Heute gilt es mehr denn je, sich von europäischen Denkweisen und Grössenordnungen zu verabschieden und in andere Dimensionen vorzustossen. Das Wirtschaftswachstum in Emerging Markets wie China, Indien oder Brasilien wird nach wie vor drastisch unterschätzt. In China und Brasilien sind es gegen 200 Mio Menschen, die beim Bruttoinlandprodukt die Schwelle von 6000 Dollar pro Kopf und Jahr überschritten haben.

Diese werden in den nächsten Jahren als neue Konsumenten den Markt betreten, was wiederum dazu führt, dass der Rohstoffbedarf zur Deckung der Infrastruktur nachhaltig anziehen wird. Allein in China, Indien und Brasilien wird jährlich ein Schienennetz neu verlegt, das dem gesamten Schienennetz in Europa entspricht. Und in China werden zudem pro Monat rund 1 Mio neue Autos zugelassen. In Japan hat sich in den zehn Jahren, die das Land nach dem Aufbruch bis zur Industrienation gebraucht hat, der Rohstoffverbrauch verdreifacht. In China, das heute am Beginn dieses Weges steht und das zehnmal grösser als Japan ist, wird sich in den kommenden zehn Jahren der Rohstoffverbrauch aber verdreissigfachen. Wir haben es hier mit Grössenordnungen zu tun, die unser Vorstellungsvermögen übersteigen.

Aufschwung an Chinas Börse

Bis Ende 2012 schätzen wir das Börsenpotenzial von China auf rund 30 bis 40%. Doch das Land muss unter ganz speziellen Aspekten betrachtet werden. Die offiziell kommunizierten Wachstumszahlen werden von Finanzanalysten als Basis verwendet, was letztlich zu viel zu tiefen Prognosen führt. Vor dem Hintergrund der Erkenntnis, dass das chinesische Regime mit Sicherheit eher tiefstapelt, um wirtschaftliche Stabilität zu sichern, und dass dieses Land sich in den nächsten zehn Jahren zu einem Technologie-Leader entwickeln will und wird, müssen die Erwartungen allesamt nach oben korrigiert werden.

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Westliche Nationen sollten die Idee begraben, auch in Zukunft Güter des täglichen Bedarfs nach China exportieren zu können. Denn es ist wichtig zu verstehen, dass Asiaten grundsätzlich bei sich selber einkaufen und nur importieren, was nicht in ausreichendem Masse im Land selber verfügbar ist. Das gilt speziell für Rohstoffe wie Kupfer, Silber oder Kohle und einige wirklich sehr exquisite Luxusgüter.

Für China wird die Rohstoff-Frage so zentral, dass heute schon weltweit alles beschafft und gesichert wird, was erhältlich ist. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass die Erschliessung neuer Rohstoffminen acht bis zwölf Jahre dauert - ein Zeitraum, der angesichts des Wachstumstempos in China eine undenkbare Wartefrist darstellt.

Vielversprechend sind auch die Aussichten für Brasilien. Die Börse hat das Potenzial, um in den nächsten Jahren 30 bis 40% zu wachsen und sich zu einer der stärksten und reichsten Nationen auf der westlichen Hemisphäre zu mausern. Brasilien verfügt über alle für den Wirtschaftsaufschwung benötigten Ressourcen und ist intelligent genug, die Überschüsse zu exportieren.

Real wird zu starker Währung

Zudem hat es die Regierung verstanden, die Korruption einzudämmen und für politische Stabilität zu sorgen. Hier liegt einer der Gründe, wieso das Nachbarland Venezuela, das ähnliche Voraussetzungen bezüglich Ressourcen hat wie Brasilien, sich nicht in gleichem Masse entwickeln kann. Als Folge der rasanten brasilianischen Entwicklung wird die Landeswährung Real zu einer der stärksten Währungen weltweit werden.

Verhaltenes Europa

Für Europa und die USA sind die Zukunftsaussichten dagegen verhalten. Die Wachstumsanteile verlagern sich weiterhin in Richtung Nord-Süd-Gefälle, sprich, die zunehmende Dominanz des Nordens wird sich akzentuieren. Insgesamt wird das Börsenpotenzial für diese Regionen mit 10 bis 15% moderat bleiben. Die grössten Chancen bieten sich bei der Herstellung hochpreisiger Exportprodukte in den Bereichen Ernährung, Pharmazeutika und Luxusgüter.Die Indikatoren zeigen alle in dieselbe Richtung: Der immense Bedarf an Rohstoffen wird nicht so schnell gesättigt sein und bietet entsprechendes Anlagepotenzial. Folgerichtig werden auch Sektoren wie Materials (vorab Minentitel), Industrials, Health Care, Utilities, Energy und Info-Technology zu den Gewinnern zählen. Beim Nasdaq beispielsweise gehen wir von einem Potenzial bis Ende 2012 von 30 bis 40% aus.

Fazit für den Anleger

Aus diesen Megatrends kristallisieren sich die Anlagethemen für die nächsten 12 bis 24 Monate heraus: Anleger erfreuen sich an Sektoren wie Materials, Industrials, Health Care, Utilities oder Info-Technology, aber auch an den Emerging Markets wie China, Indien und Brasilien, den eigentlichen Treibern des Wirtschaftsmotors.