Wie haben Sie es geschafft, dass YouTube einen eigenen Eintrag im Menü des iPhones bekommen hat?

Chad Hurley: Am Anfang waren da ein paar E-Mails ...

... an deren Ende vermutlich «Grüsse, Steve» stand.

Hurley: So ungefähr. Er schlug vor, dass wir uns mal treffen sollten. Und Steve Jobs gibt man keinen Korb. Wir haben bereits ein paar Sachen gemeinsam gemacht – wir sind bei Apple TV, iMovie und dem iPod touch mit YouTube vertreten.

Ist es die Zukunft, Videos auf dem Handy anzusehen? Oder ein Trend, der herbeigeredet wird?

Hurley: Es wird deutlich stärker Richtung Handy gehen. Sie sind ideal dafür, kurze Clips abzuspielen. Wir wollen YouTube zu jedem Bildschirm dieser Welt bringen. Dafür brauchen wir viele Partner.

Wie viele YouTube-Videos schauen Sie sich am Tag an?

Hurley: Die zähle ich nicht mehr. Es sind zu viele. Pro Minute stellen unsere Nutzer acht Stunden Videomaterial auf unser Portal. Das kann sich niemand jemals anschauen.

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Wie stark wächst denn die Zahl Ihrer Nutzer zurzeit?

Hurley: Wir wachsen derzeit stark, weil wir grösser als alle anderen sind. Die Leute veröffentlichen ihre Videos dort, wo sie mit den höchsten Zuschauerzahlen rechnen können. Das ist also ein Selbstläufer. Wir müssen nur aufpassen, dass wir immer genügend Kapazität bereitstellen.

Die TV-Branche sieht Sie als Bedrohung.

Hurley: Was wir machen, kann man nicht mit Fernsehen vergleichen. Derzeit verlangen die Menschen nach einer Möglichkeit, sich auch nach einem Jahr ein Video immer und immer wieder im Internet anzuschauen. Wir waren mit einem solchen Angebot zur richtigen Zeit da und haben einen neuen Markt geschaffen.

Sind Sie mittlerweile profitabel?

Hurley: Wir geben keine konkreten Zahlen heraus.

Wir wüssten es trotzdem gern.

Hurley: Lassen Sie es mich so ausdrücken: Die Nachfrage nach Werbeplätzen bei uns ist sehr, sehr gross – und wächst stetig.

Wie soll sich das Geschäft in den nächsten Monaten weiterentwickeln?

Hurley: Es dreht sich alles um Werbung. Google hat vorgemacht, wie das geht. Wir zeigen testweise vor einigen Videos Werbeeinblendungen, allerdings nur bei den professionellen Videos, die uns Partner zur Verfügung stellen. Ein zweites Modell sind gesponserte Kanäle, wie etwa der Basketball-Kanal der NBA. Und natürlich gibt es auch Werbebanner, die neben den Videos gezeigt werden.

Jenseits von Werbung: Was ändert sich bei YouTube?

Hurley: Wir werden unser Angebot stärker personalisieren. Wer möchte, kann bald seinen Bekannten zeigen, welche Videos er sich angeschaut hat. Zudem soll das Empfehlungssystem verbessert werden: Die Nutzer sollen die Videos bekommen, die sie wirklich interessieren.

Weltweit scheint es wieder einen Internetgründungsboom zu geben. Sehen Sie Internetunternehmen, die international erfolgreich sein könnten?

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Hurley: Da fällt mir eigentlich keines ein. International sind die wohl alle sehr unbekannt. Ich kenne eigentlich nur deutsche YouTube-Konkurrenten wie Clipfish.de und MyVideo.de.

Sehen Sie ein Unternehmen, das die Branche umkrempeln könnte? Wie ist es mit Facebook? Microsoft hat 240 Mio Dollar für einen 1,6%-Anteil gezahlt, was einer Bewertung von 15 Mrd Dollar entspricht. Neidisch?

Hurley: Nein. Die Leute bei Facebook machen einen guten Job.

Die junge Nutzerschaft von Facebook ist doch wie gemacht, um sie auch mit YouTube-Videos zu versorgen. Wann werden YouTube und Facebook Partner?

Hurley: Facebook hat zwar eine offene Schnittstelle, aber leider sind sie sehr restriktiv. Vorerst wird es keine Kooperation geben.

Facebook ist schon gross, YouTube auch. Wer macht den nächsten grossen Trend im Internet?

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Hurley: Es entstehen viele interessante Firmen, aber keine davon bietet etwas, das wir alle schon lange dringend brauchen. Ich glaube trotzdem, dass irgendjemand gerade das nächste grosse Ding erfindet. Ich weiss nur leider nicht, wer das ist.