Flug MH17 abgeschossen, Flug MH370 verschollen. Über 500 Tote in vier Monaten. Einen Verlust von eins bis zwei Millionen Dollar – pro Tag. Malaysia Airlines braucht dringend einen Neustart. Heute wurde bekannt, dass die Fluggesellschaft von der Börse genommen und verstaatlicht werden soll. Das Unternehmen müsse komplett umgebaut werden, verlautete aus dem malysischen Staatsfonds Khazanah Nasional.

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Malaysia ist indes nicht die einzige Airline mit Problemen. Im laufenden Jahr sind für die gesamte Branche einige unglückliche Umstände zusammen gekommen. Und so stellt sich die Frage, ob die Gesellschaften, die sich erst gerade von der Finanzkrise erholt haben, in einen neuerlichen Abwärtsstrudel geraten. Anzeichen dafür sind jedenfalls vorhanden.

Das Problem der Billigkonkurrenz

Die Airlines klagen schon seit Jahren über den immer härteren Preiskampf. Dieser ist auch ein Hauptgrund für die Probleme der Malaysia Airlines. Die Konkurrenz aus den Golfstaaten und die Billiggesellschaft Air Asia würden Malaysia letztlich zu Fall bringen, sagte Tourismusexperte Christian Laesser von der Universität Sankt Gallen bereits im Juli.

Auch in der Schweiz verschärft sich der Preiskampf. Die Etihad verstärkt ihre Präsenz in der Schweiz und macht mit Etihad Regional etablierten Gesellschaften wie der Swiss Konkurrenz.

Das Problem der Abstürze

761 Menschen sind nach der Statistik des anerkannten Aviation Safety Networkseit Anfang Januar bei Abstürzen ums Leben gekommen. Knapp fünf Monate vor dem Jahresende wird damit die Zahl von 265 Absturz-Toten aus dem Jahr 2013 massiv übertroffen.

Mehr Opfer als im laufenden Jahr gab es letztmals 2010, als 943 Menschen starben. Trotzdem ist hier zu bedenken, dass die Abstürze sehr unterschiedliche Ursachen hatten. In der Tendenz gehe die Zahl der Unfalltoten in der Luftfahrt weiterhin zurück, sagt etwa Paul Hayes vom Beratungsunternehmen Ascend Worldwide, gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Das Problem der Sicherheit

Der Abschuss eines Passagierflugzeugs über der Ostukraine war mit 298 Toten das schlimmste Einzelereignis in der Luftfahrt seit 9/11 und den Terroranschlägen in New York und Washington. Einige Airlines mieden den Luftraum über der Ukraine schon seit Monaten. Andere hielten aus Kostengründen am kürzesten Weg fest.

Nach Absturz von Flug MH17 beurteilen Airlines die Situation bei internationalen Krisen neu. Während dem Gazakrieg zwischen Israel und der Hamas wurde wegen dem Raketenbeschuss vorübergehend der Flugverkehr nach Tel Aviv eingestellt. Und auch der Irak wird nicht mehr bedenkenlos überflogen. Die Umleitung von Flügen kostet die Fluggesellschaften aber viel Geld.

Das Problem der Sanktionen

Eine weitere Folge des MH17-Absturzes ist die Verschärfung der Sanktionen gegen Russland. Europäische Airlines befürchten Gegenmassnahmen wie ein Überflugsverbot für Russland. Besonders schwer treffen würde eine solche Sperre Finnair. Asienflüge über Sibirien machen 42 Prozent ihrer Einnahmen aus.

Noch schlimmer wäre ein russischer Gegenschlag allerdings für die eigene Fluggesellschaft Aeroflot. Diese bekommt jedes Jahr 220 Millionen Euro aus den Überfluggebühren.