Während sich Swiss hauptsächlich mit der Reduktion von Sitzkapa- zitäten und Betriebskosten gegen die laufende Luftfahrtkrise zur Wehr setzt, sind auch die kleineren Schweizer Fluggesellschaften im Sog der weltweiten Turbulenzen gefordert. Die vier grössten unter ihnen - Baboo, Darwin Airline, Hello und Helvetic Airways - ziehen sich dabei mit unterschiedlichem Erfolg aus der Affäre.

In Schieflage geraten ist etwa die Basler Hello von Haupteigentümer und Crossair-Gründer Moritz Suter, die sich aufgrund der deutschen Besitzverhältnisse bei Swiss durch Lufthansa zu Recht als «die grösste Schweizer Airline» bezeichnet. Dieser Titel scheint allerdings in Gefahr, denn bei Hello ist im September 2008 mit Iceland Express der wichtigste Kunde für das sogenannte Wet-Lease-Geschäft abgesprungen. Beim Wet Lease, kurz ACMI, werden im Auftragsverhältnis ganze Flugrotationen mit eigenen Crews betrieben.

Suters Hello muss «überleben»

Der plötzliche Wegfall von Iceland Express zwang Hello, zwei der sechs MD-90-Maschinen unter der Woche am Flughafen Zürich zu parkieren. Sinkende Einnahmen sowie steigende Treibstoffkosten drückten auf die Liquidität. Anfang Jahr hat nun Michael Pieper, Präsident und CEO der Küchenbaufirma Franke und Suter-Freund aus alten Crossair-Zeiten, bei Hello 5 Mio Fr. Aktienkapital eingeschossen.

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Weitere Finanzspritzen seien vorerst nicht nötig, sagt der Ire Robert Somers, seit zwei Jahren CEO von Hello, der zuletzt massiv Kosten senken musste. Die Flotte wurde für den Sommer 2009 auf fünf MD-90 verkleinert, im Winter 2009/10 sollen zwei weitere aus dem Verkehr gezogen werden. Dazu sind laut Somers bessere Bedingungen mit der Flugzeug-Leasingfirma ausgehandelt worden.

Das ursprüngliche Geschäftsmodell musste revidiert werden. Der ACMI-Anteil der Flugbewegungen ist von einst 70% auf aktuell 5% geschrumpft. Zu 95% fliegt Hello heute Charterketten im Auftrag von Ferienveranstaltern. «Wet Lease ist zurzeit kein profitables Geschäft, weil im Markt sehr viele Flugzeuge zu Dumpingpreisen erhältlich sind», erklärt Somers, dem vorschwebt, im Sommer 2010 mit einer neuen Flotte von vier Airbus- oder Boeing-Maschinen an den Start zu gehen. Vorerst lautet seine Devise für das aktuelle Krisenjahr jedoch nur: «Überleben.» Der Umsatz von Suters Hello dürfte dieses Jahr jedenfalls wieder deutlich unter die im Vorjahr geknackte Grenze von 100 Mio Fr. fallen.

Positiver sind die Aussichten derweil bei Helvetic Airways von Financier Martin Ebner, die sich konträr zu Hello entwickeln. Als defizitäre Günstig-Airline mit Fixpreis-Modell gestartet, verlagerte sie ihr Geschäftsmodell von Linie und Charter immer stärker zu Wet Lease und bewegt heute drei von vier Flieger des Typs Fokker 100 mit mittel- bis langfristigen Verträgen im Auftrag der Swiss.

Ebner gründet Helvetic-Holding

Dank der starken Partnerin hat Helvetic Airways im vergangenen Geschäftsjahr einen Gewinn von 5 Mio Fr. eingeflogen. Wachstum strebt Bruno Jans, seit elf Monaten CEO von Helvetic Airways, mit der vierten Maschine an, die im Sommer 2009 Linien- und Charterflüge nach Italien, Spanien, Kroatien sowie Mazedonien absolviert.

Inzwischen hat Martin Ebner die Organisation seiner Fluggeschäfte neu strukturiert und Ende Mai die Helvetic Airways Group mit Sitz in Wilen SZ als Tochter seiner Investmentgesellschaft Patinex gegründet. Die neue Holding hält alle Aktien der Helvetic Airways und der Horizon Swiss Flight Academy (Flugschule). Der Startschuss zu einer Expansionsphase? Ein Flottenausbau stehe aktuell jedenfalls nicht zur Diskussion, meint Jans. «Sollten wir Potenzial für Wachstum sehen, könnten wir diesen Schritt auch vollziehen.»

Einen markanten Expansionsschub bereits hinter sich hat die in der Romandie beheimatete Baboo. Sie steigerte 2008 ihren Umsatz um fast 87% auf 56 Mio Fr. und bedient ab dem Drehkreuz Genf im Linienverkehr total 14 europäische Ziele mit fünf Maschinen; drei Embraer E 190 und zwei Bombardier Dash Q 400. Baboo hat 2008 davon profitiert, dass sich in Genf verschiedene Gesellschaften zurückgezogen haben. Für 2009 ist gemäss Baboo-Sprecherin Nilufer Gumus eine Konsolidierung angesagt. Aber auch die Intensivierung von Partnerschaften stehe auf der Agenda von Baboo.

Eine Zusammenarbeit gibt es etwa auf der Strecke Genf-Lugano mit der Tessiner Darwin Airline. Auch diese strebt - trotz Krise - Wachstum an und bearbeitet neu stärker den italienischen Markt. So wurde ein eigener Shuttle-Bus von Mailand nach Lugano eingerichtet, um Passagiere von dort weiter nach Genf transportieren zu können. Auch saisonale Flüge nach Sizilien und ganze Pauschalen (Flug und Hotel) will Darwin einführen.

Zu den vier Maschinen des Typs Saab 2000 wird Darwin im Juli deshalb eine fünfte in Betrieb nehmen. Übermut ist gleichwohl nicht angesagt, denn im 1. Quartal 2009 resultierte ein Umsatzrückgang von 10%. Die Lebensversicherung ist auch für Darwin das Wet-Lease-Geschäft, das zurzeit zwei Drittel der Flugbewegungen ausmacht.