NISSAN EUROPA Mit zahlreichen neuen und attraktiven Modellen will der japanische Hersteller nach den Worten von Mario Canavesi, Senior Vice President Sales and Marketing von Nissan Europe NV, sein europäisches Absatzvolumen in den kommenden Jahren um rund 100000 Fahrzeuge erhöhen.

Der europäische Personenwagenmarkt ist derzeit leicht rückläufig. Mit welchem Absatzvolumen rechnet Nissan Europe in diesem Jahr, und welche Voraussagen wagen Sie für 2003?

Mario Canavesi: Im vergangenen Jahr verkauften wir rund 480000 Fahrzeuge, und in diesem Jahr rechnen wir mit etwa 470000 Einheiten. Im kommenden Jahr wollen wir wiederum leicht zulegen.

Nissan möchte ja in den kommenden Jahren den Absatz in Europa um rund 100000 Fahrzeuge erhöhen. Wie wollen Sie dies erreichen?

Canavesi: Vor allem mit neuen und attraktiven Modellen. Wir starten im kommenden Januar mit dem ganz neuen Micra, dessen Absatz wir von 100000 Fahrzeugen auf mindestens 150000 im kommenden Jahr und 170000 im Jahr 2004 steigern wollen. Auch mit den übrigen Modellen unserer PW-Palette sowie den drei Modellreihen der leichten Nutzfahrzeuge wollen wir bis 2005 zusätzliches Volumen realisieren.

Wann wird Nissan Europe das erhöhte Volumen konkret erreicht haben?

Canavesi: Im Rahmen des neuen Unternehmensplanes 180 wollen wir bis 2004/2005 weltweit 1 Mio Fahrzeuge mehr absetzen.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung auf dem Schweizer Markt, der ja ebenfalls rückläufig ist?

Canavesi: Wir gehen von einem unveränderten PW-Marktanteil von rund 2,1% auch für dieses Jahr aus, das entspricht etwa 6500 verkauften Autos. Wir wollen unseren eher tiefen Marktanteil in der Schweiz in den kommenden Jahren erhöhen, denn die Schweiz stellt einen attraktiven Markt für Personenwagen dar.

Wo sehen Sie die Gründe für den im Vergleich etwa zu Toyota eher bescheidenen Marktanteil in der Schweiz?

Canavesi: Ein wichtiger Grund ist sicher die unterschiedliche Strategie der beiden Marken in Europa. Toyota verfolgt ganz klar eine forcierte Wachstumsstrategie, während Nissan das Schwergewicht auf die Rentabilität legt. Wir wollen in Europa keine Verluste mehr verkraften, was uns in jüngster Zeit auch gelungen ist. Für die kommenden Jahre streben wir ein rentables Wachstum an und wollen ­ wie bereits erwähnt ­ unser Absatzvolumen steigern.

Welche neuen Modelle kann die Kundschaft von Nissan in den kommenden Jahren erwarten?

Canavesi: Wir verfügen über ein relativ junges Programm mit den Modellen Almera, dem neuen Primera, aber auch mit dem Geländewagen X-Trail, der momentan sehr gut ankommt in Europa. Im Januar 2003 folgt der ganz neue Micra, von dem wir uns einiges versprechen. Ebenfalls im kommenden Jahr präsentieren wir einen neuen von einem PW abgeleiteten Kleintransporter.

In der Oberklasse verfügt Nissan über verschiedene Modelle wie den Maxima oder die Topmarke Infiniti, die in Europa aber nicht angeboten wird. Wird sich dies einmal ändern?

Canavesi: In der Oberklasse spielt das Prestige der Anbieter eine grosse Rolle. Deshalb stellt diese Kategorie nicht unsere erste Priorität dar. Ein Detail dazu: Die meisten Maxima-Modelle, nämlich rund 3000, verkaufen wir in Russland.

Wie gross ist derzeit der Anteil aus europäischer Produktion?

Canavesi: Rund 70% der in Europa verkauften Fahrzeuge stammen auch aus europäischer Fertigung.

Im Zuge der Übernahme einer massgeblichen Beteiligung von Renault an Nissan werden auch die Händlernetze zusammengelegt. In der Schweiz wird dieses Vorhaben ebenfalls vorangetrieben. Welche Erfahrungen machte Nissan mit dieser Konzentration?

Canavesi: Diese Zusammenlegung erfolgte in den einzelnen Ländern unterschiedlich. In Holland, Deutschland und der Schweiz haben wir die Importorganisationen zusammengeführt. In anderen Ländern wie Frankreich, Italien und Grossbritannien bleiben die Importorganisationen getrennt, benützen aber gemeinsame Group Offices. Zudem treiben Renault und Nissan gegenwärtig das Projekt zum Aufbau einer stärkeren Händlerorganisation für Europa voran. Kernpunkt dieses Projekts ist die Einrichtung so genannter Hubs (Haupthändler). Sie sind Bindeglied zwischen den Importeuren in den einzelnen Ländern und den in ihrem Gebiet ansässigen Händlern. Ein Hub kann von einem Renault-Händler, aber auch von einem Nissan-Händler betrieben werden, wenn er in seinem Gebiet über eine genügend starke Stellung verfügt. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass Händler beider Marken gemeinsam einen Hub gründen und entsprechend ihrem finanziellen Engagement an diesem beteiligt sind.

Wo sehen Sie weitere Synergien zwischen Nissan und Renault?

Canavesi: Ein wichtiger Bereich werden die gemeinsamen Plattformen sein. Die beiden Marken werden sich in Zukunft auf zehn verschiedene Plattformen abstützen können. Auch im Motorenbereich werden Synergien genutzt.

Sind auch im Design Gemeinsamkeiten vorstellbar?

Canavesi: Im Design werden beide Marken eigenständig bleiben und sich auch in Zukunft im Markt klar positionieren.

Denkt man bei Renault daran, die derzeitige starke Minderheitsbeteiligung an Nissan (48%) in eine Mehrheitsbeteiligung umzuwandeln?

Canavesi: Solche Pläne bestehen derzeit nicht.

Nissan will neben dem Personenwagenprogramm auch den Bereich leichte Nutzfahrzeuge deutlich ausbauen. Welche Pläne verfolgt man hier?

Canavesi: Im Bereich leichter Nutzfahrzeuge wollen wir unseren Marktanteil in Europa von derzeit 3% in den nächsten Jahren auf 5 bis 6% verbessern.

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