Bei uns sind Motorradfahrer immer willkommen», ruft Heiner Gossen durch die Empfangshalle des altehrwürdigen Hotels Plättig auf der Bühler Höhe, kurz hinter Karlsruhe. Leicht irritiert füllen wir die Anmeldezettel aus. In den meisten Fällen werden Motorradfahrer mit durchnässten Lederkombis in Hotelhallen nicht so nett empfangen.

Wir beziehen die Quartiere und entledigen uns der lästigen Sicherheitskleidung. Das nasse Zeug landet an Bügeln auf dem überdachten Balkon – in der Hoffnung, am nächsten Morgen in trockene Hosen steigen zu können. «Aber wir haben doch einen Trockenraum», erklärt uns Hotelbesitzer Heiner Gossen geduldig und zeigt uns geschwind den mit Entfeuchter und Wäscheleinen ausgestatteten Kellerraum.

Der Schwarzwald ist schon lange nicht mehr nur eine Destination für Kurgäste. Das von der Deutschschweiz schnell erreichbare Mittelgebirge zwischen Karlsruhe und Schweizer Grenze hat sich in den letzten Jahren vom Rentnerparadies zum Bikerparadies erneuert. Töfffahrer finden hier ideale Bedingungen: Gute Strassen, reizvolle Landschaften und eine herzliche Gastfreundschaft. Diese wird sogar eigens für Motorradfahrer zertifiziert. Die regionalen Tourismusverbände vergeben die Auszeichnung «motorradfreundliches Hotel». Um die Affiche zu kriegen, sollten die Gastwirte zumindest gesicherte Parkplätze, einen Trockenraum und eine Schrauberecke mit dem nötigsten Werkzeug zur Verfügung stellen.

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Der Weg ist das Ziel

Weit sind wir an diesem ersten der vier Tage zwar nicht gekommen, doch wir zockeln gemütlich weiter Richtung Süden. Die Tour, die uns Hotelier Heiner Gossen empfohlen hat, führt ein Stück über die Schwarzwaldhochstrasse. Seit Sturm «Lothar» an Weihnachten 1999 die bewaldeten Hänge zum Teil kahl rasiert hat, bietet sich dem Reisenden eine romantische Fernsicht. «Jetzt lohnt die Fahrt über die Hochstrasse wieder. Vorher mussten die Gäste ja eine Leiter aufstellen, damit sie was sehen konnten», scherzte Heiner Gossen gestern noch. Der Hotelier hat nicht übertrieben. An den Stellen, wo der Sturm die Bäume stehen liess, führt die Hochstrasse mehr oder weniger geradeaus durch dichten Wald, der keinen Blick freigibt.

Es knackt in den Ohren, als wir die zum Teil auf 1000 m. ü. M. gelegene Hochstrasse verlassen und uns dem Kurort Baiersbronn nähern. Noch vor einigen Jahren wurde hier diskutiert, ob man die Durchgangsstrasse für Motorradfahrer sperren sollte. Heute sind Biker ausdrücklich willkommen. Auch Baiersbronn will offensichtlich von dieser neuen Zielgruppe im Tourismus profitieren.

«Wir haben hier keine Angst mehr vorm schwarzen Mann», behauptet Richard Sturtzel vom Tourismusbüro Baiersbronn – «ähh und vor der schwarzen Frau natürlich auch nicht», ergänzt er seinen gut gemeinten Willkommensgruss! Die Strasse durch Baiersbronn bleibt trotzdem gesperrt, doch nur zwischen 22 bis 6 Uhr.

Abwechslungsreiche Umgebung

Landschaftlich bietet der Schwarzwald für jeden Zweiradtyp etwas. Im Norden sind die Berge lang gestreckt, fährt man durch lange Waldstrecken. In der Mitte ziehen sich die Wiesen und die Gehöfte weit hinauf an den Hängen der mal breiten, mal kurvig engen Täler, die hier das Waldgebirge fast in seiner ganzen Breite durchschneiden. Die Wälder ziehen sich oft zurück auf die Berge.

Je weiter wir in den Süden gelangen, desto kurviger werden die Strecken. Hier ragen die meisten der kuppigen Gipfel über die 1000er-Marke, sind häufig baumfrei, bieten weite Blicke und gute Kurvenstrecken. Nachdem uns der Ride durch die 173 Kurven auf den Gipfel des Schauinslands verwehrt wurde (die Strecke ist am Wochenende und feiertags gesperrt), steuern wir nun Richtung Belchen. Eine der ersten Kurven des Passes sorgt dann aber prompt für einen kleinen Adrenalinstoss. Wer rechnet im Schwarzwald schon mit anspruchsvollen Haarnadelkurven? Die gut ausgebaute Strasse führt in Schlangenlinien den Berg hoch, bis man vom Gipfel auf 1400 m. ü. M. den heimischen Alpen zuwinken kann.

Am Fuss von Belchen, Schauinsland und Feldberg warten dann wieder malerische Täler. Wir fahren im Schneckentempo durch das Schluchtal – zum einen, um gegen heruntergefallenes Festgestein in den Kurven gewappnet zu sein, und zum anderen, um diese märchenhafte Gegend zu geniessen. Die schmale, zum Teil aus dem Fels geschlagene Strasse windet sich unter dem Schutzdach der Baumkronen durch das Tal.

«Im südlichen Schwarzwald gibt es noch viel mehr schöne Strecken zu entdecken», versprechen Thomas Baur und Michael Schnee, zwei Mitglieder des Motorradclubs Todtnau. Die beiden, die dem örtlichen Gemeinderat angehören, fahren unserer Truppe ein Stück voraus. Sie profitieren vom Heimvorteil, denn ab und zu biegen die motorisierten Gemeindevertreter in Wege ein, die sonst niemand benutzt hätte. «Unser Motorradverein holt euch ab, wenn ihr hier irgendwo liegen bleibt», verspricht Thomas Baur. «Wir wissen aus eigener Erfahrung, wie das ist, wenn man in einer fremden Gegend einen Kettenriss hat.»

Das Albtal als grosses Finale

Der Weg Richtung Heimat führt uns zum Abschluss des verlängerten Wochenendes von St. Blasien aus durch das Albtal. Was für ein Finale! Langsam schlängeln wir uns mit der schmalen Strasse durch die unzähligen Kurven dieser Postkartenlandschaft. Der Zauber hält fast 30 km lang, und jeder einzelne ist es wert, noch einmal gefahren zu werden – von der anderen Seite. Abgemacht: Die nächste Tour durch den Black Forest wird in dem kleinen Örtchen Albbruck kurz hinter Waldshut beginnen.