In wenigen Tagen hat das Warten ein Ende und die Fussball-WM in Südafrika wird angepfiffen. Die Fans der Schweizer Nati werden hoffentlich einige Tore bejubeln können und somit auch auf die Mannschaft von Nati-Captain Alex Frei anstossen. Auf den «WM-Effekt» hoffen auch hiesige Brauereien. Konkrete Erwartungen, wie hoch der Mehrumsatz ausfallen werde, habe man aber nicht, sagen Heineken, die Brauerei Locher in Appenzell sowie die Brauerei Schützengarten in St. Gallen.

Nicht mit Euro 08 vergleichbar

Bei Feldschlösschen, dem Schweizer Branchenprimus, wird man dagegen konkreter. CEO Thomas Metzger rechnet zwar nicht mit Volumen wie während der Euro 08 - damals reisten schliesslich eine Million zusätzliche Konsumenten in die Schweiz. Doch: «Wir hatten auch 2004 und 2006 einen Fussball-Hype», gibt sich Metzger zuversichtlich. Wie gross der WM-Durst dieses Jahr sein werde, sei jedoch schwer vorauszusagen. Dennoch erwartet er, dass während des WM-Monats ein zusätzlicher Absatz in der Grössenordnung von 5 bis 10% generiert wird.

Rauchverbot drückt Umsätze

Die Zusatzeinnahmen sind willkommen. Denn auch wenn bereits die letzten Monate bei Feldschlösschen erfreulich verliefen, stagniert der Schweizer Biermarkt. Der Wettbewerb wird härter. So nehmen die Importe, mehrheitlich Dosengebinde aus dem Discountsegment, weiter zu und machen nun schon 20% des Marktes aus.

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Dabei wären in der Schweiz genügend Kapazitäten vorhanden, um dieses Bier auch hier zu produzieren. Mit dem Rauchverbot erhält der Bierabsatz in diesem Jahr jedoch nochmals einen Dämpfer. «Kurzfristig kann der Konsum dadurch um 5 bis 10% zurückgehen», schätzt Metzger.

«Moussy»-Biere für Araber

Es ist daher für Feldschlösschen zentral, neue Zielgruppen zu erschliessen, um die Einbussen zu korrigieren. «Dazu gehört, dass wir verstärkt Frauen und Konsumenten von alkoholreduzierten Bieren als Kunden gewinnen wollen», sagt Metzger. Derzeit werden saisonale Spezialitäten für das Aperitifgetränk Cardinal Eve lanciert. «Wenn ich mir die Entwicklung anschaue, dann sollten 10% des Umsatzes eine Grösse sein, die wir anstreben wollen», so Metzger. Zudem ist Eve nicht nur in der Schweiz erfolgreich, auch in England, Deutschland, Russland und Malaysia verkauft sich das Produkt sehr gut.

Zwar setzt Feldschlösschen weiter auf den Schweizer Markt, doch die Zukunft scheint vermehrt im Export zu liegen. Die Ausfuhren machen bereits mehr als 20% der Volumen aus. So stellt Feldschlösschen in der dänischen Carlsberg-Gruppe, zu der das Unternehmen seit rund zehn Jahren gehört, das Kompetenzzentrum für alkoholfreie und leichte Biere. Innerhalb des Konzerns hat das Unternehmen einen Abfüllauftrag für die komplett alkoholfreien «Moussy»-Biere, die mehrheitlich in die arabischen Märkte geliefert werden.

Dieses Geschäft entwickelt sich erfreulich, in den letzten zehn Jahren hat sich der Absatz mehr als verdoppelt. Das Abstimmungsresultat zur Minarett-Initiative vom letzten Jahr und auch die aktuelle Diskussion um ein Burka-Verbot werden aber bei Feldschlösschen mit einer gewissen Besorgnis zur Kenntnis genommen.

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Keine Angst vor den Kleinen

Obwohl der Markt hart umkämpft ist, schiessen derzeit dennoch kleine Brauereien wie die berühmten Pilze aus dem Boden. Die unabhängigen Biere machen dem Marktführer aber keine Kopfschmerzen: «Sie helfen uns, das Bier zu einem permanenten Thema zu machen, und fördern die Bierkultur», so Metzger. In Zahlen bedeutet das: Nachdem es vor einigen Jahren weniger als 100 Brauereien gab, sind in der Schweiz nun wieder 280 Betriebe tätig. «Die Anzahl der Kleinbrauereien wird weiter steigen», prognostiziert Metzger. Diese Kleinbetriebe würden jedoch kein Übernahmeziel für Feldschlösschen abgeben. «Wir haben», so Metzger, «im Bierbereich keine Akquisitionen vorgesehen.»