Die immobilienwirtschaftlichen Aus- und Weiterbildungsstudiengänge sind hierzulande, wie in Kontinentaleuropa insgesamt, eine relativ neuartige Erscheinung. Bevor vor etwa fünf Jahren in der Schweiz gleichzeitig drei Weiterbildungsstudiengänge aus der Taufe gehoben wurden, gab es nur einen Studiengang an der Hochschule St. Gallen HSG, der stark auf Facility Management fokussiert war.

Der erste Kurs im deutschsprachigen Raum wurde erst 1990 von Professor Karl-Werner Schulte an der deutschen European Business School (ebs) begründet. Einzig in Grossbritannien besteht, analog zu den anderen angelsächsischen Ländern wie den USA und Australien, eine längere Tradition in der universitären immobilienwirtschaftlichen Aus- und Weiterbildung.

Vielfach nur Randthema

Aufgrund der längeren Tradition dienten die angelsächsischen Programme zwar häufig als Vorbild für die Konzipierung der kontinentaleuropäischen Angebote, die jedoch eine eigene Note entwickeln konnten. So beinhalten die meisten Studiengänge trotz einer immobilienwirtschaftlichen Fokussierung ein Architektur- oder Planungsmodul, das sich häufig aus der Verortung der Angebote innerhalb der Architekturfakultäten an den Universitäten begründet. Immobilienwirtschaftliche Aspekte sind bis heute an allen kontinentaleuropäischen Universitäten ein Randthema geblieben, das höchstens durch einen Lehrstuhl betrachtet wird.

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Neues Programm startet 2011

Lokale Aspekte spielen in der immobilienwirtschaftlichen Forschung und Lehre weiterhin eine grosse Rolle: «All business is local», heisst nicht umsonst ein Schlagwort. Die global tätigen Berufsverbände wie ULI, ERES, RICS, INREV und EPRA haben jedoch durch Akkreditierungen sowie ausbildungsbezogene Konferenzen zu einer Angleichung von Kursstrukturen und -inhalten und allgemein der Ausrichtung der Weiterbildungsanbieter geführt. «Die europäische Real Estate Community kennt sich inzwischen relativ gut», sagt etwa Andreas Loepfe, Leiter des Center for Urban & Real Estate Management (CUREM) der Universität Zürich. Man treffe sich pro Jahr mindestens zweimal auf Konferenzen, um über neue Konzepte und Themen im Bildungsbereich zu sprechen.

Durch diese bislang vorwiegend informelle Kooperation zwischen den Studiengängen werden auch Dozenten der jeweiligen Programme ausgetauscht, was ebenfalls zur internationalen Angleichung der Kursinhalte führt.

Vor allem die britischen Universitäten wie Cambridge oder die LSE, aber auch die International Real Estate Business School (IREBS) in Regensburg schliessen darüber hinausgehend Kooperationsabkommen mit Hochschulen vorwiegend in den USA, in China und in Indien ab, um den eigenen und den ausländischen Studierenden jeweils neue Perspektiven zu vermitteln und die Marketingaktivitäten zu bündeln.

In der Schweiz starten im Frühling 2011 zum ersten Mal die Universität Zürich mit CUREM und dem Swiss Finance Institute (SFI) in Zusammenarbeit mit weiteren Universitäten einen Real-Estate- Finance-Kurs, der an drei Wochenenden in London, Amsterdam und Zürich durchgeführt wird. Den Teilnehmern werden neue Erkenntnisse aus dem Bereich Real Estate Investment vermittelt. Mehr Informationen finden sich ab Mai 2010 unter www.curem.ch

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