In den diesjährigen Lohnverhandlungen halten die Arbeitnehmenden Trümpfe in der Hand: Die Schweizer Firmen überraschen mit hervorragenden Abschlüssen. «Weil die Konjunktur derzeit in verschiedenen Binnensektoren wie etwa der Bauwirtschaft oder dem Dienstleistungssektor stark läuft, können dort signifikantere Lohnerhöhungen erwartet werden», sagt Daniel Kalt, Leiter Volkswirtschaftliche Analyse bei UBS Wealth Management Research. «2 bis 3%» dürften in diesen Wirtschaftssektoren laut Kalt durchaus drinliegen.

Überstunden auf dem Bau

Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, stützt diese Sicht: «Auf dem Bau etwa werden Überstunden gemacht.» Das Argument der Krise werde missbraucht: «Die Binnenwirtschaft beispielsweise war gar nie in der Krise», so Lampart. Die Gewerkschaft Syna will auf dem Bau und in der Dienstleistungsbranche darum bis zu 3% mehr Lohn durchsetzen. Martin Fehle, Vizedirektor des Schweizerischen Baumeisterverbands, reagiert gelassen: «Die konkreten Abschlüsse weichen in der Regel deutlich von den ursprünglichen Vorstellungen ab», betont er mit Blick auf die Lohnverhandlungen.

Das Ausland bremst

Jan-Egbert Sturm, Leiter der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich (KOF), spricht davon, dass «gesamtwirtschaftlich eine moderate Lohnerhöhung möglich sein sollte». Doch nicht alle werden profitieren: Schlechter sieht es für all die Angestellten aus, deren Firmen ihr Geld im Handel mit dem Ausland verdienen. «In den stark gebeutelten Unternehmungen der Exportindustrie sind die Spielräume für Lohnerhöhungen klein», sagt Thomas Daum, Direktor des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes. KOF-Leiter Sturm warnt davor, die Wettbewerbsfähigkeit durch überhöhte Lohnschritte zu gefährden. «Der deutsche Exportmotor läuft unter anderem wegen der dortigen Lohnzurückhaltung in den letzten Jahren so gut.»

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