Umsatz und Gewinn lagen 2007 unter den Analystenerwartungen. So frassen die Integrationskosten der Ende 2006 übernommenen Konkurrentin Quest den Gewinn beinahe weg. Hat sich Givaudan damit nicht doch übernommen?

Matthias Währen: Das Umsatzwachstum von 4% in lokalen Währungen entsprach unseren Erwartungen. Und damit wir später mit dem Zukauf Synergien erzielen, müssen wir heute in die Integration investieren. Deshalb können wir zuversichtlich mitteilen, dass die versprochenen Fortschritte erzielt wurden.

Trotzdem: Es bleibt einiges an Skepsis, dass die Integration wie geplant bis 2010 erfolgreich über die Bühne geht.

Währen: Es ist uns völlig bewusst, dass sich Analysten, Investoren und Branchenkenner fragen, ob wir die Integration schaffen werden. Es liegt tatsächlich noch sehr viel Arbeit vor uns. Aber dies liegt in der Natur der Sache solcher grosser Projekte.

Immerhin konnten Sie 2007 durch Synergieeffekte 50 Mio Fr. anstatt der prognostizierten 30 Mio Fr. einsparen. Geht nun die gesamte Integration rascher über die Bühne?

Währen: 2007 ging es vor allem um die Integration der kommerziellen und administrativen Bereiche. Dies konnten wir rascher als vorgesehen durchführen. Nun steht das Zusammenlegen und Optimieren der Produktionsstandorte an. Dies wird nicht schneller als geplant gehen. Deshalb wird die Integration wohl nicht signifikant früher abgeschlossen sein.

Im Geschäftsjahr 2008 soll sich der Umsatz von Givaudan parallel zum Marktwachstum entwickeln. Was heisst dies konkret?

Währen: In der Vergangenheit wuchs der Markt jährlich um jeweils rund 2 bis 3%.

Bis 2010 soll das Unternehmen wieder eine Ebitda-Marge von 22,7% erreichen; 2007 betrug sie 20,9%. Was ist hier das Ziel für das laufende Jahr?

Währen: Wir geben keine konkrete Vorgabe bekannt. Es ist aber klar, dass wir die Marge jedes Jahr verbessern wollen.

Wo sehen Sie 2008 die grossen Trends bei den Produkten?

Währen: Es geht beispielsweise um den neuen Trend «Health and Wellness», den wir seit 2006 verstärkt verfolgen. Vermehrt gefragt sind etwa Produkte mit weniger Zucker oder weniger Salz, ohne dass beim Geschmack eine Veränderung feststellbar ist.

Wie gross ist der Einfluss der US-Kreditkrise auf das Geschäft?

Währen: Es ist relativ resistent bezüglich wirtschaftlicher Schwankungen. Die Kunden benötigen selbst dann Nahrungs- oder Haarwaschmittel, wenn es der Gesamtwirtschaft nicht gut geht. Höchstens der Bereich der Luxusparfümerie ist etwas anfälliger.

Givaudan-CEO Gilles Andrier liess im Juli 2007 anklingen, dass ab 2010 ein neues Aktienrückkaufprogramm möglich ist. Kommt dieses?

Währen: Einen solchen Beschluss müsste der Verwaltungsrat fällen. Bis 2010 wollen wir unseren Fremdfinanzierungsgrad von 43% auf unter 30% reduzieren. Dann stehen wieder alle Möglichkeiten für Ausschüttungen offen.

Seit der Abspaltung von Roche erhielten die Givaudan-Aktionäre jedes Jahre ein höhere Dividende. Wird dieser Trend anhalten?

Währen: Wir verfolgen eine aktionärsfreundliche Politik. Ich kann zur Dividende keine Entscheidung fällen. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass diese Politik auch in Zukunft verfolgt wird.

Aktionärsfreundlich wäre auch ein Aktiensplitting, gerade für Einstiegswillige. Wie sieht es hier aus?

Währen: Momentan wollen wir uns auf die Integration von Quest konzentrieren. Zu einem späteren Zeitpunkt kann man solch einen Schritt aber sicher diskutieren. Dies ist ein Thema für die Zukunft.

Welche Meilensteine muss Givaudan 2008 erreichen?

Währen: Das wichtigste Ziel ist es, die Integration weiterhin so erfolgreich abzuwickeln wie 2007. Hinzu kommt, dass das Unternehmen parallel zum Markt wachsen möchte. Und drittens geht es ab dem 2. Quartal um einen guten Start bei der Einführung der Unternehmenssoftware SAP. Kritiker fragen sich zwar, weshalb wir dies ausgerechnet parallel zur Quest-Integration machen. Aber wir konnten ja in der Vergangenheit bereits zeigen, dass wir solche grossen Projekte gut bewältigen können.

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