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Technologie
«Wir werden unsere Kunden nicht in die Cloud zwingen»

Hewlett Packard CEO Mark Hurd gestures during a keynote address at the Oracle Open World conference in San Francisco, Tuesday, Oct. 24, 2006. Hurd said Tuesday it is "doubtful" that HP will ever return to the days of 22% to 23% revenue growth.  (AP Photo/Paul Sakuma)
Mark Hurd: Co-CEO von Oracle.Quelle: Keystone

Der Co-Chef von Oracle, Mark Hurd, spricht über mögliche Zukäufe und den Wettstreit mit den Konkurrenten Amazon, Microsoft und Co.

Von Helene Laube
am 01.12.2018

Oracle liegt bei der Cloud-Infrastruktur weit hinter den Marktführern zurück – die Wall Street kritisiert Ihre Wachstumsraten im Cloud-Geschäft. Wird Oracle im grossen Stil zukaufen, um aufzuholen?
Mark Hurd: Die Frage ist: Wen will man kaufen? Bei der Cloud geht es nicht nur um Infrastruktur. Der Markt braucht nicht einen weiteren Infrastrukturanbieter, der nicht mehr als reine Cloud-Infrastruktur – also Speicher, Rechnenleistung – zu bieten hat. Wir sind ein Cloud-Infrastruktur-Anbieter mit einem starken Portfolio an geistigem Eigentum. Wir sind ähnlich wie Microsoft, weniger wie Amazon.

Amazon ist sicher anderer Meinung. Oracle liegt aber auch weit abgeschlagen hinter Microsoft zurück. Marktforscher führen Oracle aufgrund des niedrigen Marktanteils in der Kategorie «andere».
Das Gros in der Microsoft-Cloud ist Microsofts geistiges Eigentum. Und das ist absolut sinnvoll. Wir sind ähnlich. Wir haben Java, Linux, die Oracle-Datenbank, SaaS – alles Technologie mit eigenem geistigem Eigentum. Die Kunden werden die Plattformen nutzen, die sich von anderen unterscheiden. Mal ehrlich: Was haben Google oder IBM, was Kunden zum Schritt in deren Clouds bewegt anstatt in die von Amazon? Man muss sich unterscheiden. Wir tun das mit unserem Angebot.

Ende September hat der Top-Manager Thomas Kurian, der bei Oracle die Produktentwicklung und das Cloud-Angebot verantwortete, das Unternehmen nach 22 Jahren verlassen. Er wird der neue CEO von Google Cloud. Laut Berichten soll er sich mit Larry Ellison verkracht haben, weil er vorschlug, dass Oracle mehr Software in den Cloud-Diensten der Rivalen Amazon und Microsoft zur Verfügung stehen sollte.
Ich weiss nicht, ob das so stimmt.

Gibt es einen Nachfolger, der wie Kurian konzernintern und nach aussen für das Thema Cloud steht?
Wir haben mehrere Personen im Entwicklungsteam, das an Thomas berichtete, befördert. Und sie berichten jetzt direkt an Larry.

Will Oracle all seine Kunden, die ihre Software und IT on premises nutzen – also auf eigenen Rechnern installieren und betreiben – in die Cloud befördern?
Irgendwann schon. Aber zuerst müssen alle Funktionen in der Cloud denen der On-Premises-Lösungen entsprechen oder noch besser sein. Und es gibt Gründe, warum bestimmte Kunden nicht in die Cloud wechseln wollen. Wir haben nicht das getan, was SAP angekündigt hat.

Der grösste Anbieter von Unternehmenssoftware hat für 2025 das Ende von Wartungszusagen und den Anspruch auf Aktualisierung von On-Premises-Software angekündigt, um so die Kunden in die Cloud zu bewegen. Das findet nicht nur Beifall.
Genau. Wir haben nicht das Ende irgendeines unserer On-Premises-Produkte angekündigt. Wir werden unsere Unternehmenssoftware E-Business Suite auf lange Sicht warten. Aber ich glaube, dass irgendwann alle ERP-Kunden Cloud-Angebote nutzen werden, da die Gründe dafür so überzeugend sind. Es kostet weniger und die Kunden kriegen mehr und häufiger neue Updates und Features. Und das Cloud-Angebot ist einfacher und sicherer. All unsere Kunden werden auf Cloud-Dienste wechseln.

Wann rechnen Sie damit?
Ich mache keine Vorhersagen. Es gibt immer Kunden, die etwas langsamer sind. Unsere Aufgabe ist, unser Cloud-Angebot so attraktiv wie möglich für die Migration zu machen. Der Punkt ist: Wir werden niemanden zwingen. Keine Ahnung, wie hoch der Prozentsatz der Kunden sein wird, die SAP abtrünnig werden. Es könnten 10, 20 oder 30 Prozent sein. Aber es wird zu vielen Kundenabgängen kommen und wir werden zu den Unternehmen gehören, die davon profitieren.

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