1. Home
  2. Unternehmen
  3. «Wohin die Reise im Online-Handel geht, weiss niemand»

Modebranche
«Wohin die Reise im Online-Handel geht, weiss niemand»

Globus-Schild-Deal: Es gibt nicht nur Platz für Dinos. (Bild: Keystone)

Die Übernahme von Schild durch Globus wirft einige Fragen auf. Wie können sich die Modehändler gegen die mächtige ausländische Konkurrenz behaupten? Antwort darauf gibt der Chef der Mode Bayard Group.

Von Jeffrey Vögeli und Reto Vasella
am 29.10.2013

Vergangenen Freitag hat Globus bekanntgegeben, dass es die Modekette Schild übernimmt. Mit einem Umsatz von rund einer Milliarde Euro würde Globus damit zur Nummer eins im hiesigen Markt für mittlere und gehobene Mode. Schild wird weiterhin als eigenes Schweizer Modehaus unter dem Dach der Magazine zum Globus fungieren.

Doch reicht dies, um sich gegen die immer stärker werdende Konkurrenz wie Inditex (Zara), H&M und den in der Schweiz aggressiv expandierenden Online-Händler Zalando zu behaupten? Wie sollen sich Schweizer Mode-Händler positionieren?

Antwort darauf gibt Fredy Bayard, Chef der Mode Bayard Group, einem mittelgrossen Schweizer Modeunternehmen mit 65 Filialen und über 500 Mitarbeitern.

Handelszeitung.ch: Mit der Übernahme von Schild versucht Globus internationalen Giganten wie Inditex und H&M etwas entgegenzusetzen. Wie behaupten Sie sich mit Ihrem Unternehmen gegen diese übermächtige Konkurrenz?
Bayard: Der Markt braucht mehrere Player. Auch weil noch zu viel Umsatz ins Ausland abwandert. Es hat nicht nur Platz  für Dinos, sondern daneben auch für Schnelle und Bewegliche. Wir haben ein motiviertes Team und optimieren laufend unser Sortiment. Wir setzten für Beschaffung, Logistik, HR und Finanzen immer nur so viele Leute ein, wie wir jeweils brauchen.

Zurzeit drängt Zalando massiv in den Schweizer Markt. Wie stark spüren Sie die Konkurrenz durch den Online-Händler?
Die Bayard Gruppe ist im schwierigen Jahr 2013 auf Budget-Kurs. Auch weil wir im Online-Geschäft präsent sind. Die meisten verlieren heute – im Gegensatz zu uns – in diesem Geschäft Geld. Wohin die Reise im Online-Handel letztlich geht, weiss niemand. Zwei Dinge sind für uns zentral: erstens entscheidet der Kunde, wo er einkaufen will und wird - dabei will er Angebote auf beiden Marktplätzen. Und zweitens müssen wir als Mode-Unternehmen verhindern, dass aus rentablem stationärem Handel unrentabler Online-Umsatz wird.

Viele Schweizer Konsumenten versuchen vom günstigen Euro zu profitieren. Wie stark spüren Sie deswegen die Abwanderung der Käufer ins grenznahe Ausland?
Das Pflaster in grenznahen Orten wie Basel und Schaffhausen ist verdammt hart. Ein korrekter Wechselkurs von 1.35 wäre nicht nur im Interesse des Handels. Damit könnte man die Käuferströme stoppen - vielleicht sogar umkehren.

Um Erfolg zu haben, braucht es eine bestimmte Grösse. Sollten Schweizer Unternehmen deshalb selbst die Expansion ins Ausland anstreben?
Nicht unbedingt. Viele länderübergreifend tätige Mode-Unternehmen haben Probleme mit ihren Tochterfirmen, wenn sie in die Schweiz expandieren. Und umgekehrt. Weil eben jeder Markt seine Eigenheiten hat, ist es wichtig ist, dass man das lokale Business kennt.

Gibt es in der Schweiz aktuell Marktsegmente, die besonders unter Druck stehen?
Das Segment billige Mode für junge Leute scheint etwas unter Druck zu geraten. Ob es hier noch Platz für weitere Anbieter hat, scheint mir fraglich. Weil im frankenmässig schrumpfenden Mode-Markt Schweiz alle nur auf Kosten der anderen wachsen können.

Anzeige