Sie lancieren im Februar ein Kundenmagazin mit einer Auflage von 60 000 Exemplaren. 10 000 davon sollen in den freien Verkauf gelangen. Werden Sie vom Online-Banker zum Verleger?

Marc Bürki: Wir leiden etwas darunter, dass wir eine reine Online-Bank sind. Daher betreiben wir auch unsere Lounges. Wir suchen nun einen weiteren Weg, die Kommunikationslücke zu unseren Kunden zu schliessen. Es ist aber nicht so, dass ich Verleger werden möchte. Doch damit der Titel interessant ist, muss er mehr als nur Werbung in eigener Sache bieten.

Doch Printmedien leiden unter der Krise.

Bürki: Als reines Geschäftsmodell könnten wir keine Zeitschrift herausgeben. Es wird uns auch einiges kosten. Wir rechnen im ersten Jahr mit einem Fehlbetrag von 200000 bis 300000 Fr. Dies weil wir die Kosten nicht komplett mit Werbeeinnahmen decken können.

Das Magazin heisst «Swissquote- ePrivate Banking». Möchten Sie Private-Banking-Kunden abholen?

Bürki: Alle Werkzeuge, die wir entwickeln, gehen davon aus, dass der Kunde eine Investmentidee hat. Einem Teil unserer Kunden fehlt sie. Diesen wollen wir helfen.

Wann starten Sie mit dem neuen Private-Banking-Angebot?

Bürki: Die Tools sind noch nicht fertig. Die neuen Services sollen im nächsten Jahr lanciert werden.

Und kurz darauf erfolgt der Schritt ins Ausland?

Bürki: Mit dem Private-Banking-Angebot müssen wir erst in der Schweiz erfolgreich sein, dann gehen wir ins Ausland. Es hängt aber auch ein wenig von den Möglichkeiten ab. Wenn kurzfristig eine Banklizenz in Europa möglich ist, werden wir früher starten.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Kundenzuspruch im 3. Quartal?

Bürki: Wir haben nur die Hälfte der 500 Mio Fr. Nettoneugelder erwartet. Viele Kunden wollen sich vorbereiten. Sie eröffnen ein Konto, zahlen ein und warten ab. Das Bargeld vieler Trading-Kunden ist noch nicht investiert. Von den 500 Mio sind rund zwei Drittel Cash. Wir hoffen natürlich, dass etwas mit dem Geld passiert.

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Was tun Sie, um das Resultat beim Zinsgeschäft zu verbessern?

Bürki: Es gibt interne und externe Faktoren. Die Nationalbank könnte Liquidität aus dem Markt ziehen. Das wird aber erst in etwa zwei Jahre geschehen. Wir haben jedoch unsere Situation verbessert, indem wir neue Investitionsmöglichkeiten gefunden haben. Doch für Repo-Geschäfte, Obligationen und Swaps brauchten wir Know-how. Dafür mussten wir erst Leute einstellen.

Welche Ziele haben Sie im Kerngeschäft, dem Online-Trading?

Bürki: Das Ziel bleibt bei 200000 Kunden. Zudem sollen sich die Transaktionen pro Kunde stabilisieren. Der Wert sollte 20 Trades pro Jahr betragen. Das sollte im nächsten Jahr passieren. Die zwei zusätzlichen Transaktionen haben einen grossen Einfluss auf unser Geschäft. Im Fremdwährungsgeschäft erwarten wir über die nächsten zwei bis drei Jahre eine Verdreifachung des Ertrags von heute 13 auf 40 Mio Fr.

Dabei setzen Sie auch auf institutionelle Kunden?

Bürki: Sie sind die grosse Hoffnung, da sie viel grössere Volumen bringen. Durch Liquiditätsgaranten wie die UBS, Goldman Sachs und Citibank können wir günstige Tarife bieten. Ein Hedge- Fonds geht dahin, wo die Kosten tief sind. Es ist noch zu früh für Ziele. Wir hoffen, zusammen mit den Retailkunden, mittelfristig das Tradingvolumen von heute 330 Mio auf 1 Mrd Fr. zu steigern.

Im Fremdwährungsgeschäft ist der Wettbewerb hart. Werden Sie Konkurrenten übernehmen?

Bürki: Ja, falls möglich. Die meisten Anbieter haben eine Banklizenz beantragt. Ich glaube aber nicht, dass alle eine solche erhalten werden. Der eine oder andere wird auf der Strecke bleiben und ist dann günstig zu haben.

Die Aktie hat negativ auf die jüngsten Resultate reagiert. Weshalb?

Bürki: Zum einen gilt das Motto «sell on good news», zum anderen ist beim heutigen Wachstum ein Preis von 60 bis 70 Fr. fair. Im Kurs ist aber das Fremdwährungsgeschäft nicht eingepreist. Wenn das Private-Banking-Geschäft ein Erfolg ist, geht es weiter aufwärts.