Die Eigentümer des Sunrise-Mutterhauses TDC waren kaum in der Schweiz gelandet, als Sunrise-intern erste Gerüchte über die Absetzung von Jens Alder als TDC-Chef die Runde machten. Brand, der Alder noch aus der gemeinsamen Swisscom-Zeit kennt und schätzt, hat am Montag definitiv von dessen Absetzung erfahren, wie er im Interview erklärt (siehe «Nachgefragt»). Brand betont jedoch, dass sich für Sunrise auch unter dem neuen Chef Henrik Poulsen weder in der Strategie noch im Tagesgeschäft etwas ändern werde.

In einer Mitteilung zu seinem Abgang erklärt Alder, dass er die TDC «konsequent fokussiert und tiefgehend restrukturiert» habe. Nun trete der Fokus auf Marketing und Verkauf in den Vordergrund. «Mein Verwaltungsrat hat entschieden, für diese nächste Phase ein anderes Profil mit operativer Konsumgüter-Marketingerfahrung mit der Leitung des Unternehmens zu betrauen. Ich kann diese Sicht der Dinge nachvollziehen.»

Persönlich wird Brand Alders Weggang bedauern. Erfreut ist er dagegen über die Zusicherung der Sunrise-Eigner, weiterhin in der Schweiz zu investieren. Im Oktober sei der Investitionsplan fürs nächste Jahr abgesegnet worden, so Brand. «Und dieser Plan sieht höhere Ausgaben vor.»

Gleiche Kosten wie die Swisscom

Dennoch sind die Eigner gemäss Brand alles andere als happy mit der Situation in der Schweiz. Passend zur Vorweihnachtszeit brachten sie quasi einen Wunschzettel für die Behördenvertreter und Politiker mit: «Unser zentrales Anliegen ist es, dass wir zu denselben Kosten wie die Swisscom Zugang zu ihrem Netz erhalten. Einem Netz notabene, das zu Monopolzeiten aufgebaut und bezahlt worden ist», so Brand.

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Zudem sei eine Änderung in der Regulierungspraxis nötig. So müsse der Regulator ex ante (also im voraus) einen umstrittenen Preis festlegen können ? und der würde dann so lange gelten, bis der Rechtsweg ausgeschöpft wäre.

Keine Preissenkungen

Dass die Swisscom just diese Woche bekannt gab, zumindest den von der Kommunikationskommission verfügten Preis für eine Anschlussleitung von 18.18 Fr. nicht anzufechten, sei löblich, so Brand. Preissenkungen für die Kunden werde es aber nicht geben, denn: «Wir haben bei unserer Preisgestaltung bereits mit einem Preis zwischen 15 und 19 Fr. kalkuliert.»

 

 

NACHGEFRAGT


«Der Chefwechsel hat auf uns keinen Einfluss»

Sunrise-Chef Christoph Brand über die jüngsten Ereignisse bei seinem Mutterhaus TDC.

Wann haben Sie erfahren, dass Jens Alder nicht mehr Chef des Sunrise-Mutterhauses TDC ist?

Christoph Brand: Ich weiss es seit Montag.

Wie überrascht waren Sie?

Brand: Für mich ist entscheidend, dass Jens Alder im VR von Sunrise verbleibt. TDC und Sunrise werden streng getrennt geführt. Der Chefwechsel in Dänemark hat keinen Einfluss auf die Strategie und das Tagesgeschäft.

Wird ein Verkauf von Sunrise nun wieder zum Thema?

Brand: Nein. Unsere Investoren haben einen Investitionshorizont von sieben bis zehn Jahren. Bei Sunrise sind sie erst drei Jahre dabei.

Wie zufrieden sind die Investoren mit den Geschäftszahlen? Umsatz und Gewinn gehen zurück.

Brand: Aber wir haben Kunden gewonnen, im Mobilfunk sogar mehr als unsere Konkurrenten. Das war unser erklärtes Ziel.

Vertreter der Investorenfirmen Apax, KKR und Providence haben erstmals die Schweiz besucht und sich mit Behördenvertretern getroffen. Warum?

Brand: Sie wollten ein Zeichen setzen und den Entscheidungsträgern ihre Bedenken über die jüngste Entwicklung im hiesigen Telekommarkt direkt mitteilen.

Die da wären?

Brand: Es ist alarmierend, dass Ex-Monopolistin Swisscom, die heute schon über Marktanteile zwischen 70 und 90% verfügt, weiter Marktanteile gewinnt. Das sieht auch Regulator Marc Furrer so. Geht das weiter, ist kein privater Investor mehr bereit, Geld einzusetzen.

Haben die Investoren mit Rückzug gedroht?

Brand: Nein, sie machen sich Sorgen um den Telekomstandort Schweiz, in dem die Rahmenbedingungen durchs Band sehr einseitig zugunsten der Ex-Monopolistin ausgestaltet werden.