Der starke Franken macht Emmi einen Strich durch die Rechnung. Werden Sie im Ausland die Preise weiter erhöhen?

Urs Riedener: Der starke Franken ist für uns in der Tat eine grosse Herausforderung. Bei unseren kleinen Margen bleibt uns nichts anderes übrig, als die Preise für den Endkonsumenten im Ausland zu erhöhen. Wir haben neue Preiserhöhungen bei unseren Handelspartnern im Ausland angekündigt.

Haben Ihre Handelspartner die Preiserhöhungen geschluckt?

Riedener: Die Verhandlungen sind noch am Laufen. Viele haben Verständnis für unsere Situation und viele wollen ja auch langfristig mit uns im Geschäft bleiben.

Sie werden auch Konzessionen machen müssen.

Riedener: Das werden wir sehen. Im Moment laufen wir nicht auf dem Thema Konzessionen, sondern Preiserhöhungen.

Der starke Franken bereitet Ihnen auch im Inland Probleme. Konkurrenten wie Danone könnenpreiswerter produzieren. Wird Emmi die Preise in der Schweiz senken?

Riedener: Bemerkenswert ist, dass Danone und andere Markenartikler beim Einstandspreis von der Euro-Schwäche profitieren, ihre Preise in der Schweiz aber nicht gesenkt haben. Wir sind preislich nicht unter Druck, zumal die ausländischen Markenartikler nicht zu den Günstigsten hierzulande zählen. Wir senken die Preise nicht.

Weshalb schmeckt Schweizer Milch besser als andere?

Riedener: Schweizer Milch ist besser, weil sie lokal verarbeitet wird und einen hohen Anspruch an Natürlichkeit besitzt.

An dieser Aussage werden Ihre Mitarbeitenden bei Roth Käse in den USA, die Emmi gehört, keine Freude haben.

Riedener: Wisconsin verfügt auch über sehr gute Milch. Der Konkurrenzkampf läuft aber nicht über die Milchqualität. Entscheidend ist, was das Endprodukt hergibt. Und da stellt Roth ebenso hervorragenden Käse her wie Emmi in der Schweiz.

Ist Schweizer Milch nicht besser?

Riedener: Im Vergleich mit dem europäischen Umfeld, wo deutlich grössere Betriebsstrukturen vorherrschen, ist Schweizer Milch besser. Sie ist besser als Milch, die industriell hergestellt wird. Ich spreche aber lieber von Produkten als von Milch.

Überall wo Emmi draufsteht, ist Schweizer Milch drin. Mit Ausnahme der USA.

Riedener: Das stimmt. Bei den Joghurts in den USA verwenden wir keine Schweizer Milch, aber in 90% der Produkte, die wir in den USA unter dem Namen Emmi verkaufen, ist Schweizer Milch enthalten.

Rund einen Viertel Ihrer Produkte verkaufen Sie im Ausland. Wann werden Sie die Hälfte international absetzen?

Riedener: Das wird fünf bis sieben Jahre dauern. Wir sind mit unserer Strategie, die Hälfte des Umsatzes im Ausland zu erzielen, sehr gut auf Kurs. Das währungsbereinigte Umsatzwachstum beträgt im Ausland 9,4%. Damit liegen wir sogar etwas über dem Ziel, das wir uns gesetzt haben.

Um die Hälfte des Umsatzes im Ausland zu verkaufen, müssen Sie akquirieren. In welchen Ländern gehen Sie auf Einkaufstour?

Riedener: Primär in unserenSchlüsselmärkten Schweiz, Deutschland, Italien, UK, Österreich und den USA wollen wir Unternehmen übernehmen.

Gehen Sie 2010 auf Einkaufstour?

Riedener: Wir nehmen uns Zeit. Eine Firma muss zu uns passen. Sie muss profitabel sein. Wir wollen aber nicht nur akquirieren, sondern auch organisch weiterwachsen. Das Ziel von Emmi ist ein organisches Wachstum von 6 bis 8% über die Zeit.

Mehr Umsatzwachstum kann Emmi auch durch Innovationen erzielen. Wo bleibt aber nach Caffè Latte die grosse Innovation von Emmi?

Riedener: Wir sind froh, dass wir mit Caffè Latte im 1. Halbjahr um fast 30% gewachsen sind. Einen solchen Erfolg muss man mit Geld unterstützen und dieses nicht unbedingt für eine andere grosse Innovation gebrauchen. Diese Ausrichtung ist sehr erfolgreich. Wir haben aber laufend viele kleine Innovationen, rund 100 pro Jahr.

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