Der St. Galler Künstler Josef Felix Müller (geb. 1955) setzt sich seit Beginn seiner Künstlerkarriere mit der Natur des Menschen auseinander. Waren anfangs Zeichnung, Skulptur und Druckgrafik neben der Malerei Mittel, um die Befindlichkeiten der Menschen darzustellen, konzentrierte sich der Künstler ab der Jahrtausendwende hauptsächlich auf Naturdarstellungen. Gegenständlich war Josef Felix Müllers Malerei schon immer, in den letzten Jahren hat sie sich aber zunehmend zum Naturalismus entwickelt. Sie ist dem Pleinair verpflichtet, aber nur insofern, als dass der Künstler natürliche Situationen mit der Digitalkamera aufnimmt, sie unbearbeitet in sein Bildarchiv einspeist und die Motive nach einem komplexen Auswahlverfahren schliesslich in die Malerei überträgt. Die Abstraktionsverfahren, die er seit Jahren im Holzschnitt erprobt, beeinflussen auch seine Malerei und bewirken, dass er immer wieder von der Vorlage abweicht und das Bildmotiv in abstrahierende Bereiche ausdehnt. Dadurch entstehen in einem einzigen Bild ganz unterschiedliche Blickwinkel - und zuweilen der Eindruck, als sei zusätzlich eine Lupe verwendet worden, da der Blick des Betrachters gleichzeitig mit Naheinstellung und Tiefenschärfe konfrontiert ist.

 

 


Galerie Terashita, Tokio

Galerie Holtmann, Köln

Galerie Brykina, Zürich

Galerie Anton Meier, Genf

Galerie Jordan, Zürich

Galerie Andresthalmann, Zürich

Galerie Keller, Zürich

Galerie Georg Nothelfer, Köln

Die 1982 in Tokio gegründete Galerie Terashita stellt erstmals an der Kunst Zürich aus. Sie richtet ihren Fokus auf internationale zeitgenössische Kunst mit dem Schwerpunkt auf Konzeptkunst und Minimal Art. Das Galerienprogramm umfasst Gemälde und Skulpturen junger sowie bereits etablierter Künstler. Zu den letzteren gehört der japanische Künstler Sei Imazawa, der 1970 in Kofu, Yamanashi, geboren wurde. 1993 hat er sein Studium in Malerei an der Tokio-Zokei-Universität abgeschlossen und ist seither mit Einzelausstellungen vor allem in Tokio präsent. Charakteristisch für sein Werk sind die oft komplementär eingesetzten Farben, die eine ungeheure Leuchtkraft entfalten: Rot in Kombination mit Grau, Blau neben Orange und Violett sind häufige Farbkombinationen bei Sei Imazawa. Obwohl er die Linien in seinen Bildern äusserst sparsam setzt, ist die räumliche Wirkung, die von seinen Werken ausgeht, frappant. Wie auch im hier gezeigten Werk «Calling», wo sich scheinbar eine Türe in einen diffusen roten Raum hin öffnet.

Weitere Künstler der Galerie Terashita an der Kunst 09 Zürich sind Daniel Goettin (Schweiz), Dirk Rathke (Deutschland), Takashi Suzuki (Japan) sowie Natsuo Hashimoto (Japan).

Die Galerie Heinz Holtmann zeigt auf der Kunst Zürich als Schwerpunkt im Programm eine Solo-Show von Uta Päffgen (geb. 1970 in Köln) mit Werken aus dem Atelier der in Berlin lebenden Künstlerin. In ihren neuen, grossformatigen Leinwandarbeiten und kleinen, farbintensiven Aquarellen überzeugt sie mit ihrer gezielten, ausdrucksstarken Farbgestaltung. Einerseits setzt sie konzentriert Farben auf der Leinwand ein, arbeitet andererseits mit dem Verlauf von Öl und Acryl. Der erste Moment - wie sie selbst sagt - ist schwer, denn genau dann ist die Entscheidung für die Arbeit gefallen, sie muss präzise in Form und Farbe durchgeführt werden. Hinter den Leinwandarbeiten steht eine akribische Vorbereitungsphase.

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Die Resonanz auf ihre grossformatigen Leinwandarbeiten ist enorm. Auf drei grossen internationalen Messen anschliessend an die Kunst Zürich 08 im letzten Jahr - auf der alle ihre Arbeiten in die Schweiz verkauft wurden - sorgten ihre Werke für ausgesprochene positive Reaktionen. Auch ihre schwungvollen Aquarelle zeugen von grosser Farbintensität und Ausdrucksstärke - ein Resultat von Uta Päffgens scharfem, konzentriertem und anspruchsvollem Umgang mit ihren Bildern.

Marlen Spindler (1931-2003) war ein Nonkonformist, der zu den besten russischen Künstlern der 2. Hälfte des 20. Jh gehört. 1931 in Kirkisien geboren, verbrachte er seine Kindheit in Samarkand und Taschkent. Kurz vor dem Krieg zog seine Familie in die Nähe von Moskau. Erinnerungen an seine Kindheit in Mittelasien, seine tiefe Liebe zu Russland und dessen Natur, zu den orthodoxen Ikonen und Fresken waren stets die Quelle seiner Kunst. Sein Schicksal war tragisch, denn er büsste seinen Drang nach Freiheit, Kompromislosigkeit und künstlerischer Unabhängigkeit mit 15 Jahren Gefängnis und Exil. In seiner Kunst öffnet sich eine andere Realität. Spindlers Kreativität entspringen ganz eigene Zeichen, fantastische Gestalten und mysteriöse Figuren, mit denen er wiedergibt, was in seiner Seele vorgeht. Kreuz und Kreis sind Symbole, die sein ganzes Werk durchdringen. Wenn Marlen Spindler Abstraktionen studiert, malt er immer auch Landschaften der russischen Provinz.Seine starke Emotionalität prägt die kraftvollen Gemälde, gestaltet ihre Form und gibt ihren Rhythmus an. Die Hinwendung zur Farbe in den Jahren 1970 bis 1990 verkörpert auch eine Wandlung hin zum Licht, zu einer durch nichts eingedämmten Freiheit.

Die eigentliche Überraschung dieser Saison sind für den Galeristen Anton Meier die neuesten Arbeiten des 1953 geborenen Genfer Künstlers Daniel Berset. Weltweit bekannt wurde er durch seinen riesigen Stuhl mit dem weggerissenen Bein - «Broken Chair» - vor dem UNO-Gebäude als eine Hommage an die Opfer von Landminen. Jetzt präsentiert uns der Künstler seine subtil kolorierten, poetischen Holzskulpturen. Es sind dies die Früchte einer langjährigen geduldigen Arbeit.

Den Sitz als Metapher für seine Skulpturen verwendend, hat der Künstler ein rigoroses Werk der Tiefe, der Schönheit und Stille geschaffen. Man denkt dabei an die Bilder Morandis.

In einer Ecke seines Genfer Ateliers hat Daniel Berset eine Notiz an die Wand geheftet mit dem wahrscheinlich im Radio gehör- ten schlichten Satz: «S?asseoir, c?est déjà chercher la paix» («Sich hinsetzen heisst bereits den Frieden suchen»). Der tiefsinnige Satz wirkt wie ein Motto seiner jetzt präsentierten Arbeiten.

Cécile Hummel (geb. 1962 im Thurgau) hat ein Kunststudium absolviert und arbeitet seit 2001 in Basel. Noch bis zum 12. Dezember 2009 stellt sie im Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen aus. Cécile Hummel beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Fotografie, Malerei und Zeichnung. Sie wechselt von einem Medium ins andere und drückt das, was sie beschäftigt, abwechselnd in fotografischen Bildern, in Zeichnungen oder Gouachen aus. Die unterschiedlichen Medien ergänzen und verstärken sich gegenseitig, wobei ihre Bilder oft etwas Schwebendes haben.

Cécile Hummel geht zum einen von dem aus, was sie unmittelbar umgibt - die Räume und Möbel der Wohnung, die Sicht auf die Strasse, die Strasse selbst, die Stadt, in der sie sich befindet. Die Räume und Dinge also, die unser Leben so stark prägen. Allerdings zeigt die Künstlerin sie oft verwandelt - als Linien, Flächen mit verwischten Konturen, aber auch als Vierecke, Schachteln, Kuben, als amorphe Gebilde, rätselhafte Wesen. Zum andern ist Cécile Hummel immer wieder auch an jenen Bildern interessiert, die man im Kopf hat, und an einer Situation, die man gerade tatsächlich erlebt.

Donald Sultan (geb. 1951 in Asheville, North Carolina) transformiert die Intimität der Stilllebenmalerei in wuchtige Plastizität. Auf massiven Bildträgern sind Blumen oder Gegenstände in pechschwarzem Teer eingelassen. Der Künstler ersetzt die traditionellen Malutensilien -Pinsel, Pigmente und Leinwand - durch industrielle Materialien. Um seiner Malerei Körperlichkeit zu verleihen, tüftelte Sultan in den 70er-Jahren eine entsprechende Technik aus, die mittlerweile zum Markenzeichen seiner Kunst geworden ist: Aus Holzfaserplatten konstruiert er ein Gerüst, verkleidet es mit Linoleumplatten und überzieht es mit Teer. Dann schneidet er mit einem Messer oder Lötkolben seine Motive aus der Teerschicht. Die Negativformen füllt er mit Spachtelmasse und trägt darauf Farbe oder eine dünne Emailschicht auf. Der rohe Bildgrund steht in spannungsvollem Gegensatz zu den fein ausgearbeiteten Bildflächen. Sultans Repertoire umfasst neben klassischen Stilllebenmotiven wie Blumen und Früchte auch banale Alltagsgegenstände. Sultans Werke können gleichsam als Verquickung der Kunstrichtungen gelesen werden. So kombiniert er kunstfremde Materialien und Verfahren mit stilistischen und ikonographischen Strategien der Pop Art.

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Fotografie ist immer dann am stärksten, wenn sie kein anderes Medium wie zum Beispiel Film, Malerei oder Skulptur nachahmt, sondern Bilder eigener Qualität und Intensität erschafft. Und wenn der darauf abgebildete Gegenstand zwar deutlich anwesend, ja vielleicht sogar «bilddominant» ist, uns Betrachter jedoch der ganz eigene Blick des Fotografierenden in seinen Bann zieht. Die Schweizer Fotografin Ester Vonplon (geb. 1980), Gewinnerin des «ewzselection»-Hauptpreises 2009, besitzt bereits mit 29 Jahren einen emotionalen, intensiven und unverwechselbaren Blick, der an die grosse Tradition der Schweizer Fotografie erinnert. Warum die im Kosovo entstandene Schwarzweissaufnahme eines angebundenen Schimmels vor einem zerstörten Haus den Betrachter berührt, ist nicht ganz einfach zu erklären. Ester Vonplons Pferd wirkt wie ein Bote aus einer anderen Welt, scheint wie das geflügelte Pferd Pegasus nur zu Besuch bei uns Menschen und wie alle mythologischen Wesen nur eine flüchtige Erscheinung zu sein. Das Bild erinnert daran, dass es noch andere Welten gibt als die unsere: Das Reich der Kunst, der Phantasie, der Sehnsucht und der Ängste.

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Henri Michaux wurde am 24. Mai 1899 in Namur (Belgien) geboren. Seine Jugend war von Einsamkeit und Verweigerung geprägt: Er widmet sich zunächst der Literatur und liest vor allem die Mystiker. Er entdeckt die «Macht der Wörter» und beginnt selbst zu schreiben. In Paris entdeckt er die abstrakte Malerei (u. a. Paul Klee und Max Ernst). Immer wieder ist er auf Reisen (Amerika, Orient, Asien), von denen er seine Eindrücke in Schrift und Zeichnungen wiedergibt. Mitte der 50er-Jahre experimentiert er systema-tisch mit Halluzinogenen, vor allem mit Meskalin, und es erwachen Kobolde, Schamanen, Faune, Trolle, Geister, Magier, Ungeheuer. Henri Michaux nimmt in seinen Tuschzeichnungen skripturale Elemente und kalligrafische Zeichen auf. Systeme der Wort-Sprache und der Zeichen-Sprache durchdringen sich gegenseitig.

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Auf der Kunst Zürich 09 sind am Stand von Georg Nothelfer neben Michaux auch Arbeiten von Eduardo Chillida, Richard Serra, Thomas Hartmann, Kazuo Shiraga, Walter Stöhrer, Jan Voss, Robert Schad u. a. zu entdecken.