Etienne Jornod ist ganz oben angekommen. Selbst Konkurrenten schwärmen, von seinem guten Ruf träumen sie. Seit 15 Jahren reiht der Lenker von Galenica Rekordgewinn an Rekordgewinn. «Monsieur Galenica», heisst es in der Branche über den Romand, «ist ein Glücksfall für das Berner Pharmazie-Unternehmen.» An der Börse steigerte er als Chef und Präsident den Wert der Firma um 1350 Prozent. Kritische Fragen an Generalversammlungen gab es nie.

Mit der Ruhe ist es vorbei. Im Laufe des Jahres tritt Jornod als Chef zurück. An der Generalversammlung vom 5. Mai will er sich aber als vollamtlicher Verwaltungsratspräsident bestätigen lassen. Dagegen erhebt niemand Einspruch. Was Unmut schafft, ist sein Entschädigungspaket – und dabei vor allem, seine Ausgestaltung. Jornod soll für seine Arbeit als Präsident in den nächsten fünf Jahren 40 000 Aktien im Wert von 20 Millionen Franken erhalten. Gewählt wird er an der Generalversammlung aber nur für drei Jahre. Dennoch erhält er alle Aktien im Voraus.

Ein solches Paket gab es in der Schweiz selbst für vollamtliche Verwaltungsratspräsidenten noch nie. Der unabhängige Vermögensverwalter Z Capital lehnt den Entschädigungsbericht deshalb in seiner offiziellen Stimmempfehlung ab. «Ein Aktienprogramm mit fünf Jahresgehältern auf der Stufe eines Verwaltungsratspräsidenten ist kaum sinnvoll», sagt Z-Capital-Chef Gregor Greber. «Herr Jornod macht unbestritten einen hervorragenden Job bei Galenica und drückt begrüssenswerterweise mit dem Programm seine Verbundenheit mit der Firma und seine Zuversicht aus», sagt der Spezialist für gute Unternehmensführung. «Doch das Programm signalisiert faktisch eine Fristverlängerung seines Verwaltungsrats-Mandates bis 2017. Und Fristen bei Verwaltungsräten über drei Jahre sind schlicht zu lang.» Auch bei der Aktionärsvereinigung Actares herrscht Unverständnis: «Das Programm erinnert an längst vergangen geglaubte Zeiten», sagt Geschäftsführer Roby Tschopp.

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Verkauf von an sich gesperrten Aktien

Präsident Jornod, ein Schaffer, der wenig schläft, sagt dazu: «Der Verwaltungsrat wünscht auch weiterhin eine langfristige Führung des Unternehmens und hat deshalb die fünf Jahre gewählt.» Er selber hätte dem Verwaltungsrat immer gesagt, dass er auch ohne Weiteres bereit sei, auf der Basis einer traditionellen jährlichen Entschädigung zu arbeiten.

Auf Oppositionskurs ging Jornod aber nicht. Die Aktien des Pakets sind bis 2017 gesperrt. Er müsste einen Teil davon zurückgeben, sollte er die fünf Jahre als Verwaltungsratspräsident nicht vollenden. Bei einer Kündigungsfrist von einem Jahr kann der Vertrag zwischen ihm und dem Verwaltungsrat von beiden Seiten vorzeitig aufgelöst werden. Sollte Jornod also beispielsweise in drei Jahren nicht wiedergewählt werden, müsste er nach dem Jahr Kündigungsfrist noch die Aktien für ein Jahr im Wert von heute rund 4 Millionen Franken zurückerstatten.

Doch das Vorab-Vergütungspaket bringt Gutverdiener Jornod bereits jetzt in Schwierigkeiten. Er wird es im nächsten Jahr als Einkommen versteuern und dem Staat einige Millionen Franken abliefern müssen. Um diese Forderung begleichen zu können, hat er vor vier Wochen all seine bisherigen Galenica-Aktien im Wert von rund 10 Millionen Franken verkauft.

Abgestossen hat er dabei auch die noch gesperrten Aktien aus laufenden Entschädigungsprogrammen. Der Trick: Ein Terminverkauf. Seine gesperrten Aktien hat er zu einem im März fixierten Preis an eine Bank verkauft. Geliefert und bezahlt werden die Aktien, wenn sie nicht mehr gesperrt sind. Damit werden Jornods Einnahmen in den nächsten Jahren kursunabhängig und berechenbar. «Es ist heutzutage sehr unüblich geworden, gesperrte Aktien vorgängig auf Termin zu verkaufen», erzählt ein Investmentbanker. Im allgemeinen Verständnis sollen gesperrte Aktien den Manager gerade am Risiko der Gesellschaft teilhaben lassen.

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Wenig Gegenwehr

Jornod ist mit seinem neuen Paket zwar weiterhin und sogar stärker als bisher dem Aktienkurs von Galenica ausgesetzt. Trotzdem hegen Beobachter grundsätzliche Bedenken hinsichtlich solcher Terminverkäufen, weil frühere Generalversammlungen den Entschädigungsmodellen auch im Glauben zugestimmt haben, ein Teil der Aktien sei eben unveräusserlich gesperrt. «Generell sind Anpassungen von bestehenden Beteiligungsprogrammen nicht sinnvoll», sagt etwa Greber von Z Capital.

Ernsthaft fürchten muss Jornod die Generalversammlung dennoch nicht. Die Entlöhnungsabstimmung ist bloss konsultativ und das Aktionariat zersplittert. Beim einzigen Grossaktionär Alliance Boots sitzt er zudem selber im Verwaltungsrat.

Mit seinem Leistungsausweis macht sich Monsieur Galenica quasi unangreifbar. Dies obwohl schon die Höhe des Paketes in der Branche nicht alltäglich ist. «Wir beurteilen das neue Entschädigungsmodell als grosszügig», kommentiert Z-Capital-Experte Greber. Jornod selber erscheint es angesichts der Gewinnsteigerung von Galenica um 1000 Prozent unter seiner Führung als «angemessen». Sein einziges Risiko ist es daher, ein Stück seines hervorragenden Rufes zu verspielen.

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