Der verschärfte Wettbewerb bei der Distribution von Medikamenten verlangt nach neuen Strategien. In der Pharmabranche wird deshalb etwa über eine engere Zusammenarbeit zwischen den Apotheken und der Post diskutiert. «Mir gefällt das neue Konzept von DHL. Pakete, die von DHL transportiert werden sollen, können in einzelnen Apotheken abgegeben werden», sagt Luzi A. von Bidder, Verwaltungsratspräsident der Spezialgenerika- und Pharmaholding Schweizerhall. «Dies könnte eine Anregung für die Schweizer Post und die Apotheken sein: Beide Orte sind sicher und durch die Behörden reglementiert. Und beide gibt es in vielen Ortschaften. Man könnte also die Post- und die Apothekendienstleistungen im selben Geschäft anbieten», meint von Bidder.

Agenturen in Basel und Zürich

Die Post plane keine umfassende Kooperation mit Apotheken, meint Post-Sprecher Oliver Flüeler dazu. In Basel (im Quartier Breite) und in Zürich (im Quartier Hottingen) betreibe man aber bereits zwei Kleinpoststellen in Apotheken. Bis Ende 2008 will die Post 200 Poststellen zu solchen Agenturen umfunktionieren. Grundsätzlich sei es möglich, dass weitere Apotheken dazukommen.

Schweizerhall-Präsident Luzi A. von Bidder kann sich auch eine enge logistische Zusammenarbeit zwischen Grossisten und der Post vorstellen. «Oft fahren die Postautos und die Lieferwagen von Apothekengrossisten gleiche Strecken – eigentlich könnte man die beiden Dienstleistungen logistisch zusammenlegen», sagt er.

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Die Post hingegen sieht hier keine Synergien. «Das komplexe Gefüge des Postverkehrs mit unterschiedlichsten Zeitfenstern, Routen, Verarbeitungszentren und Umladestationen lässt sich nicht auf den gemeinsamen Nenner ‹gleichbefahrene Strecken› reduzieren», meint Oliver Flüeler. Man sei aber immer bereit, allfällige Zusammenarbeiten zu prüfen.

Apotheker protestieren

Keine Freude an diesen Ideen hat Dominique Jordan, Präsident des Apothekenverbandes Pharmasuisse. «Der Vorschlag, dass die Post und die Apotheken stärker zusammenarbeiten könnten, widerspiegelt die fahrlässige Bagatellisierung des Medikamentes als simples Konsumgut», sagt er. Nur die «unabhängige und niederschwellig zugängliche» Dienstleistung garantiere eine sachgerechte Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten, so Jordan.

Er erwartet vielmehr, dass der «Vormarsch der vertikal integrierten Strukturen» beim Medikamentenvertrieb zunehmen werde. Konkret bedeute dies, dass die Pharmaindustrie «immer direkter» zu den Patienten kommen werde.

Der reine Versandhandel hingegen werde in der Schweiz bald eine Sättigungsgrenze erreichen. Pius Gyger, Leiter Gesundheitspolitik der Krankenversicherung Helsana, sieht dies anders: «Der Versandhandel wird sich weiter ausbreiten. Zurzeit erzielen wir einen Anteil am gesamten Medikamentenumsatz von rund 5%. Wir sehen aber ein Potenzial gegen 10%.»

Ins gleiche Horn stösst Dirk Kosche, Chef von Novartis Pharma Schweiz. «Der Medikamentenversandhandel wird weiter an Bedeutung gewinnen», sagt er. Er wehrt sich aber gegen den Eindruck der Apotheker, dass Pharmafirmen näher zu den Patienten wollen. «Die physische Verteilung von Medikamenten gehört nicht in die Kernkompetenz eines Pharmaunternehmens», sagt Kosche.

Galenica hat keine Angst

Auch Galenica, welche Medikamente vertreibt und Apotheken betreibt, sieht ihre Vertriebsaktivitäten nicht in Gefahr. 2007 trug dieser Bereich mit beinahe 2 Mrd Fr. am meisten zum Gesamtumsatz von 2,5 Mrd Fr. bei. «Es ist fraglich, ob sich die spezifischen Anforderungen an einen Apotheker mit einer ganz anderen Geschäftsform kombinieren lassen und einem effektiven Kundenbedürfnis entsprechen», sagt Geschäftsleitungsmitglied Philippe Milliet.