Der Internet-Pionier Yahoo will sich offenbar Zukunft kaufen: Der Verwaltungsrat des Unternehmens habe dem Kauf der Blog-Plattform Tumblr für 1,1 Milliarden US-Dollar zugestimmt, berichtete das «Wall Street Journal» auf seiner Internetseite.

Für Yahoo könnte ein Kauf von Tumblr der Versuch sein, wieder mehr jüngere Nutzer anzulocken. Der Konzern räumt selbst ein, dass er ein Defizit in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen hat. Bei Tumblr sind nach eigenen Angaben des Anbieters über 100 Millionen Blogs angesiedelt. Der von David Karp gegründete Dienst macht es Nutzern leicht, einfache Blogs aufzusetzen und Inhalte zwischen ihnen zu teilen. Viele der Tumblr-Blogs setzen stark auf Bilder und Videos.

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Akquisition grösser als Facebooks Kauf von Instagram

Wie das Technologie-Blog «AllThingsD» schreibt, stimmte der Verwaltungsrat einstimmig für die Übernahme. Der angebliche Preis von 1,1 Milliarden US-Dollar ist die bisher grösste Investition von Yahoo-Chefin Marissa Mayer. Sie übertrifft damit den Kaufpreis von etwa 1 Milliarde Dollar, den Facebook im Frühling 2012 für Instagram bezahlt hat. Anders als Facebook will sich Yahoo mit dem Kauf aber keine potenzielle Konkurrenz vom Hals halten, sondern hofft darauf, im Web 2.0 zu Google, Facebook und Co. aufzuholen.

«Wir versprechen, es nicht zu versauen», schrieb Yahoo-Chefin Marissa Mayer in einem extra aufgesetzten Tumblr-Blog. Gründer David Karp bleibt Chef der sechs Jahre jungen Firma. "Unser Team wird sich nicht verändern. Unsere Zukunftsplanung wird sich nicht verändern", beteuerte Karp. Durch die Übernahme stünden nun sogar mehr Ressourcen zur Verfügung.

Wordpress profitiert

Bei vorherigen Zukäufen hatte sich Yahoo zwar gerne die Technik und die Talente gesichert, aber die Dienste oftmals direkt im Anschluss eingestellt. So war es beispielsweise im März bei der Nachrichten-App Summly des jungen britischen Entwicklers Nick D'Aloisio.

Aus dieser Sorge heraus flüchteten scheinbar bereits die ersten Tumblr-Nutzer zum Alternativdienst WordPress. An einem normalen Sonntag würden 400 bis 600 Tumblr-Einträge zu WordPress herübergeholt, schrieb dessen Chef Matt Mullenweg am Wochenende. «In der vergangenen Stunde waren es mehr als 72 000.»

Bisher nur geringer Umsatz

Tumblr macht es Nutzern leicht, einfache Blogs aufzusetzen und Inhalte zwischen ihnen zu teilen. Viele der inzwischen 105 Millionen Tumblr-Blogs setzen stark auf Bilder und Videos. Jeden Tag gibt es 120 000 Neuanmeldungen. «Tumblr ist eines der am schnellsten wachsenden Mediennetzwerke in der Welt», schrieb Yahoo-Chefin Mayer.

Tumblr machte aber laut Medienberichten im vergangenen Jahr nur 13 Millionen Dollar Umsatz. Um das Geschäft anzukurbeln, werden Yahoo und Tumblr vor allem bei der Werbung zusammenarbeiten, der Haupteinnahmequelle. Yahoo betreibt neben Google und Facebook eines der grössten Anzeigensysteme im Internet.

Yahoo vor weiteren Zukäufen

In der Vergangenheit war das Internet-Urgestein aber hinter seine Rivalen zurückgefallen. Die im vergangenen Sommer zur Konzernchefin berufene Mayer soll die Wende bringen. Sie verspricht sich durch den Tumblr-Zukauf eine 50-prozentige Zunahme der Besucher. Vor allem junge Leute sind gern gesehen: Der Konzern räumt selbst ein, dass er ein Defizit in der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen hat.

Die ehemalige Google-Managerin sondiere mehrere weitere Übernahmemöglichkeiten aus, hiess es im «Wall Street Journal». Geld ist vorhanden, seitdem Yahoo seine Beteiligung am chinesischen Internetkonzern Alibaba teilweise verkauft hat. Der Tumblr-Kaufpreis fliesst fast komplett in bar. Der Abschluss der Übernahme ist in der zweiten Jahreshälfte geplant.

Lasche Inhaltskontrolle

Für Tumblr ist der Preis ein deutlicher Sprung im Vergleich zu bisherigen Bewertungen: Als sich die Firma zuletzt 2011 Geld von Investoren holte, gingen diese von einem Gesamtwert von 800 Millionen aus. Das bedeutet, dass die damals gekauften Anteile nun mehr wert sind - ein gutes Geschäft für die Investoren. Tumblr gehört zur New Yorker Start-up-Szene, die damit weiter gegenüber dem Silicon Valley wieder etwas aufgewertet.

Ein Problem für Yahoo könnte die lasche Kontrolle über Inhalte bei Tumblr werden. Unter anderem sind in vielen Blogs pornografische Inhalte zu finden.

(jev/chb/awp)