Für die meisten Leute verändert sich das Leben mit der Erwerbsaufgabe erheblich. Dies gilt auch für die finanziellen Aspekte: Das Erwerbseinkommen wird durch regelmässige Rentenzahlungen ersetzt, und die Höhe dieses Ersatzeinkommens kann wesentlich tiefer ausfallen. Daher ist es wichtig, die Finanzplanung frühzeitig zu erstellen. Die für diese Planung zentralen Elemente sind neben den vorhandenen Vermögenswerten und allfälligen fixen Verpflichtungen auch die zukünftigen Einnahmen und Ausgaben. Eine gründliche Analyse der im Moment der Pensionierung zu erwartenden Situation ist für die langfristige Planung entscheidend. Weiter gilt es, langfristige Prognosewerte für die zukünftige Entwicklung von Renditen, Teuerung etc. zu definieren.

Wie bei jeder Unternehmung ist es auch bei Privatpersonen wichtig, dass Einnahmen und Ausgaben in einem Gleichgewicht stehen oder man sich eines Ungleichgewichts bewusst ist und damit umzugehen weiss. In den meisten Fällen ist die Einkommensseite aufgrund der persönlichen Vorsorgesituation einfach zu bestimmen. Es fällt jedoch vielen Personen schwer, als Basis für die Pensionsplanung ein auf die neue Lebensphase ausgerichtetes detailliertes Ausgabenbudget zu erstellen. Aufgrund unserer Erfahrung als Finanzplaner lohnt es sich allerdings sehr wohl, dafür Zeit zu investieren, bringt die Kenntnis über den eigenen finanziellen Bedarf doch ein grosses Mass an Planungssicherheit mit sich.

Persönliche Ausgabensituation

Sämtliche Ausgaben zu notieren und am Ende einer gewissen Zeitperiode – die nicht zu kurz sein sollte – zu addieren, ist die präziseste Art, ein Budget zu erstellen. Geschieht dies noch während der Erwerbstätigkeit, sind Veränderungen wie eine geringere Steuerbelastung, anzupassende Ausgaben für Verkehr, Versicherungen und Hypothekarkosten oder der Wegfall von auswärtiger Verpflegung nach der Erwerbsaufgabe zu berücksichtigen. Allfällige zusätzliche Ausgabenpositionen wie ausgedehnte Reisen oder neue Freizeitbeschäftigungen müssen ebenfalls mit einbezogen werden. Weil Geldausgeben etwas sehr persönliches ist, empfiehlt sich diese individuelle Betrachtung.

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Die vom Bundesamt für Statistik regelmässig durchgeführte Erhebung über Haushaltsbudgets (siehe Grafik) kann je nach Situation entweder zur Verifizierung der eigenen Aufstellung oder als Basis für das eigene Budget verwendet werden. Weil es sich bei den aus dieser Erhebung gewonnenen Zahlen um Durchschnittswerte handelt, sind diese im Einzelfall zu hinterfragen.

Ungeachtet der Detaillierung der Ausgabenzusammenstellung ist es von Vorteil, grössere aperiodische Ausgabenpositionen separat aufzuführen und wenn möglich mit einem Fälligkeitszeitpunkt in der Zukunft zu versehen. Dadurch kann das dafür benötigte Vermögen frühzeitig ausgesondert werden. Die Vorfreude auf eine bevorstehende Weltreise oder ein neues Auto ist umso grösser, wenn die finanziellen Aspekte bereits geregelt sind.

Statistik als Anhaltspunkt

Obwohl es sich um Mittelwerte handelt, lässt die erwähnte Statistik interessante Aussagen zu. Der durchschnittliche Schweizer Rentner(haushalt) wendet:

22% seiner Ausgaben für Steuern und Krankenkassengrundversicherung auf – zwei nur beschränkt beeinflussbare Positionen;

für das Wohnen ebenfalls rund 23% aller Ausgaben auf;

für Grundbedürfnisse wie Nahrungsmittel, Bekleidung und Gesundheitspflege rund 18 % auf;

für individuell gut steuerbare Ausgaben wie Unterhaltung, Gast- und Beherbergungsstätten sowie Verkehr weitere 19 % seiner Ausgaben auf.

Diese Übersicht zeigt, dass knapp die Hälfte der Ausgaben nicht – oder nur beschränkt – vom Einzelnen beeinflusst werden können (Steuern, Krankenkassengrundversicherung, Nahrungsmittel, Bekleidung und Gesundheitspflege). Die andere Hälfte ist durch jeden Einzelnen bis zu einem gewissen Masse nach oben oder nach unten variierbar (Wohnen, Unterhaltung, Gast- und Beherbergungsstätten sowie Verkehr und Übriges). Um Sicherheit für die Planung zu gewinnen, sind die erstgenannten Ausgaben möglichst genau zu berechnen beziehungsweise zusammenzustellen. Letztere sind mit den persönlichen Bedürfnissen, Plänen und Zielen abzustimmen und allenfalls auch entsprechend zu priorisieren.

Die im persönlichen Budget definierten Ausgaben sind mittels Einnahmen aus Renten oder aus Vermögen beziehungsweise durch Kapitalverzehr zu decken. Fixe und nicht reduzierbare Lebenshaltungskosten sollten im Normalfall aus regelmässigen Einkommen wie Renten bestritten werden. Aufwendungen für Annehmlichkeiten oder Luxus können dagegen mit Kapitalerträgen oder gezieltem Vermögensverzehr beglichen werden. Eine frühzeitige Pensionsplanung erhöht die Möglichkeit, durch freiwilliges Vorsorgen mögliche Lücken zu schliessen.

Eine gründliche Analyse der persönlichen Situation rund zehn Jahre vor dem gewünschten Erwerbsaufgabetermin dient als Basis für eine langfristige und nachhaltige Planung. Diese Planung sollte durch eine Vertrauensperson mit entsprechender Erfahrung begleitet und mit vorsichtigen Schätzungen für die Zukunft erstellt werden. Diese Zeitinvestition ist sehr sinnvoll, um sich auf den dritten Lebensabschnitt freuen zu können und diesen aktiv und sorgenfrei zu geniessen.