Der Grundstein zum Coup wurde letzten Mai gelegt - nicht etwa am Finanzplatz Zürich oder im Entscheidungszentrum Bern, sondern im aargauischen Zofingen.

Dort sprach Thomas Jordan, Direktoriumsmitglied der Schweizerischen Nationabank (SNB) vor der Generalversammlung der Pfandbriefbank. Das Thema des Referats: «Pfandbriefe und Verbriefungen im Lichte der Finanzkrise». Damals standen mit Bear Stearns und der britischen Nor-thern Rock gerade die ersten Finanzinstitute vor der Situation, dass sie am Markt kein Geld mehr aufnehmen konnten. Nur das Eingreifen der Zentralbanken rettete sie vor dem Bankrott.

«Von Potenzial überzeugt»

Für Notenbanker Jordan Warnung und Inspiration zugleich. «Ich glaube, dass der Pfandbrief nicht nur ein Mittel der Refinanzierung von Hypotheken, sondern auch ein wichtiges Instrument der Liquiditätssicherung der Banken in Krisenzeiten sein könnte.»

Beim Konjunktiv sollte es nicht lange bleiben. Letzten Dezember orchestrierte die SNB die grösste Einzeltransaktion in Pfandbriefanleihen (siehe Kasten) der Schweizer Geschichte: Die UBS verpfändete für rund 2 Mrd Fr. Hypotheken an die Pfandbriefbank, die für den Gegenwert wiederum Pfandbriefe an die Zürcher Kantonalbank, Raiffeisen und PostFinance begab. Die gezeichneten Mittel gingen dann an die Grossbank zurück, welche den Investoren dafür einen Zins leistet.

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Mit dem Gesamtresultat können alle Teilnehmer zufrieden sein. Die UBS, weil sie an die dringend benötigte Liquidität gekommen ist; die Käuferbanken, weil sie auf diese Weise die in Massen vorhandene Liquidität zu einem attraktiven Zins sicher anlegen konnten. Und die SNB schliesslich, da sie der drohenden Kreditklemme ein Stück weit entgegenwirken konnte.

Geht es nach Jordan, könnte dieser Einzelfall künftig zur Regel werden: Die Banken refinanzieren illiquide Hypotheken vermehrt mit liquiden Pfandbriefen und halten diese selber in der Bilanz, um sie bei einem Kreditengpass nötigenfalls als Sicherheit für neue Mittel einzubringen. Dazu müsste allerdings das Volumen der Pfandbriefe erhöht werden, so Jordan. «Ich bin überzeugt, dass der Schweizer Pfandbrief als Instrument der Liquiditätssicherung grosses Potenzial hat.»

Mit dieser Überzeugung ist Jordan nicht allein. Gross ist das Interesse seitens der Kantonalbanken, denen 2008 besonders viele Mittel zuströmten, die sich aber auch den Vorwurf gefallen lassen mussten, sie horteten dieses Geld. Für sie bieten Pfandbriefe einen Ausweg aus dem Dilemma. «Die Pfandbrieftransaktion zugunsten der UBS hat gezeigt, dass auf diese Weise derzeit flottante Mittel wieder ins Banksystem zurückgeführt werden können», sagt Paul Nyffeler, Präsident des Verbands Schweizerischer Kantonalbanken VSKB. Dieses Vorgehen werde nun weiter ausgebaut, und die Kantonalbanken wollten dabei einen wesentlichen Teil beitragen, so Nyffeler. Der VSKB-Präsident könnte sich auch vorstellen, dass das Gesamtsystem noch mehr Liquidität benötigt - «weitere Emissionen in Milliardenhöhe sind denkbar». Neben den Akteuren der ersten Transaktion zeigen sich auch weiterer Player am Bankenmarkt an einer Teilnahme interessiert. Insbesondere die Valiant Bank: «2008 haben wir unsere Liquidität um 500 Mio Fr. ausgebaut», sagt deren CFO Rolf Beyeler. «Wir wären in der Lage, für bis zu 250 Mio Fr. Pfandbriefe zu zeichnen und sind auch weiterhin sehr interessiert an solchen Anlagen.»

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Bei der Pfandbriefbank wiederum, dem grösseren der beiden Schweizer Pfandbriefinstitute, rechnet Geschäftsleiter Jörg Schmid mit einem weiteren Anstieg des Volumens im Jahr 2009. Letztes Jahr nahmen die ausstehenden Papiere der beiden Schweizer Pfandbriefinstitute um rund 5 Mrd Fr. auf 50 Mrd Fr. zu.

Ironischerweise würde damit in der Schweiz die Verpfändung von Hypotheken im grossen Stil einsetzen, nachdem die Verbriefung von Immobilienkrediten die weltweiten Finanzmärkte ins Chaos gestürzt hat. Die Unterschiede zwischen Schweizer Pfandbriefen und den «Mortgage Backed Securities» US-amerikanischer Prägung sind allerdings fundamental. So werden die Ausfallrisiken nicht auf den Investor überwälzt (siehe Kasten), die Hypothek bleibt in der Bilanz der Bank.

Wenn die Banken aber einen grösseren Teil ihrer Hypotheken über Pfandbriefe refinanzieren und diese Anlagen als liquide Aktiven in der Bilanz halten, könnte es trotzdem zu Veränderungen im bisherigen System kommen.

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Seit 1931 kein einziger Ausfall

«Der Schweizer Pfandbrief verfügt über eine weltweit einzigartige Sicherungskette, die auch bei einem stark erhöhten Pfandbriefvolumen intakt bleibt», relativiert Hans-Jörg Brey, Vizedirektor der Pfandbriefzentrale. Allerdings könne es bei Zahlungsunfähigkeit einer einzelnen Mitgliedbank aber zu Liquiditätsproblemen kommen, da die Verwertung der Sicherheiten ihre Zeit brauche. Brey gibt dabei zu bedenken: «Seit Gründung im Jahr 1931 ist noch nie ein solcher Fall eingetreten.»