Stöcklin gehört zu den wenigen Firmen, die in der Schweiz anspruchsvolle und komplexe Logistikanlagen planen und realisieren. Wie erfolgreich war das Unternehmen in den letzten Jahren?

Urs Grütter: Wir haben im vergangenen Jahr unsere ehrgeizigen Budgets erreicht, der Bestellungseingang in beiden Sparten - Flurfördermittel und Logistikanlagen - entwickelte sich sehr erfreulich. Wir starten das neue Jahr mit einem erfreulichen Auftragsbestand.

Im Geschäftsjahr 2007 erzielte die Stöcklin Logistik einen Umsatz von 141 Mio Fr. Mit welchem Umsatzvolumen rechnen Sie 2008?

Grütter: Der Umsatz im vergangenen Jahr dürfte rund 10% über demjenigen von 2007 liegen.

Mit welcher Entwicklung rechnen Sie in diesem Jahr?

Grütter: Gesamthaft betrachtet ist es momentan nicht einfach, eine Prognose zu stellen, sind doch etliche Unbekannte zu beachten. Was uns Sorgen bereitet, ist die Entwicklung des Euro-Kurses. Bei den Flurfördermitteln ist eher mit einem Einfluss der sich abschwächenden Konjunktur zu rechnen als bei den Logistikanlagen, die auch längere Lieferfristen aufweisen. Im Anlagengeschäft verfügen wir derzeit über den höchsten Auftragsbestand, den die Firma je hatte. Weitere Bestellungen haben wir auch in diesem Jahr schon erhalten. Dazu kommt, dass wir Anlagen für Firmen in den unterschiedlichsten Branchen planen und bauen. Dies sorgt für eine positive Auslastung unserer Kapazitäten. Nicht zuletzt sind wir ein innovatives und flexibles Familienunternehmen mit kurzen Entscheidungswegen und schauen deshalb mit Optimismus in die Zukunft.

In der Produktion von Staplern steht Stöcklin im Wettbewerb mit wesentlich grösseren Konkurrenten wie etwa Toyota Material Handling, der Kion-Gruppe oder Jungheinrich. Was ist das Erfolgsrezept von Stöcklin?

Grütter: Es gibt eine ganze Reihe von Kunden, bei denen wir uns aufgrund unserer hohen Flexibilität und unserer Leistungsfähigkeit mit Erfolg behaupten können. Zudem haben wir auf der Produktionsseite erhebliche Anstrengungen unternommen, um möglichst kostengünstig produzieren zu können, Stichwort modulare Bauweise. Geht es schlussendlich nur um den Preis, dann ziehen wir uns eher zurück, denn reine Kampfangebote können wir uns gar nicht leisten. Wir verfügen auch über eine gute Mischung an kleinen, mittelgrossen und auch grossen Kunden, die uns immer wieder berücksichtigen. Dank unserer Qualität, verbunden mit verschiedenen Dienstleistungen rund um den Stapler, können wir unsere Kunden überzeugen und schreiben auch schwarze Zahlen in diesem Geschäft.

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Wie viele Flurfördergeräte produzierte Stöcklin im vergangenen Jahr, und wie verteilten sich die Aufträge auf das In- und Ausland?

Grütter: Im vergangenen Jahr produzierten wir rund 1500 Elektroflurfördergeräte, von denen je rund die Hälfte auf das Inland beziehungsweise Ausland entfallen.

Wie entwickelte sich das Anlagengeschäft im vergangenen Jahr?

Grütter: In jüngster Zeit rückte der Preis im Anlagengeschäft stärker in den Vordergrund, als dies in früheren Jahren der Fall war. Da sich jedoch unsere Hauptkonkurrenten ebenfalls in Europa befinden und über ein ähnliches Kosten- und Preisniveau verfügen wie wir, gelingt es uns immer wieder, uns auch gegenüber grösseren Konkurrenten durchzusetzen. Wichtig in diesem Bereich ist aber auch das After-Sales-Geschäft, das immer mehr an Bedeutung gewinnt und in welchem auch noch akzeptable Margen erarbeitet werden können.

Die Stöcklin-Gruppe verfügt derzeit über neun Auslandsgesellschaften, davon zwei in Lateinamerika, in Mexiko und Brasilien. Welche Ziele verfolgt man in dieser Region?

Grütter: In Brasilien entwickelt sich das Geschäft derzeit eher verhalten, während wir in Mexiko bereits über einen erfreulichen Kundenstamm verfügen. Derzeit befinden sich zwei grössere Lager in Mexiko im Bau.

Stehen auch die USA im Fokus?

Grütter: Wir bauen derzeit verschiedene Kontakte in Nordamerika auf. Es kann durchaus sein, dass wir uns in absehbarer Zukunft dort stärker etablieren werden.

Welche Bedeutung haben die Länder in Osteuropa für Stöcklin?

Grütter: Im vergangenen Jahr schlossen wir ein Joint Venture mit einem russischen Partner in St. Petersburg ab, um den russischen Markt intensiver bearbeiten zu können. Ein erster grösserer Auftrag befindet sich derzeit in Arbeit. Auch in verschiedenen neuen EU-Ländern sind wir derzeit aktiv.

Welche Bedeutung haben die Märkte China und Indien für Stöcklin?

Grütter: Diese beiden Länder stellen durchaus attraktive Märkte dar, doch wir können aufgrund unserer Unternehmensgrösse diese Märkte nur schrittweise erschliessen. Sollten wir uns in dieser Region stärker engagieren, steht eher Indien im Vordergrund.

Anfang der 90er Jahre lagen überdimensional grosse Hochregallager im Trend. Viele Firmen konzentrierten die Fertigung auf einen Standort, verbunden mit einem grossen Lager. In jüngster Zeit kann jedoch wieder ein Trend zu eher mittelgrossen sowie dezentralen Lagern festgestellt werden. Sehen Sie das auch so?

Grütter: Eine eindeutige Trendumkehr können wir nicht erkennen, doch ein Trend zum dezentralen Lager ist durchaus sichtbar. Wir stellen fest, dass einige Kunden von uns eher mittelgrosse Lager mit überschaubarer Grösse erstellen wollen. Eher zunehmen wird dabei aber der Automatisierungsgrad solcher Lager.

Muss sich Stöcklin bei der Planung und Realisierung anspruchsvoller Logistikanlagen in Zukunft auf einige Kernbranchen konzentrieren?

Grütter: Wir sind dank unserer Produktphilosophie, welche individuelle Lösungen - basierend auf standardisierten Elementen - ermöglicht, in der Lage, für die unterschiedlichsten Branchen kundengerechte Logistikanlagen zu projektieren und zu realisieren. Branchengetrieben ist heute eher die Software für diese Logistikanlagen. Auch hier sind wir weitgehend in der Lage, diese selber zu entwickeln.

Stöcklin hat sich prominent an der letztjährigen Fachmesse Pack&Move in Basel beteiligt. Wie erfolgreich war die Messe für Stöcklin und welche Bedeutung haben Messen generell für das Unternehmen?

Grütter: Bei Messebeteiligungen ist es ähnlich wie bei der Werbung. Man gibt viel Geld aus, weiss aber nicht genau, welche Wirkung eine Absenz an wichti-gen Messen hätte. Grundsätzlich kann man aber feststellen, dass die Bedeutung von Messen in Zukunft eher abnehmen wird, gibt es heute doch eine ganze Reihe alternativer Möglichkeiten - Stichwort Internet -, sich im Markt zu präsentieren.