Die 4. Quartalsresultate von Logitech waren enttäuschend. Der Umsatz sank um 12 Prozent auf rund 470 Millionen Dollar. Vor allem in Europa lief das Geschäft schlecht, der Umsatz ging dort um 25 Prozent zurück. Die Aktie des im waadtländischen Morges beheimateten Unternehmens gab prompt um 7 Prozent nach. Firmenchef Bracken Darrell ist trotz der schwachen Resultate zuversichtlich. Das schlimmste liegt hinter der Firma. Denn das Geschäft mit dem Tablet-Zubehör entwickelt sich gut, darauf soll nun aufgebaut werden. 

Sind Sie noch immer so begeistert vom iPhone?
Bracken Darrell: Ich habe jetzt zwar mein iPhone dabei, aber ich benutze absichtlich verschiedene Geräte. Lassen sie mich das erklären. Ich habe ein iPad, ein iPad mini, zwei Android-Tablets, ich habe ein Samsung-Handy und ein Microsoft Surface Pro. Ich weiss, dass sich das Blatt schnell wendet. Aber ich mag das iPhone und das iPad. Vor allem weil wir soviel Keyboards dafür verkaufen.

Im Moment werden aber viel mehr Android-Geräte verkauft. Was bedeutet das für Logitech?
Darrell: Wir glauben auch an Android und arbeiten derzeit an Android-Produkten. Wir wollen immer dort sein, wo die Post abgeht. Bislang war Apple die Lokomotive. Nun nimmt Android fahrt auf. Samsung Tablets verkaufen sich sehr gut. Überall wo genügend Volumen für unser Zubehör vorhanden ist, wollen wir dieses anbieten.

Wann kann man dieses Zubehör kaufen?
Darrell: Ich kann ihnen kein Datum angeben. Ich kann ihnen nur sagen, dass wir daran arbeiten.

Windows 8 ist für sie schwieriger. Eignen sich die Systeme für Zubehör?
Darrell: Wir können für alles Zubehör entwickeln. Es hat einen Bluetooth-Anschluss. Auch dort werden wir Zubehör anbieten, sobald es sich lohnt.

Auch Controller für PC-Games sind ein wichtiges Geschäft für Logitech. Aber warum verkaufen sie kein Zubehör mehr für Videospiele? Ist das nicht sehr ähnlich?
Darrell: Das Konsolen-Geschäft schwankt sehr stark. Hingegen wächst das PC-Gaming stark. Es gibt sehr viele günstige Spiele für den PC und man ist nicht an ein bestimmtes Gerät gebunden. Wir sind sehr zuversichtlich, wenn es um das PC-Gaming geht, es passt sehr gut in unser Geschäftsmodell.

Microsoft hat vor kurzem eine neue Xbox-Konsole angekündigt. Das wäre doch ein guter Einstiegszeitpunkt.
Darrell: Man soll nie nie sagen, aber momentan setzen wir auf das PC-Gaming.

Man hat ohnehin den Eindruck, dass das Geschäft mit für Logitech Firmenkunden wichtiger werden soll.
Darrell: Diese Unterscheidung macht für uns keinen Sinn. Unsere Zukunft dreht sich darum, das Erlebnis eines jeden einzelnen mit den Computern zu verbessern. Wir erreichen die Anwender entweder direkt oder durch ihre Firma. Es ist sicher wichtig, dass wir Konsumenten über Firmen erreichen. Nur bei Lifesize ist es etwas anders.

Was bringt die Partnerschaft mit Cisco bei den Firmenkommunikationslösungen – dem Unified Communications?
Darrell: Die Partnerschaft ist wichtig. Wir arbeiten auch mit Microsoft zusammen. Das sind die wichtigsten Partner in diesem Segment. Unified Communications ist noch sehr neu, aber es wird ein sehr wichtiges Geschäft für Logitech.

Wie wichtig wird es einmal werden?
Darrell: Der ganze Markt setzt derzeit rund 400 Millionen Dollar um. Die Wachstumsprognosen für das Geschäft sind sehr unterschiedlich. Aber jede grosse Firma wird früher oder später solche Systeme einsetzen. Heute hat man noch Telefone und Tastaturen - das wächst zusammen. Der Telefonanruf kommt bald über den Bildschirm rein und man nimmt ihn über das Headset an. Man braucht kein Telefon mehr.

Auch die vor drei Jahren übernommene Logitech-Tochter Lifesize hat auf das Kommunikationssegment gesetzt. Die Erwartungen waren gross. Nun mussten sie einen weiteren Abschreiber bekannt geben. Was ist da los?
Darrell: Wir wollen Lifesize behalten, weil wir daran glauben. Lifesize spricht kleine und mittlere Firmen an. Sie werden etwas schrumpfen und wieder hungrig werden. Ich denke sie werden erfolgreich sein. Ich kann aber keine Zahlen angeben.

Wie viele Leute arbeiten noch bei Lifesize?
Darrell: Wir geben dazu keine Zahlen bekannt.

Sie bezeichnen das Geschäftsjahr 2014 als ein Übergangsjahr. Davon gab es bei Logitech zuletzt einige. Wann ist die Übergangsphase vorbei?
Darrell: Wir werden nächstes Jahr profitabel sein. Wir werden das Produkt-Porfolio weiter straffen und uns für das kommende Wachstum aufstellen. Ich bin nicht hierher gekommen, um ein paar Jahre hier zu sein, ich will ein Dekade hier bleiben. Ich will so lange hier sein, bis ich sagen kann: Wow, hier haben wir etwas geleistet. Jetzt geht es aber erst mal darum, wieder profitabel zu wachsen.

Zuerst verkaufen sie aber Geschäftseinheiten, wie die Fernbedienungen. Wissen Sie schon wann sie die Bereiche abstossen?
Darrell: Das kann ich noch nicht sagen. Ich weiss nur, dass wir bis zum Ende des Geschäftsjahres ausgestiegen sein werden. Hoffentlich früher als später. Wir wissen aber nicht, wie viel wir mit denen verdienen.

Erwarten Sie einen Sondereffekt aus den Verkaufserlösen?
Darrell: Nein. Es werden keine grossen Beträge sein, sonst würden wir die Geschäftsbereiche nicht verkaufen.

Sie setzen neu auf zwei verschiedene Business-Modelle. Was bringt das?
Darrell: Computermäuse werden hergestellt, verschifft, gehen ins Lager des Distributors und kommen irgendwann zum Konsumenten. Das dauert alles seine Zeit. Wir machen es nun beim Tablet-Geschäft wie ein Modehaus. Wir liefern per Luftfracht zum Distributor. Vom Auftrag bis zur Lieferung vergehen so nur wenige Wochen. Das geht viel schneller und wir brauchen kaum Inventar.

Das ist bei Tablets wichtig.
Darrell: Ja, genau. Sie verändern sich sehr schnell. Tablets bleiben höchstens zwei Jahre im Einsatz. Wenn man Zubehör dafür verkaufen will, muss man sofort das richtige Zubehör zu den aktuellen Modellen anbieten.

Was treibt Sie an?
Darrell: Ich bin begeistert von der Firma, trotz der schlechten Resultate. Wir sehen gute Signale und wissen, dass es besser wird.