Die Weltbevölkerung wird innerhalb von vier Jahrzehnten von heute 7 Mrd auf 9 bis 10 Mrd Menschen anwachsen. Zudem haben noch viele Länder einen grossen Industrialisierungsschub vor sich. Dadurch wird sich der globale Strombedarf bis 2050 mehr als verdoppeln. Mit fossilen Brennstoffen lässt sich dieser Bedarf nicht nachhaltig decken. Absehbare Engpässe bei fossilen Brennstoffen führen schon heute zu steigenden Energiepreisen. Gleichzeitig nehmen die Schäden durch klimabedingte Umweltkatastrophen zu.

Eine Frist von 20 Jahren

Eine deutsche Studie des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung (WBGU) verdeutlicht den Zeitdruck für den Umbau der Energiewirtschaft. Die Wissenschaftler haben die maximale Menge an CO2 errechnet, die weltweit noch ausgestossen werden darf. Wird dieses Budget überschritten, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich die Erde um mehr als 2 Grad Celsius erwärmt und dadurch der Klimawandel unkontrollierbar wird.

Bei den jetzigen Emissionsraten wird dieses Budget schon in 20 Jahren ausgeschöpft sein. Je länger der globale Umstieg auf erneuerbare Energien hinausgezögert wird, desto drastischere und somit teurere Massnahmen müssen gegen Ende des CO2-Budgets ergriffen werden - bis hin zur vorzeitigen Stilllegung von Kohlekraftwerken, die aktuell noch geplant und gebaut werden.

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«Die globale Energiewende muss entschlossen angegangen und schnell realisiert werden», so Katrin-Susanne Richter, Vorstand der Desertec Foundation. «Dafür muss man in grösseren Massstäben denken.» Das Desertec-Konzept setzt auf die Nutzung der reichsten Energiequelle der Welt: In sechs Stunden empfangen die Wüsten der Erde mehr Energie von der Sonne, als die gesamte Menschheit in einem Jahr verbraucht. Sauberer Strom aus Wüsten kann über lange Distanzen zu den bevölkerungsreichen Verbrauchszentren übertragen werden. Zudem sind die nötigen Schlüsseltechnologien bereits seit Jahren erfolgreich im Einsatz. Solarthermische Kraftwerke bieten einen besonderen Vorteil: Da sich Wärme im Gegensatz zu Elektrizität verlustarm speichern lässt, können sie Strom nach Bedarf liefern, auch nach Sonnenuntergang.

So können diese Kraftwerke in einem Netzverbund mit anderen erneuerbaren Energien sogar Schwankungen von Wind und Photovoltaik ausgleichen und damit zur Stabilisierung der Netze beitragen. Mit Hochspannungs-Gleichstrom-Leitungen wird der Wüstenstrom über Tausende von km in die Verbrauchszentren der Welt geliefert. Dabei fallen nur geringe Leitungsverluste und überschaubare Mehrkosten von 1 bis 2 Cent pro kWh an. Dem steht eine deutlich höhere Effizienz der Kraftwerke durch die stärkere und längere Sonneneinstrahlung entgegen.

Internationale Zusammenarbeit

In der Vergangenheit wurde Stromversorgung als lokale oder nationale Angelegenheit gesehen. Die Lösung des Energie- und Klimaproblems durch internationale Zusammenarbeit bei der Erschliessung der Wüsten stellt einen Paradigmenwechsel dar.

In Europa, im Nahen Osten und in Nordafrika hat Desertec, Hamburg, bereits ein Umdenken in Gang gesetzt. Zusammen mit Partnern aus der Industrie- und der Finanzwelt gründete sie eine Industrieinitiative, um die Realisierung des Desertec-Konzepts in der Mittelmeerregion voranzutreiben. Auch in den USA, in Australien, Indien und China entstehen erste Projekte und Initiativen zur Nutzung der Wüstensonne. «Wir freuen uns über diese Entwicklungen, aber angesichts des Zeitdrucks muss die weltweite Realisierung der Desertec-Idee noch schneller voranschreiten», so Richter.