Chinesische Firmen übernehmen derzeit westliche Firmen, Sie gehen den umgekehrten Weg. Warum?

Christian Budry: Wir sind bereits in China aktiv. Doch wir konnten vom starken Wachstum im Markt China nur wenig profitieren. Wir schafften es nicht, Maschinen zu entwickeln, die einfach genug und günstig sind, um auf dem chinesischen Markt zu bestehen. Mit dem Zukauf ändern wir das, denn die übernommene Firma produziert bereits mit Erfolg für den chinesischen Markt.

Dem Kaufvertrag müssen noch verschiedene Behörden zustimmen. Sind Sie zuversichtlich?

Budry: Es handelt sich nicht um die chinesischen Behörden, sondern um die Behörden von zwei kleinen Ländern. Und ja, wir sind zuversichtlich.

Müssen sich Schweizer Firmen vermehrt überlegen, mittels Firmenzukäufen in den chinesischen Markt einzudringen?

Budry: Das kann ein Weg sein, allerdings ist er nicht ganz einfach. Es funktioniert nur, wenn man einen guten Partner findet. Der Besitzer der von uns gekauften Firma hat auch den kanadischen Pass und kennt darum sowohl den Westen wie auch China. Wenn man hingegen mit Firmen zu tun hat, welche nur in der chinesischen Kultur zu Hause sind, wird es, sagen wir einmal, schwieriger.

Was ist beim Geschäften mit chinesischen Firmen zu beachten?

Budry: Auch wenn ein chinesischer Geschäftspartner einen Vertrag unterschreibt, ist dieser damit noch nicht unbedingt gültig. Umso wichtiger ist es, dass die eigenen Mitarbeiter beide Kulturen kennen, die westliche und die chinesische.

Wo sehen Sie das Potenzial für den chinesischen Markt?

Budry: Mit der Übernahme haben wir bei den Verpackungsmaschinen auf einen Schlag einen Marktanteil von zwischen 20 und 50%. Unser Ziel ist es, in China die Nummer eins zu werden, so, wie wir dasweltweit schon sind. In China wird der Bedarf etwa nach Lebensmittelverpackungen enorm steigen, weil die Bevölkerung wohlhabender wird. Wir sehen das am Beispiel Indien: Dort wird Bobst 2010 ein Rekordjahr haben.

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In China gibt es viele Risiken, etwa das einer Immobilienblase.

Budry: Früher war in China nie die Rede von Quadratmeterpreisen. Und bei den Lohnkosten verzeichneten wir in den letzten 13 Jahren einen jährlichen Zuwachs von durchschnittlich 15%. Trotzdem sind wir zuversichtlich.

Warum?

Budry: Heute werden in China Maschinen nachgefragt, die einfach zu handhaben sind, aber von einer hohen Zahl von Mitarbeitern bedient werden müssen. Steigen die Löhne in China weiter, werden vermehrt teurere Maschinen verlangt, die effizienter sind und weniger Personal brauchen. Solche Maschinen haben wir bereits im Angebot.

China bekämpft seine Abfallprobleme konsequenter. Was heisst das für Kartonprodukte?

Budry: Ohne Verpackung wird es nicht gehen, denn die vielen neuen Supermärkte sind auf verpackte Waren angewiesen. Zudem ist die Verpackung zentral für das Marketing, wie auch die chinesischen Produzenten wissen: Innert wenigen Zehntelsekunden entscheidet sich der Konsument für oder gegen ein Produkt, und da spielt die Verpackung die Hauptrolle.

Wie stark wollen Sie in China ausbauen?

Budry: Der Zukauf ist für uns ein wichtiger Schritt, aber mehr nicht. Wir werden jetzt nicht unsere Produktion nach China verlagern.

Fahren Sie Ihr Engagement in Europa und Nordamerika zurück?

Budry: Diese Märkte sind sehr reif, viel Wachstum wird es dort nicht mehr geben. Es ist aber auch nicht sinnvoll, einen zu grossen Marktanteil in einzelnen Ländern zu haben, weil eine zu marktdominierende Stellung auch Probleme mit sich bringt.

Zum laufenden Geschäftsjahr: Sie haben angekündigt, dass 2010 ein operativer Gewinn resultieren soll. Sind Sie weiter zuversichtlich?

Budry: Grundsätzlich sind wir optimistisch. Ein störender Faktor sind allerdings die stark und sehr kurzfristig schwankenden Wechselkurse. Wir haben nicht die Möglichkeit, unsere Preise rasch der jeweiligen Situation anzupassen.