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World Wide Werbung

Das neue Online-Videomagazin aus Zug dient Firmen als globale Werbeplattform. Das Konzept zieht immer mehr Schweizer Kunden an.

Von Robert Wildi
am 20.01.2011

Reto Gurtner hält einen Brocken einheimischen Granit vor die Kamera. In gebrochenem Englisch erklärt der Chef der Weissen-Arena-Gruppe, wie daraus die Ferienappartement-Anlage Rocksresort in Laax gemeisselt wurde. Corina Söhner zeigt die antiken Räume des Hotels Widder und erzählt von der langen Historie des Traditionsbetriebs am Zürcher Rennweg. Die Empfangschefin schwärmt auch von der Architektur und der Einrichtung mit Eames-Stühlen und Corbusier-Liegen. Und Internetnutzer aus der ganzen Welt schauen zu.

«Wir verstehen uns als hochwertiges Online-Magazin für Marken, die ihre Kunden mit einer attraktiv aufbereiteten Video-Botschaft erreichen wollen», sagt Constantin Bjerke. Der 30-jährige Deutsche hat Crane.tv 2008 mit Hilfe privater Geldgeber gegründet. Nur so viel will er zu den Aktionären sagen: Es seien «ehemalige erfolgreiche Banker sowie der Chef eines namhaften Modeunternehmens».

Kommerz und Inhalt sind eins

Bereits über 700 Videobeiträge aus aller Welt sind auf dem Portal geladen. Täglich kommen neue aus den Rubriken Kunst, Mode, Design, Lebensstil und Reisen hinzu. Die mit einem eigenen Team produzierten Werbefilme werden in Geschichten verpackt. «Die Beiträge sollen Hintergründe beleuchten und neben den Marken auch Menschen mit ihren persönlichen Ideen porträtieren», sagt Bjerke. Redaktioneller und kommerzieller Inhalt vermengen sich bei Crane.tv problemlos. Das gefällt den Auftraggebern offenbar. Das Jungunternehmen konnte mit Mini, Mercedes, Swarovski oder Nokia bereits einige lukrative Partnerschaften eingehen. «Im Unterschied zu anderen Web-Magazinen, die eine Erweiterung von gedruckten Originalen sind, ist Crane.tv ein reines Online-Videomagazin ohne überflüssige Textbeiträge», erklärt Bjerke.

Der Erfolg hat im Dezember sogar dasrenommierte «Wall Street Journal» dazu bewogen, Crane.tv auf eine Liste von europäischen Start-ups zu setzen, die es im Auge zu behalten gilt. Das wird den umtriebigen Bjerke weiter beflügeln, der trotz seines zarten Alters mit einem eindrücklichen Lebenslauf aufwartet. Er begann nach eigenen Angaben seine Karriere als Film- und Fernsehproduzent, arbeitete später bei der Werbeagentur Omnicom, war aber auch für die renommierten Finanzhäuser UBS, Lazard und Citigroup tätig. Studiert hat Bjerke am Berliner Managementinstitut ESCP-EAP.

Auch von Steueroptimierung versteht der seit zehn Jahren in London lebende Bjerke etwas. Operativ agiert sein Jungunternehmen Crane.tv mit den gegenwärtig 15 Mitarbeitenden von den Redaktionsbüros in der britischen Hauptstadt aus. Der offizielle Firmensitz ist Zug, wo das Unternehmen mit einem Aktienkapital von 235 000 Franken an der Gartenstrasse 4 ein paar Angestellte beschäftigt.

Die Standortwahl dürfte Crane.tv künftig massive Einsparungen bringen. Denn mit der wachsenden Anzahl Videos und der besseren Marktdurchdringung steigt der Umsatz, wie Bjerke bestätigt. Konkrete Zahlen nennt der Firmengründer zwar nicht. Nur so viel lässt er durchblicken: Man habe bereits Millionen verdient.

Der Sprung in die USA

Über die genauen Details der Werbedeals schweigen auch die Kunden. Die Marketingorganisation Design Hotels, der das Rocksresort und das Hotel Widder angeschlossen sind, konnte als Kundin der ersten Stunde profitieren. Das Video vom «Widder» entstand als eine Art Referenzobjekt und war daher kostenfrei. Im Gegenzug durfte die Film- und Produktionscrew von Crane.tv ein paar Nächte gratis im Zürcher Nobelhotel logieren. Solche Deals sind Vergangenheit, heute steigen die Preise mit jedem neuen Zuschauer. Crane.tv wird heute bereits von Internet-usern aus 150 Ländern konsumiert.

Bjerke will Crane.tv zu einem weltweit bekannten «Single-Klick» für alle Kulturliebhaber entwickeln. «So, wie Benutzer für globale Nachrichten die Webseite der ‹New York Times› und für allgemeine Suchaufträge Google anklicken, sollen sie für kulturelle Themen künftig bei uns landen.» Um diesem Ziel näher zu kommen, arbeitet er mit seinem Team unermüdlich an neuen Möglichkeiten, um die Beiträge und Inhalte von Crane.tv noch rascher und flächendeckender unter die Leute zu bringen. Ein Weg dazu ist die Entwicklung von neuen Apps für die mobile Kommunikation, die Crane.tv zurzeit in Kooperation mit Nokia vorantreibt.

Im Frühling will Bjerke einen weiteren Expansionsschritt vollziehen und Büros in New York eröffnen. Wichtige Kontakte hat er in den USA bereits geknüpft. Vorgesehen sind schon bald wöchentliche Beiträge auf dem Portal der renommierten amerikanischen Internetzeitung «Huffington Post» sowie eine enge Zusammenarbeit mit dem Fashion-Portal von «Harpers Bazaar». Crane.tv will nach Facebook-Manier das World Wide Web erobern, parallel dazu als Zuger Unternehmen den Heimmarkt aber nicht vernachlässigen. «Wir möchten heuer unbedingt auch mehr Schweizer Qualitätsmarken als neue Kunden dazugewinnen», so Bjerke.

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