Der CEO der Swiss American Chamber of Commerce (AmCham) weiss, was er will. Martin Naville wünscht sich auf jeden Fall einen Republikaner auf den Präsidentensessel der USA. «John McCain oder Mitt Romney wären für die Wirtschaft besser als etwa Hillary Clinton oder Barack Obama», meint er. «Deren Programme klingen, zumindest jetzt im laufenden Wahlkampf ums Weisse Haus, gar nicht wirtschaftsfreundlich.» Allerdings räumt Naville ein, dass die Realität zwischen Wahlkampfparolen und späteren politischen Entscheiden jeweils weit auseinanderklaffen kann.

Kaum zu einer dezidierten Meinung durchringen können sich dagegen die in den USA beschäftigungsaktiven grossen Schweizer Unternehmen. In der aktuellen Phase der Vorwahlen will man es aus taktischen Gründen mit niemandem verderben. Obwohl sie zu den wichtigen Arbeitgebern im Land der unbegrenzten Möglichkeiten gehören. Zum Beispiel Nestlé: Kein Schweizer Unternehmen zählt in den USA mehr Beschäftigte als der Nahrungsmulti aus der Westschweiz. Doch der Konzern nimmt keine Stellung zu den US-Wahlen.

Insgesamt stehen über 310000 Angestellte in den USA auf den Lohnlisten von Schweizer Firmen.

UBS-Angestellte spenden fleissig

Farbe bekennen werden die Unternehmen wohl gegen Ende des Wahlkampfs. Und abgerechnet wird auf jeden Fall erst nachher: In der Statistik der Federal Election Commission ist nämlich jeder Spender mit seinem Arbeitgeber erfasst. Es kann folglich genau eruiert werden, welcher Kandidat von welcher Belegschaft mit wie viel Geld unterstützt worden ist.

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Das Spendenbarometer in Grossunternehmen überschreitet schnell einmal die Millionengrenze. Von der UBS etwa, die in den USA rund 30000 Beschäftigte zählt, kamen bei den letzten Kongresswahlen über 800000 Dollar zusammen. Experten rechnen jetzt im Schnitt mit einer Verdreifachung der Spenden. Wie bei der UBS und der Credit Suisse Group sind auch bei Novartis und Roche, die in den USA je rund 20000 Leute beschäftigen, die internen «Political Action Committees» fleissig am Sammeln. Bei Novartis heisst es dazu, man verfolge den US-Wahlkampf zwar mit Interesse, wolle ihn aber grundsätzlich nicht kommentieren. Ein wenig deutlicher wird Roche-Sprecher Alexander Klauser: «Unser Komitee wird sich früher oder später für jenen Kandidaten entscheiden, von dem es sich die beste Gesundheitspolitik verspricht.»

Verband fordert Freihandel

Einig sind sich die Wirtschaftsvertreter, welche Punkte in der Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und der künftigen US-Regierung auf der wirtschaftspolitischen Agenda ganz zuoberst stehen müssen. «Offene Märkte für Güter, Dienstleistungen und Personen, die über die Abkommen im Rahmen der WTO und über ein bilaterales Freihandelsabkommen sichergestellt werden müssen», sagt Economiesuisse-Geschäftsleitungsmitglied Thomas Pletscher. Letzteres ist aufgrund von Divergenzen etwa beim Agrarfreihandel immer wieder aufgeschoben worden. Zudem drohen wegen der verschiedenen Massnahmen, die US-Politiker zur Verstärkung der Sicherheit auf US-Territorium verabschiedet haben, neue Einschränkungen beim Waren- und Personenverkehr.

Frank Brinken, CEO des Werkzeugmaschinenbauers StarragHeckert, der rund 20% seiner Produktion in die USA exportiert, spricht Klartext: «Der Bundesrat muss der künftigen US-Regierung verdeutlichen, dass die neuen Sicherheitsregelungen für Ausländer diskriminierend sind und ein schikanöses Handelshemmnis darstellen.» Diplomatischer äussert sich Economiesuisse-Mann Pletscher: «Sachlich geht es vor allem darum, eine angemessene Balance zwischen Sicherheitsinteressen der USA und freiem Marktzugang zu finden.» Dass er nicht mit der Tür ins Haus fällt, hat Gründe: «Die Beziehungen zwischen der Schweiz und den USA haben eine grosse Bedeutung für unsere Wirtschaft», erklärt er.

EVD will Lösungen suchen

Das Eidgenössische Volkswirtschaftsdepartement will laut Sprecherin Antje Bärtschi im Rahmen des Kooperationsforums Schweiz–USA für Handel und Investitionen nach effizienten Lösungen suchen. Weitere Themen auf der politischen Agenda würden dann bestimmt, wenn das Regierungsprogramm und die darin festgelegten Prioritäten der neuen US-Administration bekannt seien.