Der Rückgang der Inserateseiten hat Edipresse im 1. Semester einen Verlust beschert. Mit welchen Massnahmen reagieren Sie jetzt?

Michel Preiswerk: Wir haben bereits im letzten Jahr Kostensenkungsmassnahmen ergriffen, als sich die Krise im Mediensektor abzeichnete. Jetzt nehmen wir sämtliche Ausgaben noch genauer unter die Lupe, um die Kosten weiter zu reduzieren. Es ist ein täglicher Kampf auf allen Ebenen.

Gibt es weitere Sparrunden?

Preiswerk: Das Jahr 2009 ist für den gesamten Mediensektor sehr, sehr schwierig, sodass wir gezwungen sind, weitere Projekte zu prüfen.

Welche?

Preiswerk: Es betrifft das gesamte Spektrum, das verlegerische und publizistische Massnahmen umfasst. Wir überprüfen laufend alle Titel in unseren Portefeuilles.

Und Einparungen beim Personal?

Preiswerk: Auch hier überprüfen wir die Kosten und überlegen uns Szenarien. Doch beschlossen ist noch nichts.

Solche Massnahmen betreffen das Ausland wie die Schweiz?

Preiswerk: Ja. Flächendeckende Kostensenkungsprogramme sind kaum möglich, denn unsere einzelnen Länder und Segmente werden autonom geführt. Wir schauen jeden Markt, jeden Bereich einzeln an. In Osteuropa, einem unserer zentralen Märkte, haben wir das Portefeuille bereinigt, die Seitenumfänge reduziert, die Qualität das Papiers überdacht und auch Personal reduziert.

Seit der Bekanntgabe der Fusion von Edipresse Suisse und Tamedia im März 2009 hat sich die Konjunktur nicht verbessert. Ist der Deal in Frage gestellt?

Preiswerk: Nein, überhaupt nicht. Wir sind mit unseren Vorbereitungen auf Kurs und warten nur noch auf das grüne Licht der Weko, der Wettbewerbskommission.

Sind Sie optimistisch?

Preiswerk: Wir sind zuversichtlich. Die Weko hat uns und unseren Konkurrenten im Juli eine Reihe von Fragen zum Markt der Gratiszeitungen und der Sonntagsblätter gestellt. Wir haben die verlangten Informationen geliefert. Nun warten wir auf das Resultat.

Die Fusion Edipresse Suisse und Tamedia schwemmt Ihnen Anfang 2010, vorbehältlich des Weko-Entscheids, 225 Mio Fr. in die Kasse. Was machen Sie mit dem Geld?

Preiswerk: Zum einen kann die Edipresse-Gruppe ihre Bilanz stärken und Schulden abtragen.

Und Akquisitionen?

Preiswerk: Neben den Kosteneinsparungen denken wir auch an die Weiterentwicklung unserer Geschäfte in den starken Märkten, insbesondere in Osteuropa. Wenn sich hier gute Gelegenheiten ergeben, dann kaufen wir sicher zu.

Findet diese Expansion bei den Magazinen oder im Web statt?

Preiswerk: Wir schauen jedes Projekt einzeln an. Gerade in Osteuropa, namentlich in Polen, und in Asien gibt es für Magazine viel Potenzial und gute Gelegenheiten. Deswegen glauben wir sowohl an Print als auch ans Internet.

Die Krise hat besonders den Luxus-bereich erfasst. Werden Sie diesen redimensionieren?

Preiswerk: Das ist ein zu starkes Wort. Wir werden primär unsere Titel konsolidieren und stabilisieren. Bevor wir im Luxusbereich weiter investieren, werden wir die Entwicklung der Branche sehr genau beobachten.

Die Zeitungen der «Matin»-Familie, «La Tribune de Genève» und «24 heures» sind hart von der Krise betroffen. Wer bestimmt die Sparmassnahmen: Sie oder Tamedia?

Preiswerk: Da die Weko ihren Beschluss noch nicht gefasst hat, liegt die Verantwortung bei uns. Doch arbeiten wir bereits eng mit Tamedia zusammen und haben gemeinsam die Einstellung einer der beiden Gratiszeitungen beschlossen. Sobald das grüne Licht aus Bern kommt, können wir diese Massnahme schnell umsetzen und erzielen hohe Synergien.

Anzeige

Welche stellen Sie ein: «20 minutes» oder «Le matin bleu»?

Preiswerk: Beide Titel werden fusioniert. Die neue Gratiszeitung heisst wahrscheinlich «20 minutes».

Wo steht die Edipresse-Gruppe im nächsten Jahr?

Preiswerk: In den schwarzen Zahlen, wenn die Wirtschaft nicht weiter schrumpft.