Vorhang auf für Albert Schweitzer! Der französische Nobelpreisträger erachtete die Gedankenarbeit schon vor langer Zeit als elementaren Bestandteil des (Investment-) Erfolges. Verzicht auf Denken sei eine geistige Bankrotterklärung, verkündete Schweitzer lautstark und nicht minder weise. Seine Aussage hat seither nichts an Aktualität oder Bedeutung verloren – und lässt sich überdies problemlos in die Finanzwelt transportieren.

Das umfangreiche Anlageuniversum hat kontinuierlich sowie beflissen an neuen Investmentvehikeln herumgetüftelt und mit verschiedensten Produkten den Markt überhäuft, zuweilen gar überfordert. Zwar hat das eine oder andere Erzeugnis durchaus Daseinsberechtigung beziehungsweise wohlwollende Renditepunkte eingebracht.Dies darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Quantität uferlose Ausmasse angenommen hat und in dem Zusammenhang der Kampf um ungeteilte Anlegeraufmerksamkeit voll im Gange ist. Für einen möglichen Sieg wurden klangreiche Strategien, Produkte oder Prozesse à la 130/30, UCITS III, Total Return etc. ins Leben gerufen.

Kniffliges Investmentwirrwarr

Zurzeit bestehen in der Schweiz rund 6000 zum Vertrieb zugelassene Fonds (inklusive alternative Anlageformen): Die Selektionsschwierigkeit ist dabei augenfällig.

Das verzwickte Labyrinth der Angebote dürfte aber zu noch weit mehr Ungemach führen, wenn man sich ebenfalls in der Welt der sogenannten neuzeitlichen Finanzkonstrukte aufhalten möchte. Hierzulande gibt es momentan zirka 125 Exchange Traded Funds (ETF) sowie ungefähr 27000 strukturierte Produkte. Davon weisen gut 65% einen trading-orientierten Charakter auf und tragen verblüffende Namen wie zum Beispiel Knock-out-Warrants oder Mini-Futures. Die restlichen 35% teilen sich Produkte aus den Bereichen Partizipation, Renditeoptimierung sowie Kapitalschutz.Das ist aber längst noch nicht alles, denn allein schon in den letzten drei Kategorien erspäht man teilweise reichlich «Exotik» – namens Barrier-Discount-Zertifikat, Capped-Outperformance-Zertifikat, Airbag-Zertifikat, Twin-Win-Zertifikat, Kapitalschutz mit Knock-out. Dass ob so viel Möglichkeiten respektive Ausgefallenheiten selbst professionelle Finanzakrobaten Gefahr laufen, sich im Tummelfeld zu verlieren, dürfte nicht von der Hand zu weisen sein.

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Und genau da liegt eine andere, nicht zu unterschätzende Crux. Denn wieso soll ein x-beliebiger Berater eines x-beliebigen Finanzinstitutes Börsentendenzen richtig vorhersagen und optimal in die individuelle Portfolioverwaltung mit einbeziehen können? Treffen des Beraters Auguren überwiegend ins Schwarze, erkennt dieser jedweden wirtschaftlichen Frostvorboten oder ähnelt er lediglich dem Frosch aus der Fabel des Phädrus? Dieser hat sich nämlich aufgepumpt, nur um so gross wie der Ochse zu werden. Am Ende ist er aber einfach geplatzt – und damit wohl auch die (Rendite-)Illusion.

Multimediales im Aufwind

Gewiss, es gibt nicht den Berater (oder das Institut/Produkt) schlechthin, vielmehr ist es eine Kombination aus diversen Faktoren. Und dazu gehört auch die regelmässige Auseinandersetzung mit der Strategie sowie Hinterfragung des Portfolioaufbaus. Gemäss diversen Studien zeichnet die Strategie doch bis zu 80% für den Anlageerfolg verantwortlich. Evident dabei ist vor allem, dass sich der Investor über seine Erwartungshaltung (Markt/Risiko/Zeit etc.) zu 100% im Klaren ist.

Sich zu sehr auf etwaige Trends oder andere Personen abzustützen, kann sich durchaus als Bumerang erweisen. Für die Anlegergemeinde werden zukünftig innovative Finanzinformationsquellen, die obendrein den integralen Charakter (z.B. Crossmedialität) hoch- halten, immer notwendiger. Gefragt sind nicht ausschliesslich kurzfristige News, ausgeklügelte Kurstools oder spezifische Online-Entscheidungshilfen, sondern verstärkt auch langfristig disponierende Investmentstorys. Die Mischung, sprich das Ausloten solcher umfangreicher Informationsplattformen, liefert dem wirtschaftsaffinen Nutzer – nicht nur der Finanzteil soll abgedeckt sein, ebenso soll das Wirtschaftliche im Allgemeinen einfliessen – die nötige Grundlage, um sich ein breit gefächertes Wissen aneignen zu können.

Unabdingbar ist hierbei das Verschmelzen der klassischen Berichterstattung mit Videobotschaften und sogar korrespondierenden SMS-Hinweisen. Darüber hinaus dürfen Seminare, Roadshows und Live-Präsentationen nicht vergessen gehen. Die Finanzakteure haben längst globale Denkmuster angenommen, werden entsprechend zunehmend anspruchsvoller, fahren auf eigene Faust und lassen sich nicht mehr derart mit blumigen Versprechen abspeisen.