Frank Brinken sieht – nichts. «Es weist rein gar nichts auf eine Verlangsamung unseres Geschäftsgangs hin», sagt der CEO des Fräsmaschinenspezialisten Starrag Heckert im Gespräch mit der «Handelszeitung». Sämtliche Kundensegmente würden deutliche Zuwachsraten verzeichnen – der Flugzeugbau, die Energieerzeugung mit den Schwerpunkten Kraftwerke und Windenergie sowie der Transportbereich, der viele Kunden aus dem Agrobereich beliefert. Sogar der klassische Maschinenbau investiere wieder.

Die Kunden des Fräsmaschinenspezialisten mit Sitz in Rorschacherberg seien in der Regel grosse, solide finanzierte Unternehmen, die keine Fremdfinanzierung benötigten. «Die verdienten in den vergangenen Jahren ganz gut, entwickelten in der Boomphase neue Produkte und bringen diese in einer leichten Rezession auf den Markt», erklärt Brinken. Das ziehe jeweils einen Investitionsbedarf nach sich. «Und den spüren wir jetzt ganz deutlich.» In der Folge sei das Unternehmen sehr stark ausgelastet, kämpft allerdings mit der Beschaffungssituation. Man habe von den Lieferanten in relativ kurzen Abständen Preiserhöhungen überwälzt bekommen, zudem dauere die Lieferzeit für Schlüsselkomponenten teilweise bis zu 24 Monate. «Und leider hat die Liefertreue abgenommen», klagt Brinken. Starrag Heckert habe bereits reagiert: Die Preise wurden Anfang Jahr erhöht, das Zulieferernetz ausgeweitet. «Ich denke, dass wir die Preissteigerungen bei den Rohwaren vollumfänglich kompensieren können», so Brinken.

Die Halbjahreszahlen, die Starrag Heckert am 15. August vorlegen wird, dürften also positiv ausfallen. «Das 1. Halbjahr ist im Rahmen der Erwartungen gelaufen, und die waren ziemlich hoch», bestätigt Brinken. Im 1. Quartal 2008 erzielte Starrag Heckert einen Umsatz von 65 Mio Fr. – plus 22% gegenüber der Vorjahresperiode. Der Ebit verdoppelte sich nahezu auf 5,9 Mio Fr.

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Ebit-Marge «klar über 10%»

Für das Gesamtjahr gibt sich Brinken optimistisch. «Wir gehen davon aus, dass wir eine zweistellige Ebit-Marge abliefern und beim Umsatz weiter zulegen können», sagt der CEO und bestätigt damit die Guidance aus dem Frühjahr. Wie hoch die Betriebsmarge letztlich ausfalle, werde sich weisen. «Ich rechne mit einem Wert von klar über 10%», sagt Brinken.

Gleichwohl rechnet Brinken im kommenden Jahr mit sinkenden Zuwachsraten für sein Geschäft. «Es ist absolut klar, dass wir die Wachstumsraten von jährlich 20% pro Jahr nicht während 5 bis 10 Jahren durchhalten können», sagt er. Er gehe davon aus, dass die Branche 2009 einen Haltepunkt einlegen werde. «Mittelfristig erwarten wir jährliche Zuwachsraten von 5%.»

Daher fasst Brinken mittelfristig auch wieder Akquisitionen ins Auge. «In den nächsten 18 Monaten werden wir keine Zukäufe tätigen, danach schliesse ich es nicht mehr aus», sagt Brinken. Profitable Maschinenbauer seien nach wie vor zu teuer. «Der Branche geht es noch relativ gut, abgesehen vielleicht von Textilmaschinenbauern und dem Halbleiterbereich», argumentiert er. Hinzu komme, dass zunächst das Wachstum von 60% im Vorjahr verdaut werden müsse.

Wenn, dann interessiere sich Starrag Heckert in erster Linie für «Familienbetriebe mit einem Umsatz von 20 bis 50 Mio Euro» mit Sitz in Europas führenden Maschinenbau-Ländern Deutschland, Schweiz, Österreich und Italien.

Vor einem Finanzierungsproblem steht Starrag Heckert jedenfalls nicht: Per 31. März 2008 lag das Gearing bei tiefen 9%, die Nettoverschuldung betrug 8,6 Mio Fr. Letztere wird laut Brinken im Verlauf des Jahres aufgrund von Reinvestitionen und des strategischen Lageraufbaus moderat ansteigen.