- und Dienstleistungsunternehmen als Kunde bedienen können.

De Vuyst: Auch wir wurden von den Währungsschwankungen nicht verschont. Einerseits spielt die Relation Euro/Schweizer Franken keine grosse Rolle, da wir einen Grossteil unseres Umsatzes in Euro-Ländern erzielen. Anderseits betrifft uns die Relation Dollar/Euro schon auch. Dank unseres Werkes in den USA können wir allerdings diesen Einfluss zum Teil kompensieren. Es ist Teil unserer Strategie, den Natural Hedge durch eigene Werke im Euro- und im Dollarraum gezielt zu nutzen.

De Vuyst: Fliesslager, die Kardex Stow anbietet, sind für bestimmte Branchen eine rationelle Lösung. Zu dieser Technik bestehen jedoch bei der Kundschaft verschiedene Meinungen. In der Lagertechnik kommen vermehrt automatische Lösungen zum Einsatz. Der Paletten-Shuttle von Kardex Stow ist vermutlich die flexiblere Alternative zum Fliesslager. Für bestimmte Anwendungen wird das Fliesslager aber auch langfristig die beste Lösung bleiben.

De Vuyst: Wir sehen durchaus Möglichkeiten, unser Produktportfolio zu verbreitern und auch als technologischer Systemanbieter weiter zu wachsen. Allerdings haben wir mit der Übernahme von MLog eine wichtige Akquisition realisiert und konzentrieren uns im Moment darauf, MLog rasch in die Kardex-Gruppe zu integrieren und die grossen Marktsynergien international zu realisieren.

De Vuyst: Wir sind langfristig orientiert und bestrebt, unsere Ebit-Marge kontinuierlich zu verbessern. Dazu braucht es aber neben der laufenden Kosten- und Prozessoptimierung auch den Rückenwind der wirtschaftlichen Entwicklung. Wann wir das gesetzte Ziel erreichen, kann heute nicht genau gesagt werden.