Gibt es Synergien zwischen Ihrem Backwarenkonzern und dem Agrounternehmen Origin, das Tierfutter und Dünger vertreibt?

Owen Killian: Eigentliche Synergien gibt es nicht. Wir beziehen wenige Leistungen von Origin, wie zum Beispiel Mehl. Dafür müssten wir aber nicht 71,4% an Origin besitzen.

Weshalb verkaufen Sie Origin nicht?

Killilan: Unsere Beteiligung an Origin hat historische Gründe. Origin war der Ursprung unseres Backwarenspezialisten IAWS in Irland. Wir konnten Origin in den letzten zehn Jahren als Cash Cow behandeln, haben aber auch viel in das Agro-unternehmen investiert. Wir hätten nicht so viel investiert, wenn wir Origin verkaufen wollten. Jetzt erhält Aryzta auch eine Dividende von Origin. Es ist viel zu früh, um über einen Verkauf von Origin nachzudenken.

Um Synergien zu schaffen, könnten Sie ein grosses Getreideunternehmen kaufen. Dann wäre Aryzta ein vertikaler Konzern vom Düngemittel über Getreide bis zu Backwaren.

Killian: Wenn wir das wollten, würden wir Origin ganz kaufen. Aber das gegenwärtige Modell mit separatem Management und Verwaltungsrat scheint uns ideal.

Wollen Sie im Backwarenbusiness ein anderes Unternehmen akquirieren?

Killian: Ja, wir wollen in Zukunft zukaufen, aber zurzeit hat dies keine Priorität. Im laufenden Geschäftsjahr konzentrieren wir uns ganz auf das bestehende Geschäft.

Ihr Geschäftsjahr ist am 31. Juli zu Ende. Wollen Sie in den Folgemonaten Firmen akquirieren?

Killian: Das könnte durchaus passieren.

Aryzta ist bei Investoren in der Schweiz nicht sehr bekannt. Was unternehmen Sie dagegen?

Killian: Dem kann ich nicht zustimmen. Das mag vor sechs Monaten der Fall gewesen sein. Aryzta ist ein neues Unternehmen und existiert erst seit August 2008. Für diese kurze Zeit ist es schon sehr bekannt. Natürlich ist Aryzta nicht wie Hiestand eine Konsummarke, aber ich bin überzeugt, wenn Aryzta weiterhin gut arbei-tet und wir gut kommunizieren, wird Aryzta noch bekannter werden.

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Der Sitz von Aryzta ist in Zürich. Sie sind jetzt aber in Dublin. Wie oft sind Sie in der Schweiz?

Killian: Mein Büro befindet sich in Zürich. Ich halte mich mehr in der Schweiz auf als in Dublin. Heute muss ich als Verwaltungsratspräsident von Origin in Dublin sein. Ich bin aber auch oft unterwegs, weil wir Geschäfte nicht nur in Irland und England, sondern auch in Kanada, den USA und fast ganz Europa besitzen. Auf diese Weise pflege ich Kontakte mit unseren Partnern und Konsumenten.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Wolfgang Werlé, dem früheren Verwaltungsratspräsidenten von Hiestand?

Killian: Sehr gut, er war massgeblich beteiligt bei der Fusion von Hiestand und IAWS zu Aryzta.

Aber er ist aus dem Verwaltungsrat ausgeschieden.

Killian: Das hat mich nicht überrascht. Er ist ein Mann, der noch viele Projekte hat, die ihn stark beschäftigen.

Weshalb ist der grosse Investor Lion Capital ausgeschieden?

Killian: Darin waren wir nicht involviert. Die britische Private-Equity-Firma Lion Capital hat alle ihre Aktien an einem Tag im April verkauft, die meisten an Credit Suisse, die dann von Schweizer Investoren gekauft wurden. Das zeigt: Wir sind in der Schweiz breit gestreut und verankert.

Halten Sie trotz Krise an Ihrem Ziel fest, den Profit von Aryzta bis 2013 zu verdoppeln?

Killian: Ja. Auch wenn wir von der Konsumabkühlung noch nichts wussten, als wir das Ziel formulierten, aber wir haben noch vier Jahre Zeit, um das Ziel zu erreichen. Je nach Entwicklung können wir das durch internes Wachstum oder durch Investitionen und Akquisitionen erzielen.

Der Profit kann aber durch einen Gerichtsentscheid geschmälert werden. In Dublin ist Ihr Unternehmen wegen eines Vertragsbruchs auf Schadenersatz von 48 Mio Euro verklagt worden.

Killian: Es gibt einen Rechtsstreit, aber wir sind überzeugt davon, dass wir diesen klar gewinnen werden.