GS1. Welchen Nutzen können die früheren SGL-Mitglieder aus ihrer Mitgliedschaft bei GS1 ziehen?

Wolfgang Winter:

Für diejenigen, die sich bewusst sind, dass Prozesse und Abläufe in der Logistik immer komplexer werden und dass auch bei ihnen die Vernetzung mit ihren Partnern in den Beschaffungs- und Absatzmärkten von strategischer Bedeutung ist, haben wir viel zu bieten. Mit unseren Dienstleistungen können sie die künftigen Herausforderungen besser meistern.

Ist damit eine organisatorische Anpassung von GS1 Schweiz verbunden?

Winter: Ja, wir werden die Organisation neu gliedern in die Kompetenzbereiche GS1 Systems, ECR und Logistics. Logistics hatten wir bisher nicht in dieser Form.

Wieso das Umdenken?

Winter: Das haben wir gemacht, weil auch in der Logistik Standardisierungen und kollaborative Prozessmodelle eine immer grössere Rolle spielen.

Von früheren SGL-Mitgliedern höre ich oft, GS1 sei viel zu EAN- und ECR-lastig und deshalb würden die Anliegen der SGL-Mitglieder zu wenig berücksichtigt.

Winter: Mit der Neuausrichtung wollen wir dieser Kritik Rechnung tragen. Da unser Angebot für die ehemaligen SGL-Mitglieder reichhaltiger geworden ist, kann ich diese Kritik eigentlich nicht ganz nachvollziehen. Dass dies kein Lippenbekenntnis ist, zeigt das Beispiel Palettentausch. Der Ausstieg der Schweizer Frachtführer aus dem Palettenpool Zug-um-Zug-Tausch hat für einigen Wirbel in der Branche gesorgt. GS1 hat zusammen mit Vertretern aus Handel, Industrie und Logistikdienstleistern die Situation analysiert und ein Lösungsmodell erarbeitet, das von allen Beteiligten akzeptiert wurde.

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Stehen weitere Probleme an wie beim Palettentausch?

Winter: Nicht eigentliche Probleme, sondern eher Projektideen. So liesse sich beispielsweise zusammen mit EPAL die Palettenbewirtschaftung optimieren, etwa mit einem Einsatz der RFID-Technologie. Vielleicht wäre ja da noch der Standardisierungsansatz EPC mit einzubeziehen. Wir könnten versuchen, für das Handling von Ladehilfen – egal ob Palette, Rollcontainer, Deckel oder was auch immer – in einem in sich geschlossenen oder gar offenen Standard abzubilden. Das Ziel sollte doch sein, alles, was möglich ist und Sinn macht, zu vereinfachen. Denn was einfach ist, ist in der Regel auch kostengünstiger. Erste Gespräche mit Vertretern der europäischen EPAL-Organisation haben bereits stattgefunden.

In der einstigen SSRG und späteren SGL wurden jeweils Arbeitsgruppen für die Lösung von Branchenproblemen eingesetzt. Wie sieht das heute aus?

Winter: Das ist auch heute noch so. Aufgrund der neuen Struktur werden wir aber auch die Zusammensetzung unserer Arbeitsgruppen mit dem Logistikfachbeirat besprechen. Ideen, wie die Bewirtschaftung von Lademitteln, geben wir an eine Gruppe von Praktikern weiter, die Lösungsansätze erarbeiten und Empfehlungen auf Herz und Nieren prüfen.

Wie sieht der konkrete Ablauf aus?

Winter: Konkret werden logistikrelevante Themen im Fachbeirat Logistik und Supply Chain Management bearbeitet. Die Mitglieder werden an den Sitzungen über die Aktivitäten von GS1 informiert und auch aktiv in die Gestaltung von Fachtagungen und Praxisbesichtigungen miteinbezogen. In einzelnen Arbeitsgruppen werden themenbezogene Projekte bearbeitet wie zum Beispiel Logistik-Empfehlungen. Sie sehen, die Arbeitsgruppen rund um Logistik sind aktiv und können sich eigentlich nicht beklagen, dass wir sie nicht miteinbeziehen.

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Die praktische Logistik wird also wieder stärker in den Mittelpunkt rücken?

Winter: Das ist korrekt. Ab kommendem Jahr wird das vermehrt der Fall sein. Wir werden unter anderem unsere Workshops stärker für den Praktiker ausrichten. Der Praxisbezug ist wichtig. Was für Probleme haben andere Unternehmen? Wie wurden beispielsweise GS1-Standards umgesetzt? Mit welchen Problemen hat das Unternehmen während der Einführung zu kämpfen? Wir wollen unseren Mitgliedern mit den Praxisbesichtigungen Unternehmen zeigen, die zum Beispiel die modernste Fördertechnik einsetzen. Ganz nach dem Motto: Praxis für Praktiker.

Inwieweit wird die Arbeit der Beiräte vom Vorstand gewürdigt?

Winter: Sehr stark. Wir sind nämlich auch dabei, die Organisation und die Abläufe der Fachbeiräte zu überarbeiten. Wir wollen für jeden Fachbeirat beziehungsweise jede Arbeitsgruppe eine klare Aufgabenbeschreibung mit Zielsetzungen und ein Anforderungsprofil für die Mitglieder der Arbeitsgruppe erstellen. Damit wird sichergestellt, dass Lösungen und Empfehlungen effektiver und effizienter erarbeitet werden. Ich bin überzeugt, dass wir mit diesen Strukturanpassungen die kommenden Herausforderungen meistern werden.

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Der Zentralvorstand von GS1 umfasst – inklusive Präsidium – über 20 Personen. Kann mit einem solch grossen Gremium eine effiziente Vorstandstätigkeit geleistet werden?

Winter: Abslout. Wir haben bewusst vier Vizepräsidenten mit komplementären Kompetenzen gewählt und ihnen einzelne Ressorts zugeteilt. Dazu kommen noch etwa 20 Fachbeiräte, welche auch die vielfältige Branchenzugehörigkeit unserer Mitglieder repräsentieren. Ihre aktive Teilnahme an den Sitzungen erlaubt es GS1, frühzeitig Themen und Trends zu erkennen und dem Vorstand geeignete Massnahmen vorzuschlagen.

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Supply-Chain-Kompetenz