Die Aktionäre des Rohstoffkonzerns Glencore haben erwartungsgemäss der geplanten Fusion mit dem Minenkonzern Xstrata fast einstimmig zugestimmt. Der Milliardendeal muss am Nachmittag auch von den Xstrata-Aktionären genehmigt werden.

Kraft hinter den Fusionsplänen sind Glencore und der Chef des Konzerns, Ivan Glasenberg. «Glencore Xstrata plc», wie der neue Konzern heissen soll, wäre einer der grössten Rohstoff- und Bergbaukonzerne der Welt und würde die ganze Wertschöpfungskette von der Förderung bis zum Verkauf von Minenprodukten abdecken.

Wenige Aktionäre können Deal scheitern lassen

Die Spannung vor der Versammlung im schweizerischen Zug ist gross, da schon eine vergleichsweise kleine Zahl der Xstrata-Anteilseigner das Vorhaben scheitern lassen kann. Zudem sehen manche Beobachter im komplizierten Abstimmungssystem eine Gefahr.

Vor den Toren des Zuger Casino-Theaters, wo die beiden Generalversammlungen stattfinden, versammelten sich Demonstranten. Glencore und Xstrata stehen regelmässig in der Kritik von Menschenrechtsorganisationen, die den Konzernen vorwerfen, in den Abbauländern Afrikas oder Lateinamerikas Menschenrechte zu missachten und die Umwelt zu verschmutzen.

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Wettbewerbsbehörden haben das letzte Wort

Doch auch wenn die Aktionäre den Deal absegnen, wäre die Übernahme noch nicht perfekt. Wettbewerbsbehörden in aller Welt müssen noch über den Zusammenschluss entscheiden, durch den einer der mächtigsten Megakonzerne mit Kontrolle über grosse Teile der weltweiten Förderung und Vermarktung von Bodenschätzen und Agrarerzeugnissen entstehen könnte.

Die Aussichten für die Zustimmung der Aktionäre gelten inzwischen als gut. Vor allem will Xstrata-Grossaktionär Katar nun seine Blockadehaltung aufgeben und für die Übernahme stimmen, nachdem Glencore im September in aller letzter Minute seine Offerte erhöht hatte. Statt der ursprünglich 2,8 eigenen Aktien für ein Xstrata-Papier bietet das Unternehmen nun 3,05 eigene Aktien.

Xstrata-Manager auf der Flucht?

Umstritten sind üppige Halteprämien für rund 70 Top-Manager von Xstrata. Diese belaufen sich auf 144 Millionen britische Pfund. Trotz der hohe Summe rät der Xstrata-Verwaltungsrat den Aktionären, die Boni für die Führungskräfte durchzuwinken. Denn mit diesen soll verhindert werden, dass zu viele wichtige Manager das Unternehmen nach einer Übernahme durch Glencore fluchtartig verlassen könnten.

Die Gefahr besteht auch deshalb, da der gemeinsame Konzern mittelfristig von Glencore-Chef Ivan Glasenberg und nicht wie ganz zu Beginn angedacht von Xstrata-Vorstandschef Mick Davis geführt werden soll. Davis soll zwar erst einmal im Chefsessel sitzen, diesen aber dann nach sechs Monaten räumen. Einigen einflussreichen Aktionären wie dem Lebensversicherer Standard Life und dem Vermögensverwalter Knight Vinke sind die Boni dennoch zu hoch.

Um trotzdem die Zustimmung der Prämien-Kritiker zu erhalten, gibt es ein kompliziertes Abstimmungssystem. Zunächst müssen die Aktionäre über die Übernahme an sich entscheiden. Dafür gibt es zwei verschiedene Resolutionen, die 75 Prozent der Aktionäre annehmen müssen. Die eine sieht die Übernahme inklusive der Halteprämien vor, die andere die Übernahme ohne die Halteprämien.

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Bonus - ja oder nein?

Eine Viertelstunde später ist dann eine dritte Abstimmung angesetzt, in der es dann nur noch um die Prämien geht. In dieser wird entschieden, welcher der beiden Wege zur Übernahme beschritten wird - mit oder ohne Boni. Dabei ist dann nur noch eine Zustimmung von mehr als 50 Prozent der Aktionäre nötig.

Damit die Übernahme zustande kommt, muss dieses Ergebnis zu den ersten beiden Abstimmungen passen. Stimmen also mehr als die Hälfte der Aktionäre im dritten Wahlgang für die Bonuszahlungen, dann muss zuvor auch die erste Resolution angenommen worden sein. Um die Übernahme nicht zu gefährden, raten die Xstrata-Aufseher deshalb den Aktionären, auf jeden Fall den beiden ersten Resolutionen zuzustimmen.

Glencore in der Defensive

Glencore selbst besitzt zwar bereits 34 Prozent der Xstrata-Aktien, darf aber nach britischen Recht bei der Aktionärsversammlung nicht mitstimmen. Deshalb kann schon eine vergleichsweise geringe Anzahl von 16,48 Prozent der Aktionäre eine Übernahme verhindern.

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Viele Rohstoffverarbeiter wie die Stahlindustrie laufen gegen den Zusammenschluss Sturm und hoffen auf das Veto von Wettbewerbsbehörden. Um etwa die EU gnädig zu stimmen, bot Glencore Anfang November Zugeständnisse an. Welche das sind, ist offiziell unklar. Es soll sich aber um das Zinkgeschäft drehen. Die EU hat bis zum 22. November Zeit, um ein Votum abzugeben.

(vst/awp/sda)

Bildergalerie: Die grössten Minenkonzern der Welt

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