Die Baselbieter Biotechnologiefirma Evolva hat kürzlich ihre Halbjahres-Zahlen veröffentlicht. Der Verlust wuchs von 3,5 auf 11,6 Mio Fr. an. Für das gesamte Jahr erwartet das Unternehmen einen Umsatz von rund 20 Mio Fr. Evolva entwickelt mehrere Wirkstoffe zur Behandlung von Gefässkrankheiten, die sich noch in einer sehr frühen Entwicklungsphase befinden, und eine Technologieplattform, die das Herstellen von Wirkstoffen vereinfachen soll.

Wann erwarten Sie, dass Evolva aus den roten Zahlen kommt?

Neil Goldsmith: Das wird frühestens in einigen Jahren der Fall sein. Bis dann wird Evolva in die Forschungsplattform und die Pipeline investieren. Das wird zu weiteren Verlusten führen. Wir erwarten jedoch, dass sich diese Investitionen langfristig auszahlen und Evolva in die Gewinnzone bringen werden.

Was ist dabei entscheidend?

Goldsmith: Wann Evolva die Gewinnschwelle erreicht, hängt einerseits von den Deals ab, die wir in Zukunft abschliessen werden, andererseits von der Entwicklung unserer primären Wirkstoffe.

Der Verlust wurde im 1. Halbjahr mehr als verdreifacht. Wie rechtfertigen Sie das?

Goldsmith: Vor einem Jahr waren die Wirkstoffe noch in einem weniger fortgeschrittenen Entwicklungsstadium. Je weiter die Wirkstoffe sind, desto teurer wird die Entwicklung. Das ist ein Prozess, der in dieser Branche üblich und unumgänglich ist.

Wie lange werden die liquiden Mittel von 48 Mio Fr. reichen? Sind die avisierten 2012 beim steigenden Verlust noch aktuell?

Goldsmith: Ja, die heute zur Verfügung stehenden flüssigen Mittel sollten bis Ende 2012 ausreichen.

Im Juli hat das Unternehmen zusätzliche Mittel erhalten. Sind weitere Kapitalspritzen vorgesehen?

Goldsmith: Unternehmen wie Evolva sollten die Beschaffung von weiteren finanziellen Mitteln nie ausschliessen.

Was erwarten Sie von den Produktekandidaten, die Evolva in der Pipeline hat?

Goldsmith: Wir wissen, dass nicht alle unserer Produktekandidaten erfolgreich sein können. Das ist Teil unseres Business, und wir können mit diesem Risiko umgehen. Das breite Produkteportfolio ermöglicht aber Evolva, das Risiko breit zu streuen. Wir gehen davon aus, dass das Ausfallrisiko der industriellen Produktekandidaten - verglichen mit unseren pharmazeutischen Produktekandidaten - tiefer ist. Denn die klinischen Tests der industriellen Produkte sind nicht so umfangreich.

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Sie prüfen auch Akquisitionen. Wo und wann könnten diese erfolgen?

Goldsmith: Evolva prüft laufend das Potenzial von Akquisitionen. Potenzielle Kandidaten müssen sich im selben oder in einem ähnlichen technologischen Umfeld bewegen oder unsere Produkte- und Wirkstoffpalette ergänzen. Wir haben uns keine regionalen Grenzen gesetzt. Es ist aber sehr schwierig abzuschätzen, ob und wann Evolva solche Transaktionen erfolgreich abschliessen kann.

Die Partnerschaft mit Roche hat der Aktie Leben eingehaucht. Sind weitere Abschlüsse mit Big Pharma zu erwarten?

Goldsmith: Evolva befindet sich zurzeit in Verhandlungen mit grösseren Gesellschaften. Die möglichen Kooperationen erstrecken sich vom pharmazeutischen Bereich bis hin zu Gebieten wie Ernährung, Chemikalien und Landwirtschaft. Es sieht eher danach aus, dass die nichtpharmazeutischen Bereiche aktiver sind. Wir hoffen, bis Ende des Kalenderjahres mindestens einen Vertragsabschluss bekannt geben zu können.

Die Evolva-Aktie gilt als überbewertet. Könnte der Titel zu einem Penny-Stock werden?

Goldsmith: Es ist Aufgabe des Marktes, Aktien zu bewerten, nicht unsere.

Ist ein Verkauf von Evolva für Sie denkbar?

Goldsmith: Das ist Sache unserer Aktionäre. Unsere Aufgabe besteht darin, einen Mehrwert für sie zu schaffen, und wir sind zuversichtlich, dass sich Evolva in die richtige Richtung bewegt. Sollte uns ein attraktives Übernahmeangebot gemacht werden, werden wir das unseren Aktionären unterbreiten. Sofern der Preis stimmt, sind wir grundsätzlich offen.