Für das vergangene Halbjahr vermelden Sie einen Gewinnrückgang - und künden gleichzeitig ein ehrgeiziges Wachstumsprogramm an. Wie passt das zusammen?

Steffen Meister: Die Zahlen sind nur auf Reingewinn-Niveau tiefer aufgrund des Finanzergebnisses. Beim Betriebsgewinn sind wir weiter nahe den Rekordwerten. Wir gehen davon aus, dass dieses Resultat keinen Einfluss auf unser Wachstum hat, ist dieses doch vorab abhängig von planbaren Verwaltungsgebühren. Mit der erwarteten weiteren Steigerung bei den verwalteten Vermögen haben wir Raum für Wachstum, auch wenn dieses vorläufig tiefer ausfällt als 2006 und 2007.

Wo sehen Sie langfristig die Wachstumschancen, welche die geplante Expansion rechtfertigen?

Meister: Chancen sehen wir im Private-Equity-Bereich bei Direkt- und Sekundärinvestitionen sowie in den neuen Märkten. Dort werden wir weiter ausbauen. Erweitert wird auch der nachgelagerte Bereich, um das weitere Wachstum zu unterstützen.

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Allerdings halten sich Private-Equity-Investoren noch zurück.

Meister: Einige grosse Investoren haben wegen der Finanzkrise zyklisch gehandelt und sich zurückgezogen. Doch das sind nicht unsere typischen Kunden. Unsere Investoren sind weitgehend in langfristige Programme eingebunden. Die Tatsache, dass viele institutionelle Anleger im Private-Equity-Segment unterdotiert sind und das Potenzial der neuen Märkte dürften bis 2015 ein jährliches Wachstum von 10% für die Branche bringen. Und Partners Group will schneller als der Markt wachsen.

Die Hälfte aller Umsätze soll künftig ausserhalb Europas erzielt werden. Singapur wird zum Hub ausgebaut. Wieso?

Meister: Der nachgelagerte Bereich von Private-Equity-Investitionen ist sehr komplex. Deshalb müssen viele Funktionen zwingend zentral abgewickelt werden. Unter der Leitung von Kurt Bichler soll dieser Bereich nun strategisch entwickelt werden mit Hauptpräsenz in Singapur: Dies, weil es dort einen grossen Pool an sehr gut ausgebildeten und relativ günstigen Arbeitskräften gibt. Anderseits ist der Standort gut gelegen für die Bearbeitung der asiatischen Märkte. Wir können uns vorstellen, das Team Singapur auf über 100 Leute auszubauen.

Spielt dabei der Steuerstreit zwischen der Schweiz und dem Ausland eine Rolle?

Meister: Für uns ist das Nebensache. Wir gehen dorthin, wo der Wille zur Investition und das Geld vorhanden sind.

Wo gehen Sie sonst noch vor Ort?

Meister: Mit grosser Sicherheit werden wir in den nächsten zwölf Monaten im Mittleren Osten eine Niederlassung eröffnen. Die Standortwahl steht noch aus. Uns interessieren dabei in erster Linie die Verbindungen zu Afrika und Indien. Zudem startet ab diesem Herbst in New York unser Lateinamerika-Team.

Partners Group will jetzt in die 1. Liga der Private-Equity-Branche aufsteigen - auf Augenhöhe mit Goldman Sachs oder KKR. Doch ist «big» tatsächlich «better»?

Meister: Wir trauen uns zu, dass wir das primär organisch schaffen werden. Die Grösse ist hilfreich, denn mit gewichtigeren Assets lässt sich ein diversifizierteres Gesamtanlageprogramm erreichen. Zudem geht der Trend weg vom Boutique-Denken und hin zu den integrierten Playern mit globaler Palette. Grösse hilft auch, Phasen wie jene der letzten Monate zu meistern.

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Zurzeit drücken die Folgen der Krise auf den Ertrag. Kommt es zu weiteren Wertberichtigungen?

Meister: Die Wertberichtigungen halten wir für einmalig, im 2. Semester sollte es nicht mehr zu grossen Effekten kommen. Bei einigen Fonds könnte es noch leichte Abschreiber geben. Dagegen verzeichnen wir andernorts schon wieder Aufwertungen.

Ist angesichts dieses Ausblicks die Partners-Group-Aktie nicht zu hoch bewertet?

Meister: Der Preis wird sehr stark von der Marktstimmung getrieben. Wir behalten das längerfristige Wachstum im Blick.

Was unternehmen Sie bezüglich der Dividende?

Meister: In Sachen Dividenden werden wir beim 50-50-Ausschüttungsmodell bleiben.