Die sich derzeit akzentuierende Schwäche der US-Konjunktur wird hierzulande mit gemischten Gefühlen betrachtet. Einerseits stellt sie ein konjunkturelles Damoklesschwert dar, welches an Schärfe gewinnt. Bisher lehrt die Vergangenheit, dass eine Verlangsamung der wirtschaftlichen Aktivität in den USA mit einer Konjunkturschwäche in der Schweiz einherging. Andererseits macht die These der konjunkturellen Emanzipation die Runde. Demzufolge könne sich der Rest der Welt dank kräftiger Binnenkonjunktur und geringerer Exportabhängigkeit mit den USA von einer an Fahrt verlierenden US-Konjunktur abkoppeln.

Transmission von US-Impulsen

Die Credit Suisse Group hat jüngst im Rahmen einer ökonometrischen Analyse den transatlantischen Konjunkturzusammenhang etwas genauer angesehen. Die Ergebnisse offenbaren: Erstens, es gibt eine Transmission konjunktureller Impulse von der US- auf die Schweizer Volkswirtschaft und zweitens, die Konjunkturübertragung hat sich seit den 80er Jahren noch verstärkt und beschleunigt. Zudem beeinflussen negative konjunkturelle Veränderungen in den USA die Schweiz generell stärker als positive. Im Hinblick auf das gesamte Ausmass der direkten Konjunkturbeeinflussung zeigt sich jedoch auch, dass diese nur von moderater Natur ist.

Die aktuelle Expansion der Schweizer Volkswirtschaft übertrifft vermutlich in diesem Jahr zum fünften Mal in Folge das Produktionspotenzial. In lang andauernden Zeiten der Hochkonjunktur ist das Phänomen zu beobachten, dass die gegenwärtig günstige Lage unter Ausblendung der bestehenden Risiken in die Zukunft projiziert wird. «Dieses Mal ist alles anders» oder «The business cycle is obsolete» sind nicht nur die fünf teuersten Wörter an den Finanzmärkten, sondern auch in der Konjunkturanalyse als Arbeitshypothese unbrauchbar. Dass es aber – nicht im Jahr 2008, wohl aber in der mittleren Frist – auch einmal wieder eine deutlichere wirtschaftliche Abkühlung oder gar Rezession geben wird, ist bei aller Unsicherheit von Prognosen eine bedauerliche Gewissheit.

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Können aus der Stärke des gegenwärtigen Aufschwungs Erkenntnisse über die zukünftige Abschwächung gewonnen werden? Gemäss der jüngsten Credit-Suisse-Analyse bestätigt sich ein schwach positiver Zusammenhang zwischen der Stärke von Aufschwüngen und der Schwere nachfolgender Abschwünge. Die Verneinung einer vollkommenen Abkopplung von der US-Volkswirtschaft und die Existenz eines positiven Zusammenhangs zwischen Stärke des Aufschwungs und Schwere der nachfolgenden Rezession verspricht zunächst wenig Gutes für die weitere Konjunkturperspektive. Insofern ist konkret zu fragen: Wie wahrscheinlich ist denn eine Rezession in der Schweiz innerhalb der nächsten sechs Monate? Hierzu haben wir die Rezessionswahrscheinlichkeit anhand eines ökonometrisch fundierten Rezessionsrisikoindikators berechnet. Zur Rezessionsdefinition greifen wir dabei auf die in der Analysepraxis verwendete Daumenregel zurück, wonach eine Rezession vorliegt, falls das Bruttoinlandprodukt in mindestens zwei aufeinander folgenden Quartalen geschrumpft ist. Insgesamt ist hierzulande so bald nicht mit einer Rezession zu rechnen. Das Rezessionsrisiko liegt aktuell bei 5%.