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«Wir wollen Apple nicht nachmachen»

Jean-Claude Biver: Der LVMH-Uhren-Chef arbeitet an einer Smartwatch.   Keystone

Jean-Claude Biver tüftelt mit der Edelmarke TAG Heuer an einer Smartwatch. Damit will er aber nicht Apple konkurrieren. Denn sein Modell wird sich in einer anderen Preiskategorie bewegen.

Von Nele Husmann
am 21.02.2015

Apple wirbelt mit der Apple Watch die Uhrenbranche durcheinander. Können Sie noch ruhig schlafen?
Jean-Claude Biver: Wir sehen Apple nicht als Konkurrenz. Auch ist unklar, ob Smart-Watches überhaupt Zukunft haben: Viele kaufen ein iPhone 6, weil der Bildschirm grösser ist – ganz im Gegensatz zum kleinen Monitor der Uhr.

Trotzdem arbeiten Sie mit Ihrer Marke TAG Heuer an einer eigenen internetfähigen Uhr.
Eine Smartwatch mag derzeit lustig und cool sein, aber wird es sie in 15 Jahren noch geben? Weil ich diese Frage nicht beantworten kann, springe ich lieber auf den Zug auf – gestalte mir aber mein eigenes Abteil. Unser Modell soll der Apple Watch nicht ähnlich sein, wir wollen uns treu bleiben. Wir wollen die Apple Watch nicht nachmachen – selbst wenn wir dafür auf manche Funktionalitäten verzichten.

Können Sie uns Details verraten?
Fest steht, dass wir uns in einem anderen Preissegment bewegen werden: Die iWatch kostet ab 380 Franken, für eine TAG Heuer muss man mindestens 1000 Franken bezahlen. Unsere Uhr soll bis Ende des Jahres auf den Markt kommen, rund sechs Monate nach Apple. Unser grosser Nachteil ist, dass wir die Expertise in Sachen Halbleiter nicht im Hause haben. Es gibt sie in der Schweiz kaum. Grosse Anbieter wie Samsung, LG oder Motorola planen eigene Angebote. Deshalb mussten wir lange suchen, haben aber jetzt zwei Partner gefunden. Mit grosser Sicherheit können wir Mitte März die Namen nennen – vorab nur so viel: Sie stammen aus dem Silicon Valley und gehören zu den namhaftesten Partnern, die es für so etwas gibt.

Mit TAG Heuer wählen Sie ihr Sorgenkind in der Uhrensparte von LVMH aus.
TAG Heuer ist kein Sorgenkind, es handelt sich um die rentabelste Marke, die ich je geführt habe, und um eine der sechs grössten Marken der Schweizer Uhrenindustrie. Dennoch führe ich Restrukturierungen durch. TAG Heuer wirbt mit dem Versprechen «Swiss Avantgarde seit 1860». Um das einzuhalten, muss man mindestens alle zehn Jahre etwas umstellen. Denn Avantgarde heisst ja, seiner Zeit voraus zu sein. Wir wollen uns auf die Konsumenten von morgen ausrichten und die Marke jünger machen. Deshalb werden wir das niedrigste Preissegment von jährlich drei auf acht neue Modelle ausweiten.

Wird TAG Heuer damit billiger?
Nein. Der Durchschnittspreis, den wir mit TAG Heuer erzielen, wird in diesem Jahr nicht niedriger als 2013 oder 2014 liegen. Wir planen, wieder Uhren für durchschnittlich 2800 Franken zu verkaufen, vergrössern aber unser Angebot in diesem Segment.

Das ganze Interview mit dem LVMH-Uhren-Chef lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Handelszeitung. Darin erklärt Jean-Claude Biver auch, wie schmerzhaft ein Crash in China wäre und warum er seinen Wohlstand geniessen kann.

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