Die Pharmakonzerne klagen weltweit über leere Pipelines. Musterknabe Roche dagegen setzt mit innovativen Biotech-Medikamenten zum Höhenflug an. Allein schon das Krebspräparat Avastin dürfte dem Basler Pharma- und Diagnostika-Riesen im 1. Quartal 2008 rund 1,2 Mrd Fr. in die Kasse spülen. Insgesamt erwartet Vontobel-Analyst Karlheinz Koch für die Präsentation der Q1-Resultate vom 17. April 2008 einen Quartalsumsatz von 11,1 Mrd Fr., was in Lokalwährungen ein Plus von 4% bedeutet. In Zukunft dürfte sich Avastin erst recht als Wachstumsmotor etablieren. Bereits ist der Tumorkiller für Dick- und Enddarm-, Lungen-, Brust- sowie Nierenkrebs zugelassen und ist breit anwendbar.

Avastin-Studien laufen bis 2010

Ob Avastin das Zeug zum Mega-Blockbuster mit über 10 Mrd Fr. Umsatz pro Jahr hat, wird sich in naher Zukunft weisen. Aktuell sind rund 300 klinische Studien für Indikationserweiterungen auf 20 Krebsarten im Gang. Insbesondere die Applikation als Zusatzmedikament gegen Kolorektalkrebs im frühen Stadium berge Potenzial, schreibt Credit-Suisse-Analyst Thomas Claudio Kaufmann im jüngsten Ausblick zu Roche: «Die Studien laufen noch bis 2010. Alle sechs Monate gibt es Zwischenberichte, die als Katalysatoren fungieren können, wenn daraus eine überlegene Effizienz hervorgeht.» Zwei weitere Studien nehmen die Eignung von Avastin für die Adjuvanttherapie unter die Lupe, also die Nachbehandlung im Anschluss an Krebsoperationen. Entsprechende Zulassungserweiterungen könnten über die schon bestehenden Avastin-Umsätze hinaus Einnahmen von jährlich bis zu 15 Mrd Fr. generieren. «Eine Interimsanalyse Ende des 2. Quartals liefert möglicherweise erste Hinweise auf die Effizienz», erklärt Vontobel-Analyst Karlheinz Koch. Sollte das Medikament sein ganzes Potenzial erschliessen, würde das massiv auf den Aktienwert durchschlagen. Insgesamt könnte Avastin eine Kurssteigerung von bis zu 60 Fr. pro Aktie auslösen, schätzt Koch.

Synergiestrategie findet Anklang

Weitere Unwägbarkeiten birgt die Entwicklung des Dollar. Gegenüber dem Franken hat die US-Währung seit Jahresbeginn im Vergleich zum mittleren Wechselkurs 2007 16% an Wert verloren. Den dadurch im laufenden Jahr zu erwartenden Umsatzrückgang veranschlagt die Bank Vontobel für Roche auf 10% und senkt das Kursziel um 15 Fr. auf noch 235 Fr.

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Wobei die Synergiestrategie von Roche bei den Anlegern durchaus Anklang findet. Der neue CEO Severin Schwan scheint mit der Übernahme der US-amerikanischen Gewebeanalyse-Firma Ventana dem Traum von massgeschneiderten Therapie-Packages aus Pharma und individueller Diagnose einen entscheidenden Schritt näher gekommen sein. ZKB-Analyst Michael Nawrath hält den hohen Kaufpreis von 3,4 Mrd Fr. denn auch für absolut gerechtfertigt: «Mit jährlichen Zuwachsraten von 20% entwickelt sich Ventana äusserst dynamisch. Das Unternehmen dürfte der Roche-Diagnostik – zusammen mit den 2007 erworbenen Firmen NimbleGen und 454 Bioveris – auf Jahre ein über dem Marktdurchschnitt liegendes Wachstum von 9% bis 10% sichern.»