1. Home
  2. Unternehmen
  3. «Wirtschaft ist eine Kulturveranstaltung»

Grundeinkommen
«Wirtschaft ist eine Kulturveranstaltung»

Götz Werner: «Sie arbeiten nie für das, was Sie brauchen».   Martin Heimann

Götz Werner ist Gründer der deutschen Drogeriemarktkette DM. Im Interview spricht er über seine Forderung für ein bedingungsloses Grundeinkommen, den Sinn der Arbeit und die Motivation des Personals.

Von Benita Vogel und Armin ­Müller
am 26.02.2014

Sie sind in letzter Zeit oft in der Schweiz unterwegs. Suchen Sie Standorte für Ihre Drogeriemarktkette?
Götz Werner: Nein. Ich bin oft hier, um über das bedingungslose Grundeinkommen zu sprechen – ein Grundeinkommen, das jedem ein bescheidenes, aber menschenwürdiges Leben ermöglicht.

Ein Unternehmer, der sich nicht fürs ­Geschäft interessiert, sondern für soziale Aspekte? Das ist eine Ausnahme.
Nein, überhaupt nicht. Wir alle stehen auf den Schultern der Gemeinschaft. Jede Leistung ist nur im Kontext der jeweiligen Kultur möglich. Wirtschaft ist eine Kulturveranstaltung.

Sie fordern, dass der Staat jedem ­Menschen jeden Monat 1000 Euro bezahlt. Weshalb denn – aus unternehmerischen oder aus sozialen Gründen?
Sowohl als auch. Ich bin in den Jahren als Unternehmer zur Einsicht gelangt, dass – wenn die Menschen frei sein sollen, wie das in der deutschen und auch in der Schweizer Verfassung steht – sie ein Einkommen benötigen, das an keinerlei Bedingungen geknüpft ist. Ausserdem braucht in einer Konsumgesellschaft wie heute jeder Mensch ein Einkommen, um leben zu können, um sich die Leistungen von Unternehmen verfügbar zu machen.

Um unseren Unterhalt zu finanzieren und um zu konsumieren, arbeiten wir.
Eben nicht. Sie arbeiten nie für das, was Sie brauchen, sondern für andere. Und umgekehrt arbeiten immer andere für Sie. Wenn Sie ihre Kleider durchgehen, stellen Sie fest: Die ganze Welt kleidet Sie ein. Wir arbeiten für die ganze Welt und die ganze Welt arbeitet für uns. Und bedenken Sie, als Sie ein Kind waren, konnten Sie nicht arbeiten.

Eltern sorgen für ihre Kinder – es braucht kein staatliches Grundeinkommen.
Eltern erhalten Kindergeld oder -zulagen – das ist nichts anderes als ein bedingungsloses Grundeinkommen. Und was ist, wenn ein Kind keine Eltern hat?

Dann fühlt sich tatsächlich die Gesellschaft verantwortlich. Aber Sie wollen das nun auf alle Menschen ausdehnen.
Ja, damit für jeden Menschen ein Freiraum der Unabhängigkeit entsteht. Das bedingungslose Grundeinkommen ist nichts anderes als die Realisierung der verfassungsrechtlichen Freiheit. Ich habe die Freiheit, Nein zu sagen.

Das ist ein Ausschnitt aus dem grossen Interview mit Götz Werner. Lesen Sie das ganze Gespräch in der neuen «Handelszeitung», ab Donnerstag am Kiosk oder mit Abo bequem jede Woche im Briefkasten.

 

Anzeige