Was heisst Mircoliving eigentlich?
Man versteht darunter grundsätzlich das Wohnen auf kleinem Raum, bei dem doch alles Notwendige zur Verfügung steht. Es muss eine Küche, ein Bett und ein Bad haben. Klein heisst für uns in der Schweiz rund 30 Quadratmeter.
 

 

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Wieso wird Microliving wichtiger?
Immer mehr Leute leben auf kleinem Raum, die Schlagworte heissen Urbanisierung und Verdichtung. Durch sie entsteht ein Finanzierungsdruck in den Städten: Man kann und will sich nicht mehr 80 Quadratmeter leisten. Dazu kommt noch die Individualisierung, immer mehr Leute leben alleine.

Stefan Breit

Der Naturwissenschaftler Stefan Breit forscht am GDI Gottlieb Duttweiler Institut über gesellschaftliche, wirtschaftliche und technologische Veränderungen mit den Schwerpunkten Wohnen, Infrastruktur und Umwelt.

Ein Aspekt des Microliving ist das Branded Living: Das Leben in der Kleinwohnung wird zur Marke gemacht.
Mit der Wohnung wird auch ein Lifestyle verkauft. Es geht nicht mehr nur darum, ein Dach über dem Kopf zu haben. Wenn ich zu iLive oder City Pop gehe, weiss ich, was mich erwartet. Ich zahle nicht nur für die Wohnung, sondern auch für das Umfeld. Dasselbe gilt beispielsweise auch für eine Wohnbaugenossenschaft, da weiss ich auch, welche Werte sie verkörpert.

Wohnen wird immer mehr vermarktet. Jede grössere Überbauung wird mit einer eigenen Website und einem eigenen Namen beworben.

Wie gross ist der Markt für Microliving? Werden damit nicht nur junge, gutausgebildete Kunden angesprochen?
Das wird sich zeigen müssen. Wenn sie in Zürich oder Basel an eine Türe klopfen, treffen sie mit einer Wahrscheinlichkeit von fast 50 Prozent nur eine Person an. Viele dieser Wohnungen sind nicht nur für eine Person gedacht. Deshalb gibt es sicher eine Nachfrage nach innovativeren Wohnformen für Personen, die alleine leben wollen.

Microliving - diese Studie erklärt den Trend

Das Gottlieb Duttweiler Institut hat das Phänomen Microliving untersucht. Hier können Sie die Studie lesen.

Lassen sich unterschiedliche Mieter mit derselben Marke ansprechen? Ein junger Student hat andere Bedürfnisse als eine Geschäftsreisende.
Mircoliving versucht Alleinlebende mit einem standardisierten Angebot anzusprechen, bei dem alle Wohnungen gleich aussehen. Die ganze Bandbreite der Mieter lässt sich mit einem einzigen Angebot aber sicher nicht abdecken.

Die Marken können nicht alles für alle sein.
Eine bestimmte Gruppe anzusprechen, dürfte am besten funktionieren, also beispielsweise die Studenten. Die Anbieter können dann versuchen, diese verschiedenen Angebote zu mischen.