Die Fussballgemeinde muss sich auf neue Verwirrnis einstellen. Seit 2010 gab es nur einen Titel für den Weltfussballer – er bekam den Ballon d'Or. Den Event stellte die Fifa in Zürich, die Markenrechte gehörten der französischen Fachzeitschrift «France Football».

Letzte Woche machte die Handelszeitung bekannt, dass die Fifa in Zukunft die besten Fussballer und Trainer der Welt nicht mehr in Zürich auszeichnen wird, sondern in London. Der Aufschrei in der Limmatstadt, vor allem im Hotelgewerbe, war gross. Offenbar versuchte die Stadtregierung den Anlass in Zürich zu halten – ohne Erfolg. Das Umdenken bei der Fifa geschah, weil man sich auf der Insel eine grössere globale Ausstrahlung versprach – und die Interessen der Sponsoren so besser bedienen will. Unter welchem Namen der neue Mega-Event der Fifa künftig stattfindet, ist noch nicht klar.

Traditionsreiche Konkurrenz aus Frankreich

Nun könnte der Schuss aber ziemlich nach hinten losgehen. «France Football» lanciert ihrerseits eine neue Preisverleihung für den besten Fussballer der Welt. Dazu muss man wissen, dass diese Zeitung seit 1956 jeweils den besten Fussballer mit dem Ballon d'Or auszeichnete. Während der ganzen Zeit galt er als die grösste Ehre für einen Fussballer – bis heute ist der Begriff «Ballon d'Or» in der Fussballerwelt gleichzusetzen mit dem Oscar in der Filmindustrie. Die Zeitschrift schreibt stolz, dass dieser Preis seinen Wert für die Spieler behalten habe. «Sogar während den Jahren, als man ihn mit der Fifa teilte», bemerkte das Blatt in seiner neusten Ausgabe spitz. Die Fifa zahlte während der gemeinsamen Feier für die Lizenzrechte 16 Millionen Euro an Amaury, die Herausgebergesellschaft von France Football, berichtete «El Mundo Deportivo».

Zwischen 1991 und 2009 gab es schon einmal zwei Titel: Die Fifa kürte damals den «Fifa Weltfussballer des Jahres». Nun drohen Verhältnisse ähnlich dem Boxsport: Dort können sich gleich vier verschiedene Sportler zeitgleich Weltmeister nennen.

Sieger der Fifa Messi und Ronaldo

«France Football» erinnert auch daran, dass nach ihrer Wahljury, die ausschliesslich durch Journalisten besetzt sei, neben Cristiano Ronaldo und Lionel Messi auch Wesley Sneijder (2010) und Frank Ribéry (2013) die Trophäe des besten Weltfussballers gewonnen hätten. Während der Fifa-Zeit ging der goldene Ball viermal an Messi und zweimal an Ronaldo (siehe Bildergalerie oben).

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Angesprochen auf die Pläne der Franzosen, meinte ein Fifa-Sprecher, es sei offen, wie der Fifa-Event in Zukunft heissen werde und wie er genau aussehen solle. Mehr könne man zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Man informiere die Öffentlichkeit, wenn alles spruchreif sei.