Haben unsere Hochschulen versagt? Dies war eine unter vielen anderen brisanten Fragen, die an der ZHAW-Podiumsdiskussion aufgeworfen wurde, als die Gesprächsteilnehmer in der Aula der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) die anhaltende Internationalisierung der Geschäftsleitung von Schweizer Grossfirmen reflektierten.

Ausgangspunkt der Diskussion war die von Guido Schilling und seinem Team erhobene Studie «An der Spitze», die alljährlich die Geschäftsleitungen der 100 grössten Schweizer Firmen vergleicht. Die vier eingeladenen CEO wussten zu diesem Thema vieles zu sagen; nicht nur aufgrund ihrer Erfahrungen im Kader von Schweizer Grossfirmen, sondern auch dank ihrer je multinational und multikulturell geprägten Biografie: Riet Cadonau, CEO der Firma Ascom, Bruno Chiomento, CEO von Ernst & Young, Martin Strobel, CEO der Bâloise-Gruppe, und Tim Talaat, CEO der Looser Holding, diskutierten unter der Leitung von Moderator Martin Spieler vor durchgängig besetzten Stuhlreihen. Schilling stellte fest, dass die Schweiz in puncto Human Capital ausgefischt sei, und fügte an: «Es gibt eben mehr Strobels in Deutschland als in der Schweiz.» Chiomento übte Selbstkritik auf die Frage, warum in den Top-Positionen die Schweizer fehlten: «Die ambitionierte Jugend haben wir zu wenig gefördert.» Strobel wollte allerdings eine Wohlstandsverwöhntheit bei den Hochschulabsolventen erkennen, die sie im notwendigen Globetrotting hemmte. Und Talaat sah sich den Studenten gegenüber zum Aufruf genötigt: «Young people, go east!», wobei sie nicht nur ihr Wissen über aufstrebende Märkte vergrössern, sondern auch die jeweiligen «social skills» erlernen sollten.

Dass der gegenwärtige Diskurs um die Europa-Krise, die Diskussion um das Frühenglisch in der Schule und die aktuelle Debatte um exzessive Löhne in das Gespräch einflossen, zeigte, wie im Management von Weltfirmen Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Kultur partizipieren, sich im Idealfall verbinden, in Realität oft zuwiderlaufen und schlimmstenfalls unheilige Allianzen bilden. Wäre nach einer Stunde nicht ein Apéro aufgetragen worden, hätte der Disput wohl noch lange gedauert ? an Fragen und Ideen zumindest mangelte es nicht.

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