Die Wirtschaftskriminalität in der Schweiz hat 2014 zugenommen und besonders Finanzinstitute getroffen. Deutlich häufiger als im Vorjahr sind dabei Delikte aus dem Bereich der Cyberkriminalität geworden.

Im Jahr 2014 habe man 77 Fälle von Wirtschaftskriminalität erfasst, schreibt die Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG in der am Mittwoch publizierten Ausgabe ihres «KPMG Forensic Fraud Barometer». Dies sind knapp ein Drittel mehr als im Vorjahr.

Um ebenso viel gesunken ist dagegen das gemessene Schadensvolumen von 537,2 Millionen Franken, das 2013 wegen vierer ausserordentlicher Fälle überdurchschnittlich hoch ausgefallen war. Verglichen mit 2012 stieg das Schadensvolumen um 8 Prozent.

Mehr Fälle von Cyberkriminalität

Das häufigste Delikt war laut Studie auch 2014 die Veruntreuung. Die kriminell erlangten Vermögenswerte seien oft zur Finanzierung eines teuren Lebenswandels oder Suchtverhaltens, insbesondere von Drogen- oder Spielsucht verwendet worden.

Mit sieben erfassten Delikten haben im vergangenen Jahr vor allem die Fälle der Cyberkriminalität deutlich zugenommen: 2013 wurden hier noch keine Fälle gemessen, die nach den Kriterien des Barometers eindeutig in diesem Bereich hätten zugeordnet werden können.

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Vier der 2014 erfassten Fälle von Cyberkriminalität betrafen dabei den Online-Betrug mit hochwertigen und schnell verkäuflichen Waren wie etwa Mobiltelefonen. In einem weiteren Fall hatte ein entlassener Mitarbeiter den Kalender seines ehemaligen Vorgesetzten manipuliert. Erfasst wurde auch ein Fall von gestohlenen Kreditkartendaten.

Am meisten Delikte im Raum Zürich

Geografisch gesehen häufte sich die Wirtschaftskriminalität im Raum Zürich, so die Studie weiter. Das gesamte Schadensvolumen erreichte hier 372,4 Millionen Franken (durchschnittlich 13,8 Millionen) und lag damit im Regionenvergleich am höchsten. Die zweitplatzierte Region war das Tessin mit einem Schadensvolumen von 33,3 Millionen und einem Durchschnitt von 6,7 Millionen. Zugenommen haben die Fälle in der Nordwestschweiz, abgenommen dagegen in der Zentralschweiz, der Ostschweiz und der Genfersee-Region.

Am häufigsten betroffen von der Wirtschaftskriminalität waren auch 2014 die Finanzinstitute. Das gesamte Schadensvolumen dieser Opfergruppe belief sich auf 323,3 Millionen Franken und auch beim durchschnittlichen Schadensvolumen pro Fall lagen diese Unternehmen mit 18 Millionen vorne.

Täter aus dem Management

Ein weiterhin «hohes Gefahrenpotenzial» orten die Studienautoren bei unzureichend kontrollierten Kadern - dies aufgrund deren Ausnahmestellung. In den 18 Fällen, in denen die Täter aus dem Management stammten, ist ein Schaden von total 166,8 Millionen Franken (durchschnittlich 9,3 Millionen) entstanden. Demgegenüber betrug der Schadensbetrag in Fällen, in denen Angestellte die Täter waren, nur 23,3 Millionen bei einem Durchschnitt von 1,9 Millionen.

Das «KPMG Forensic Fraud Barometer» beruht auf Wirtschaftskriminalitätsfällen mit einem Schadensbetrag von mindestens 50'000 Franken, die im Berichtsjahr von einem Schweizer Strafgericht abgeschlossen wurden und über welche in den wichtigsten Schweizer Tages- und Wochenzeitungen berichtet wurde.

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(awp/tno/ama)